08.06.2017 Weniger Cloud-Skepsis

Cloud-Lösungen werden als sicher wahrgenommen

Von: Ingo Steinhaus

Die Public Cloud verbreitet sich, hybride Angebote sind sehr beliebt. Immerhin: Die Cloud wird nicht mehr als unsicher eingeschätzt.

Die über einen langen Zeitraum deutliche Skepsis deutscher Unternehmen in Sachen Public Cloud sinkt langsam. So nutzen inzwischen einige Mittelständler einzelne Public-Cloud-Services und nach einer Umfrage des Softwareherstellers Abas lehnen nur noch 28 Prozent der befragten Mittelständler Cloud-Lösungen für ERP kategorisch ab. Zwei Jahre zuvor waren es noch ganze 64 Prozent. Die Anbieter reagieren und gehen auf den neuen Bedarf ein. So bietet beispielsweise Bosch seine neue Industrieplattform „Iot Suite“ auch bei IBM Bluemix und Amazon Web Services an.

Doch im Vordergrund steht immer noch die Frage nach dem Standort des Cloud-Rechenzentrums. Hier geben die Verantwortlichen ganz klar einem Hosting in der EU den Vorzug. Das war bisher bei den internationalen Marktführern wie Amazon oder Microsoft ein Problem, denn die Rechtslage in den USA entspricht nicht dem Standard in der EU. Das hat auch Cloud-Gigant Amazon (34 Prozent Marktanteil weltweit) erkannt und startet hier bald mit seinem dritten Regionalrechenzentrum.

Auch Microsoft bietet seine Cloudservices in Deutschland an, seit einigen Monaten in Kooperation mit dem deutschen IT-Dienstleister T-Systems. Die „Microsoft Cloud Deutschland“ orientiert sich an den strengen Datenschutz- und Compliance-Richtlinien in Deutschland. Dabei betreibt das US-Unternehmen die Anwendungen nicht selbst, sondern nutzt T-Systems als Datentreuhänder. So hat Microsoft auf die Daten der Kunden keinerlei Zugriff - und auch nicht die US-Regierung. Angeboten wird neben Azure und Office 365 auch die Unternehmenslösung Dynamics 365.

Hybrid Cloud immer noch beliebteste Lösung

Das Angebot dürfte helfen, die Public Cloud in Deutschland endgültig durchzusetzen. Bisher haben die Unternehmen eher auf die Private Cloud gesetzt, entweder im eigenen oder in einem Colocation-Rechenzentrum. Doch das ist unter Umständen unwirtschaftlich. Der Colocation-Spezialist Interxion hat ermittelt, welches Modell sich für die Nutzer am schnellsten rechnet.

Das Ergebnis: Die Public Cloud ist am besten. Der Break Even ist hier bereits nach etwa einem Jahr erreicht, bei der Private Cloud im eigenen Rechenzentrum oft erst nach vier Jahren. Einen guten Mittelwert erreichen Colocation-Angebote, die sich nach gut zwei Jahren rechnen. In der Praxis setzen viele Unternehmen inzwischen auf eine individuelle Kombination aus Public und Private Cloud, bekannt unter dem Stichwort „Hybrid Cloud“.

Dies ist aber nicht nur eine Spezialität von Deutschland, auch CIOs in Frankreich und Großbritannien bevorzugen Mischlösungen, wie eine aktuelle Umfrage des Storage-Spezialisten NetApp ergab. Die am weitesten verbreiteten Einsatzbereiche sind die Speicherung von Dateien und Backups. In Deutschland sind inzwischen SaaS-Lösungen sehr beliebt, etwa 45 Prozent der Unternehmen setzen sie ein. Zum Vergleich: In Frankreich nutzen nur 40 Prozent SaaS und in Großbritannien noch weniger.

Ein interessantes Detail der Umfrage: Mehr als die Hälfte der Unternehmen (56 %) nutzen die Cloud aus Sicherheitsgründen. Die Befragten aus Deutschland, Frankreich und GB platzieren diesen Aspekt übereinstimmend auf die ersten drei Ränge der Cloud-Nutzungsgründe. Dies bedeutet also, dass die Speicherung von Daten in der Cloud nicht mehr unbedingt als Sicherheitsrisiko gesehen wird. Dies bedeutet mit hoher Wahrscheinlichkeit eine weiter ansteigende Verbreitung von Cloud Services in den Unternehmen - gute Geschäfte für die Anbieter.

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