Steigende Nachfrage nach App-Spezialisten

Boom in Berlin

Interview mit Susanne Schödl, verantwortlich für die Unternehmenskommunikation
 bei der Gulp Information Services GmbH in München

Susanne Schödl, Gulp Information Services

Susanne Schödl, Gulp Information Services

Frau Schödl, wie hat sich das Projektangebot für Mobile-App-Entwickler in der letzten Zeit verändert? Und umgekehrt: Wie sieht für Unternehmen derzeit die Verfügbarkeit von auf App-Entwicklung spezialisierten Freelancern aus?
Susanne Schödl: Im Jahr 2011 wurden in 884 Projektanfragen, die über Gulp verschickt wurden, selbstständige Mobile-App-Spezialisten gesucht. Im Jahr 2012 waren es 1.351 Anfragen, also eineinhalb mal so viele. Der Bedarf der Unternehmen an selbstständigen App-Spezialisten steigt – ebenso wie die Anzahl der Selbstständigen, die hier Know-how vorweisen können. Im Jahr 2010 waren etwa 250 selbstständige Mobile-App-Spezialisten mit einem Profil in unserer Datenbank vertreten, aktuell sind es etwas mehr als 1.500. Der Bereich Mobile Apps ist im IT-Projektmarkt definitiv und weiterhin im Kommen.

In welchen Bundesländern oder Regionen finden Unternehmen am ehesten App-Spezialisten zur Umsetzung ihrer Mobility-Strategie? In welchen Regionen sind die bei Ihnen eingetragenen Mobile-App-Spezialisten zu finden?

Schödl: Der Bereich der Mobile Apps unterscheidet sich in einem Punkt ganz deutlich vom Rest des IT-Projektmarkts – und dieser „Punkt“ heißt Berlin. 13 Prozent der Mobile-App-Selbstständigen bei Gulp sind im Postleitzahl-Gebiet 1xxxx zu finden, also in und um Berlin – der Stadt der Startups. Bei allen IT-/Engineering-Selbstständigen beläuft sich dieser Anteil auf nur sieben Prozent. Anteilsmäßig die meisten App-Entwickler sind in den beiden Regionen in und um Frankfurt am Main (6xxxx, 16 Prozent) und München (8xxxx, 17 Prozent) beheimatet.

Welche Fähigkeiten bzw. Qualifikationen werden seitens der Unternehmen vor allem nachgefragt? Welche sind eher zu vernachlässigen?
Schödl: Von Unternehmen wird am häufigsten Know-how im Bereich Android nachgefragt, an zweiter Stelle folgt iOS, an dritter Stelle Windows Mobile. Dabei nimmt Android – auf Kosten von Windows Mobile – einen immer größeren Anteil am Kuchen ein: 2012 wurden fast in Dreiviertel der Projektanfragen zu diesen drei mobilen Betriebssysteme Android-Kenntnisse nachgefragt.
 
Unter den Selbstständigen ist die Begeisterung für Apple und iOS scheinbar größer als in den Unternehmen: Nur die Hälfte der Freelancer, die Know-how über Android, iOS und Windows Mobile vorweisen können, sind Android-Spezialisten, 40 Prozent von ihnen sind iOS-Experten. Selbstständige sollten Android stärker in ihren Fokus rücken, denn der Bedarf von Unternehmensseite steigt.

Mit welchem Stundensatz können freischaffende App-Entwickler heute durchschnittlich rechnen?
Schödl: Selbstständige Mobile-App-Spezialisten fordern im Schnitt einen Stundensatz von 70 Euro. Das sind zwar vier Euro weniger als alle bei uns eingetragenen IT-Engineering-Freelancer im Schnitt verlangen – doch die 70 Euro sind in Relation zu setzen: Erstens sind App-Selbstständige im Schnitt drei Jahre jünger als andere Freelancer und können vier Jahre weniger Berufserfahrung vorweisen (App-Spezialisten: im Schnitt 41 Jahre alt, 17 Jahre Berufserfahrung). Zweitens fordern alle Software-Entwickler aus dem Kreise unserer Freelancer im Schnitt 69 Euro. Vor allem für etwas jüngere Entwickler sind Mobile Apps ein attraktives Betätigungsfeld – angesichts der positiven Nachfrageentwicklung aber längst nicht mehr nur für diese.

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