Deutschland-Geschäftsführer Markus C. Müller stellt klar: „Ein Verkauf ist ebenso vom Tisch wie eine Aufspaltung des Unternehmens. Unser Investor Fairfax verfolgt eine klare Strategie, die dazu führt, dass viele Kunden die Handbremse lösen.“
Nach einem für Blackberry äußerst turbulenten Jahr, in dem die Gerüchteküche zeitweise heftig brodelte und immer neue Übernahme- bzw. Auflösungsszenarien hervorbrachte, scheinen sich die Wogen rund um das kanadische Unternehmen derzeit zu glätten. Nun zeigen sich die Verantwortlichen sogar kämpferisch und geben das ehrgeizige Ziel vor, mit dem Investor Fairfax im Rücken wieder der weltweit führende Anbieter im Mobile Business zu werden. Erste positive Signale gibt es wohl bereits: Laut Firmenaussage sind derzeit verschiedene (Groß-)Kunden dabei oder beabsichtigen, in naher Zukunft auf den Blackberry Enterprise Server 10 wie auch die Geräte der neuen Generation zu wechseln.
2013 begann mit der Vorstellung des von Grund auf renovierten Blackberry Enterprise Server 10 und des neuen Full-Touch-Devices Z10, mit dem man den Anwendern endlich die Wahlmöglichkeit gab, einen Blackberry auch ohne QWERTZ-Tastatur – die es nach wie vor gibt und die auch viele Befürworter hat – bedienen zu können. Allem Anschein nach entwickelten sich die Verkaufszahlen allerdings nicht wie erhofft, so dass der deutsche CEO Thorsten Heins das Unternehmen Mitte des Jahres verließ. In der Folge kamen dann eben jene zahllosen Gerüchte um Investoren und mögliche Aufkäufer der Hardwaresparte auf. Gerüchte, die Unsicherheit bei den Bestandskunden hervorriefen und nicht unbedingt dazu beitrugen, Neukunden zu gewinnen.
Blackberry-Kunden lösen die Handbremse
Diese Zeit der Unsicherheit wird nun für beendet erklärt. Deutschland-Geschäftsführer Markus C. Müller formulierte es denn auch klar und deutlich: „Ein Verkauf ist ebenso vom Tisch wie eine Aufspaltung des Unternehmens. Unser Investor Fairfax verfolgt eine klare Strategie, die dazu führt, dass viele Kunden die Handbremse lösen.“ Dabei komme Blackberry zugute, dass man alle Mobility-Komponenten aus einer Hand bieten könne: das sichere Netzwerk ebenso wie die Management-Software und auch die Geräte. Markus Müller verwies nachdrücklich darauf, dass die Devices auch weiterhin eine wichtige Rolle in der Unternehmensstrategie spielen werden.
Dies tut natürlich auch der Blackberry Server, der in der gerade erschienenen Version 10.2 einige Neuerungen bereithält. Einmal abgesehen davon, dass die Bedienung laut einem Firmensprecher weiterhin erleichtert wurde, gibt es nun ein Self-Service-Portal für die Endnutzer, in dem sie entsprechend ihrer vom Unternehmen vergebenen Rechte selbst Veränderungen an ihrem Account oder dem Gerät vornehmen können. Dies führt dazu, dass Anwenderunternehmen nun drei grundlegende Abstufungen festlegen können, inwieweit ihre Kontrolle über die Geräte und die darauf befindlichen Unternehmensdaten der Mitarbeiter reicht:
iOS und Android eingebunden
Als weiteren wichtigen Punkt strich Markus C. Müller heraus, dass es heute bereits möglich sei, auch den Gerätepark solcher Unternehmen zu verwalten, die nur iOS und Android einsetzten. Dies sei vor allem deshalb eine Überlegung wert, da weder für das Blackberry-Betriebssystem noch für iOS und Android eine spezielle VPN-Konnektivität hergestellt werden müsse. Überhaupt unterscheide sich die Blackberry-Management-Software als „Ende-zu-Ende-Lösung“ von vielen anderen Mobile-Device-Management-Produkten, für die zumindest ein VPN-Server eingerichtet werden müsse. Ebenso voraus sieht Müller Blackberry beim Thema Sicherheitsvalidierungen (z.B. FIPS 140-2), die viele andere Anbieter eben nicht oder nur teilweise besäßen.
Markus Müller kündigte ebenfalls an, dass die Blackberry-Management-Software künftig auch über die Cloud verfügbar sein werde. Gleichzeitig versicherte er, dass das Unternehmen keine Hintertür für Geheimdienste oder Staaten eingebaut habe, über die z.B. Geschäfts- und Kundendaten abgefangen werden könnten. Auch würde keine Datenweitergabe an Staaten erfolgen. Aus Fehlern der Vergangenheit, als eben dies dem Vernehmen nach geschah, habe man gelernt und die Konsequenzen gezogen.
Abgesang zu früh?
Die Aussage hinsichtlich möglicher Hintertüren kann man als Anwender im Grunde nur hinnehmen, überprüfen lässt sie sich ohne weiteres nicht. Ebenso lässt sich Blackberry weiterhin nicht in die Karten schauen, in welchen Ländern und an welchen Standorten seine Network Operation Centers genau zu finden sind – aus Sicherheitsgründen, wie es offiziell heißt. Nachprüfbar ist jedoch die Bestätigung des Fraunhofer Instituts, nach der es beim Einsatz der Blackberry Enterprise Servers keine Möglichkeit der Intervention von Dritten gebe. Dies scheint vielen großen Unternehmen und auch behördlichen Stellen zu genügen, in Sachen Mobility künftig (weiterhin) auf die Kanadier zu setzen: etwa 50 Prozent der DAX-Unternehmen testen momentan den Blackberry Enterprise Server 10 oder haben den Einsatz der Technologie zugesagt. Und ca. 90 Prozent aller deutschen Landesregierungen und Behörden testen die Management-Software oder beabsichtigen ihre Nutzung. Diese Zahlen lassen vermuten, dass der Abgesang auf Blackberry ein wenig zu früh erfolgte.
Bildquelle: Blackberry