Gruppenbild mit Minister: Die Mitglieder des neuen Beirats "Junge Digitale Wirtschaft"
"Den Bundeswirtschaftsminister in allen wichtigen Fragen der digitalen Wirtschaft beraten." - "Impulse für die Ausgestaltung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geben." - "Die digitale Wirtschaft als Schlüsselbranche stärken." Wenig ist es nicht, was das Bundeswirtschaftsministerium in einer Pressemitteilung als Aufgabe für den neuen
Beirat "Junge Digitale Wirtschaft" festlegt. Das Gremium
besteht aus 24 Führungspersonen aus Startups, IT-Unternehmen, Verbänden und Instituten. Es ist ist einer von sechs Beiräten im Hause Rösler, die sich für unterschiedlichen Themen wie Mittelstand, Außenwirtschaft oder Tourismus widmen.
Das ist natürlich ein Erfolg für die Jungunternehmen der IT-Branche, die dadurch gewissermaßen von der Bundespolitik geadelt wird. Offensichtlich ist es einigen Akteuren aus dem Ansammlungen, dass Wirtschaftsministerium besonders stark für Gründungen in der digitalen Wirtschaft zu interessieren. Das findet Heiko Kretschmer von der Deutschen Gesellschaft für Politikberatung e.V (degepol) recht ungewöhnlich. "Startups gibt es in anderen Branchen auch, aktuell besonders in der Energiewirtschaft," sagt Kretschmer. "Die Frage ist also, warum ein solcher Startupbeirat nur für eine bestimmte Branche sprechen soll."
Es liegt nahe, den Beirat als Reaktion auf den großen Wirbel in Sachen Streubesitzdividenden zu interpretieren. Zur Erinnerung: Die Bundesregierung hatte vor, steuerliche Vorteile für Beteiligungen von weniger als 10% (Streubesitz) zu streichen. Diese Regelung hätte auch Business Angels und ähnliche Finanzierer getroffen, deren Beteiligungsmodell in aller Regel ausschließlich auf Streubesitz basiert. In der Folge ging ein Sturm der Entrüstung durch die deutsche Startup-Szene, dessen letzter Ausläufer dieser Beirat vermutlich ist.
"Natürlich ist hier ein wenig Effekthascherei dabei," meint Heiko Kretschmer "Die Gefahr: Mit Blick auf die anstehenden Wahlen wird viel Wirbel gemacht, aber letztlich könnte der Erfolg ausbleiben." Doch natürlich ist es genauso gut möglich, dass der Wirtschaftsminister die Sache ernst nimmt. Ein solcher Beirat ist grundsätzlich eine Chance, über die immer noch extrem unterentwickeltes Gründerkultur in Deutschland zu diskutieren.
Mit 24 Mitgliedern aus sehr unterschiedlichen Bereichen ist der Beirat relativ groß. Kretschmer: "Das bündelt die Erfahrungen aus der Praxis besser." Die einzelnen Mitglieder haben natürlich eine enge Perspektive auf das Thema. "Doch in der Summe dürften dort positive Vorschläge diskutiert werden." Er sieht den Beirat auch als Chance für die Gründerszene in Deutschland. "Die Unternehmen können deutlich machen, welche Rahmenbedingungen zu möglichst vielen Neugründungen von Unternehmen führen."
Bildquelle: BMWi