Oliver Lescher, Geschäftsführer der Movilitas Consulting AG aus Mannheim
Herr Lesche, viele logistische Teilprozesse finden bisher noch losgelöst von der zentralen Unternehmens-IT statt. Wie kann der Einsatz mobiler Endgeräte helfen, den Materialfluss zu beschleunigen?
Lesche: Hier eine Zahl zu nennen, erscheint schwierig. In der Praxis erlebt man immer wieder, dass zahlreiche Prozesse losgelöst von der zentralen IT stattfinden oder – schlimmer noch – gar nicht abgebildet werden. Es ist nicht unüblich, dass z.B. bei Verladeprozessen die einzelnen Packstücke gar nicht erfasst werden. So existiert zum einen keine Kontrolle, ob richtig verladen wurde und zum anderen keine Integration in ein ERP-System.
Ist es dann Gottvertrauen?
Lesche: Man vertraut darauf, das der Lieferschein nicht lügt, also auch tatsächlich so verladen wurde. Sind mobile Endgeräte im Einsatz können beide Probleme – Kontrolle und Integration – abschließend gelöst werden. Viele Unternehmen schrecken allerdings vor den Aufwänden zurück. Zum einen bedeutet das Scannen einen Mehraufwand, zum anderen kommen Kosten für das Aufsetzen der mobilen Lösung auf das Unternehmen zu. Genau hier setzt unser Lösungsportfolio, der Movilizer, an.
Was bieten Sie an?
Lesche: Wir kapseln die komplette Komplexität der mobilen Abwicklung in unserer Cloud-Lösung, so dass ein Unternehmen schnell, effektiv und kostengünstig eine Anbindung der mobilen Endgeräte an das Backendsystem realisieren kann. Auch ist es wichtig, dass es in der mobilen Abwicklung keine Beschränkung auf bestimmte Industrie-PDAs gibt, deren Anschaffung meist mit hohen Investitionen verbunden ist.
Wo sehen Sie anwenderseitig den größten Bedarf hinsichtlich der Integration mobiler Prozesse in die Logistik bzw. Lieferkette?
Lesche: Der größte Nutzen liegt vor allem in folgenden Punkten: Kontrolle bei Pack/Versandprozessen (Abgleich gegen z.B. Lieferung aus dem ERP-System), Anstoß von automatisierten Buchungen, Echtzeitbestandsführung, Nachweismöglichkeiten gegenüber Kunden und Partnern. Ein zweiter wichtiger Bereich ist der Lieferprozess. Hier kann eine mobile Lösung über die Erhöhung der Datenqualität und einen zeitnahen Rückfluss der Daten in das Planungssystem eine optimierte Ressourcennutzung ermöglichen und – oft vernachlässigt – nachhaltig zur Steigerung der Kundenzufriedenheit beitragen.
Inwiefern ist Business Intelligence in der Lieferkette bereits Realität?
Lesche: Aus unserer Erfahrung heraus lässt sich z.B. in Track&Trace-Projekten – also der Identifizierung auf Packungsebene zur Nachverfolgung des Vertriebsweges über Unternehmensgrenzen hinweg – relevantes Wissen für die Geschäftsführung aufbauen. So erfährt die Geschäftsführung, wo in der Lieferkette Lagerzeiten anfallen und kann dort Maßnahmen ergreifen. Die Transparenz darüber, was wann wo ist, ist ein maßgebliches Entscheidungskriterium für Strategien in der Logistikbranche. Je besser die Datenbasis, desto qualifizierter kann die Strategie ausfallen.
In welchem Maße erlaubt die mobile Adhoc-Datenerfassung auch die Beschleunigung angrenzender Geschäftsprozesse?
Lesche: Stichwort automatisierte Buchungen. Durch Scan-Prozesse können nachfolgende und angrenzende Prozesse automatisiert werden. Ebenso können durch genauere Daten oder Echtzeitdaten bessere und schneller Entscheidungen getroffen werden, z.B. was Bestellungen betrifft.
Eine letzte Frage: In welchem Maße sind iPhone, Blackberry und Co. auch im etwas raueren Logistikumfeld einsetzbar?
Lesche: In der Lager- und Verladelogistik spielen heute nur industrielle Geräte
eine Rolle. Auch aus der Historie heraus. Sie allein halten den Arbeitsbedingungen stand und verkraften das Datenvolumen. Man muss jedoch feststellen, dass es künftig Alternativen geben wird. So ist mehr und mehr das Aufkommen von Ruggedized Smartphones zu beobachten, die ein Android-Betriebssystem betreiben. In Szenarien mit niedrigem bis mittlerem Datenvolumen können diese eine kostengünstigere Alternative darstellen. Noch mehr bietet sich dies in Lieferprozessen an. Hier sehen wir den Einsatz von Ruggedized Smartphones als Realität. Wir sprechen hier nicht von iPhone oder Blackberry, sondern von Geräten, die durch ihren Formfaktor und eine zusätzliche Schutzhülle optimal Kommunikation und Daten miteinander vereinen und trotzdem dem rauen Arbeitsumfeld standhalten können.