„Für mich ist M2M keinesfalls mit Mobilkommunikation gleichzusetzen. In vielen Szenarien ist keine Mobilkommunikation erforderlich“, so Prof. Dr. Uwe Kubach, Vice President M2M/IoT Engineering bei der SAP Mobility Division sowie Mitglied des Forschungsausschusses des Münchner Kreises.
Herr Prof. Dr. Kubach, inwiefern ist das Thema „M2M-Kommunikation“ bereits in den Unternehmen angekommen? Wie ist der Stand der Dinge?
Prof. Dr. Uwe Kubach: Es gibt bereits mehrere Lösungen am Markt, die sich überwiegend auf bestimmte Branchen konzentrieren. Diese Lösungen kommen häufig von kleineren und mittelständischen Unternehmen. Zusätzlich sind inzwischen fast alle großen Telekommunikationsfirmen und Softwarehersteller im M2M-Umfeld aktiv geworden. Ihre Aktivitäten zielen häufig darauf, eine horizontale M2M-Plattform anzubieten, die branchenübergreifend eingesetzt werden kann.
Für welche Branchen bzw. Unternehmensbereiche ist M2M besonders interessant/relevant und warum?
Kubach: Die Anwendungsgebiete erstrecken sich über viele Industrien hinweg. Großes Potential bietet sich sicherlich in der Automobilindustrie, in Transport und Logistik, im Maschinen- und Anlagenbau, Einzelhandel, Energie und Gesundheitswesen. Aber auch im Konsumgüter- und privaten Bereich werden wir zahlreiche Anwendungen sehen, z.B. bei Smart Homes. Auch innerhalb eines Unternehmens sind die Anwendungsfelder sehr vielfältig und decken Bereiche wie Service und Wartung, Produktion, oder auch Forschung und Entwicklung ab.
Welche Anforderungen müssen die Unternehmen erfüllen, um auf M2M setzen zu können?
Kubach: Wichtig wird es sein, integrierte Lösungen vom Sensor bzw. der Maschine bis in die Anwendungen und in die Analysewerkzeuge hinein zu haben, sodass Brüche im Datenfluss vermieden werden. Ferner müssen die Backend-Systeme in der Lage sein, die unter Umständen sehr großen Datenmengen effizient zu verarbeiten. Für viele Anwendungsfälle spielen mobile Endgeräte wie Tablets und Smartphones eine wichtige Rolle. Die Unternehmen sollten daher eine klare Strategie bzgl. der Integration mobiler Endgeräte in ihre IT-Infrastruktur haben. Durch den häufig dezentralen Charakter der Datenerfassung im M2M-Umfeld bieten sich oftmals cloud-basierte Lösungen an. Für solche Szenarien ist eine gute Cloud-Strategie sehr wichtig.
Wie können die Unternehmen die Kosten im Blick behalten, wenn die Kommunikation der Geräte/Maschinen/Automaten etc. über das Internet bzw. das Mobilfunknetz läuft – teilweise auch über Ländergrenzen hinweg? Welche Tarifmodelle sind im M2M-Bereich üblich?
Kubach: Für mich ist M2M keinesfalls mit Mobilkommunikation gleichzusetzen. In vielen Szenarien ist keine Mobilkommunikation erforderlich. Dann spielen Verbindungskosten natürlich eine untergeordnete Rolle. Aber auch wenn Daten über mobile Verbindungen übertragen werden müssen, halten sich die Kosten mehr und mehr in Grenzen. Viele Mobilfunkanbieter bieten inzwischen spezielle Tarife an und haben auch Lösungen wie globale SIM-Karten im Angebot, bei denen keine speziellen Roaming-Gebühren anfallen.
Wie kann eine sichere Übertragung der Daten gewährleistet werden (Stichwort: Datenschutz)?
Kubach: Sicherheitsaspekte müssen durgängig betrachtet werden, das heißt der gesamte Datenfluss vom Sensor bis in die Datenbank und Anwendungen muss durch ein einheitliches Sicherheitskonzept abgedeckt sein. Dies beinhaltet insbesondere die sichere Einbindung der Maschinen in die IT-Infrastruktur und die sichere Übertragung der Daten.
Was geschieht bei Störungen der Mobilfunk-/Internetverbindung? Welche weiteren Probleme können auftreten?
Kubach: Das hängt ganz von den Szenarien ab. Für manche wird „Disconnected Operations“ der Normalfall sein und beispielsweise nur einmal täglich eine Verbindung zum Backend aufgebaut. In anderen Szenarien ist eine kontinuierliche Verbindung wichtig. Hier muss man für den Fall unvorhergesehener Verbindungsabbrüche entsprechende Vorkehrungen treffen, z.B. durch lokale Datenreplikation.
In welchen Bereichen würden sich eher Übertragungstechnologien wie RFID oder Bluetooth eignen?
Kubach: Für mich steht RFID oder Bluetooth nicht im Gegensatz zu M2M. Sie sind vielmehr Technologien, über die Maschinen und Dinge kommunizieren können, und daher „enabling technologies“ für M2M, analog zu UMTS oder LTE.
Was werden Ihrer Meinung nach die nächsten Entwicklungsschritte im Bereich „M2M“ sein?
Kubach: Eine Konsolidierung des Marktes hin zu wenigen horizontalen Plattformen, die universeller als die heutigen Lösungen einsetzbar sein werden.