Thomas Müller, Geschäftsführer der Solcom Unternehmensberatung GmbH
Herr Müller, wie hat sich das Projektangebot für Mobile-App-Entwickler in der letzten Zeit verändert? Und umgekehrt: Wie sieht für Unternehmen derzeit die Verfügbarkeit von auf App-Entwicklung spezialisierten Freelancern aus?
Thomas Müller: Der Projektmarkt für App-Entwickler hat sich in den letzten zwölf Monaten auf der Nachfrageseite sehr dynamisch entwickelt. Die stetig steigende Nachfrage von auf iOS und Android spezialisierten Entwicklern wird im Projektmarkt nun noch verstärkt durch den aufkommenden Bedarf an Entwicklern für Metro-Apps unter Windows 8.
Für Unternehmen ist die Situation zur Personalbedarfsdeckung im Bereich der App-Entwicklung momentan angespannt, aber nicht aussichtslos. Als Projektdienstleister im IT-Bereich haben wir Zugang zu mehreren Hundert freiberuflichen App-Entwicklern, die je nach Anforderungen in den Projekten unserer Kunden zum Einsatz kommen. Mit etwas Vorlauf konnten wir trotz der angespannten Marktnachfrage bis dato noch jedes Projekt besetzen.
In welchen Bundesländern oder Regionen finden Unternehmen am ehesten App-Spezialisten zur Umsetzung ihrer Mobility-Strategie?
Müller: Unsere Datenbankauswertung zeigt es genau: Im Berliner Raum scheint es die meisten freiberuflichen App-Entwickler zu geben, aber auch im Ruhrgebiet oder im Münchner Raum sind App-Entwickler schwerpunktmäßig zu Hause. Da die meisten freiberuflichen Entwickler aber generell mobil und damit im gesamten Bundesgebiet und teilweise sogar weltweit tätig sind, stellt dies aber für unsere Personalauswahl kein einschränkendes Kriterium dar.
Welche Fähigkeiten bzw. Qualifikationen werden seitens der Unternehmen vor allem nachgefragt? Welche sind eher zu vernachlässigen?
Müller: Gefragt sind Fähigkeiten im Bereich Objective-C, Java, Javascript, XML und HTML in Verbindung mit iOS und/oder Android. Zusätzlich werden oftmals Toolkenntnisse in Maven, Mercurial, Cocoa, Xcode, Selenium, Jira und Zeta-Test nachgefragt. Als Datenbanktechnologien und Frameworks kommen SQLite, OR-Mapping und Coredata zum Einsatz.
Mit welchem Stundensatz können freischaffende App-Entwickler heute durchschnittlich rechnen? Wie lange sind sie in der Regel in ein Projekt eingebunden?
Müller: Als Stundensatz sehen wir aktuell Preisspannen zwischen 50 und 120 Euro, je nachdem, ob es sich um einfache Entwicklungstätigkeiten oder um anspruchsvolle Aufgaben in Verbindung mit konzeptionellen Themen wie Systemarchitektur und -design handelt. Die durchschnittliche Projektlaufzeit unserer App-Entwickler liegt bei 18,2 Monaten und somit knapp unter der Projektlaufzeit klassischer SW-Entwicklungsprojekte.
Was halten Sie von der vergangenen Sommer eingeführten „Blue Card“ – eher heiße Luft oder ein probates Mittel gegen den Fachkräftemangel?
Müller: Die Blue Card kann sicher einen sinnvollen Beitrag zur Minderung des Fachkräftemangels leisten. Ich persönlich halte jedoch andere Maßnahmen für besser geeignet, da es sich teilweise auch um reine Allokationsprobleme handelt. In vielen Bereichen des IT-Projektmarktes sehen wir in der Tat eine Marktunterdeckung an geeigneten Spezialisten, in anderen aber auch nicht. Um ein Beispiel zu geben: Im Bereich der Windows-Systemadministration sehen wir eindeutig ein Überangebot an Spezialisten. Wenn es gelingen würde, einen Teil dieser Spezialisten auf verknappte Technologien umzuschulen, könnte man den IT-Fachkräftemangel damit deutlich mindern.