09.03.2017 Digitale Lösung für die Modebranche

Color Digital: Farbanalyse per App

Von: Elena Wagner

Farbtöne exakt zu definieren und voneinander zu unterscheiden, ist auch für Experten oft schwierig. Das Kölner Unternehmen Color Digital will Abhilfe schaffen: mit einer App, die Farben eindeutig zuordnet, und einer Cloud-Plattform, auf der diese Farbtöne verwaltet und geteilt werden können.

  • Die Farben und Struktur des eingescannten Materials werden mithilfe der Multispektralanalyse genau berechnet. Analoge Stoffproben gehören mit diesem Verfahren der Vergangenheit an.

  • „Wir möchten mit Color Digital die Digitalisierung in der Modebranche anstoßen“, sagt Geschäftsführer Gerd Müller-Thomkins.

Rot ist nicht gleich Rot. Nicht nur der Lichteinfall, die klimatischen Bedingungen oder die Tatsache, ob sich die Farbe in der Stadt oder auf dem Land befindet, macht das eindeutige Zuordnen des Rots schwierig – bezogen auf die Wahrnehmung und verbale Beschreibung. Dieses Problem versuchte die Modebranche bislang analog zu lösen. Stoffproben und Farbkarten wurden von den Designern über die Modefirmen oder Kunden auf dem Postweg zum Hersteller verschickt. Da die Farben aber auf diesem Weg immer noch nicht eindeutig identifizierbar waren, waren Fehldrucke und Umfärbungen an der Tagesordnung. Das verzögerte die Produktionsprozesse, war umständlich und teuer. Vor diesem Hintergrund hat Color Digital eine Lösung entwickelt, die den Prozess vereinfachen und die Digitalisierung der Modebranche vorantreiben soll.

Farben digital konservieren

„Die Konsumenten verlangen immer häufiger nach neuen Kollektionen“, sagt Gerd Müller-Thomkins, Geschäftsführer von Color Digital. „Wir möchten Modefirmen dabei unterstützen, diesem Wandel Rechnung zu tragen.“ Mit der neuen Software lässt sich jede beliebige Farbe einem digitalen Messwert zuordnen, der die Farbe eindeutig definiert. Ob die Farbe von einem Bild, Scan oder Produkt stammt, spielt dabei ebenso wenig eine Rolle wie das Trägermaterial, auf das die Farbe aufgetragen ist. Selbst auf unterschiedlich kalibrierten Bildschirmen wird die Farbe stets eindeutig angezeigt. Die App bedient sich für die eindeutige Identifizierung eines Verfahrens aus der Medizin: Mit der Multispektralanalyse machen beispielsweise MRTs extrem hochauflösende Bilder.

Kollektionen in kürzerer Zeit

Doch wie kommt der exakte Farbton auch beim Hersteller an? Dafür haben die Kölner die sogenannte DMIx-Cloud entwickelt. Hier lassen sich die Farbcodes verwalten, weiterverarbeiten und mit den Farbkarten anderer Hersteller abgleichen. „Über diese Cloud-Plattform liefern wir die digitale Antwort auf Stoffproben und Farbkarten. Professionelle Anbieter können innerhalb von Sekunden Farben exakt definieren und mit ihren Partnern teilen“, so Müller-Thomkins. Der Hersteller erhalte innerhalb weniger Minuten die passende Farbe und könne mit dem Färben beginnen. „Damit beschleunigen Modefirmen die Entwicklung von Kollektionen erheblich.“

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Das Kölner Start-up hat seine digitale Lösung in Zusammenarbeit mit der Telekom entwickelt. Die Software entstand in der „Managed Dynamic App Factory“, einer Self-Service-Entwicklerplattform in der privaten Cloud des Bonner Konzerns, wodurch Investitionen in eigene IT-Systeme gespart werden. Die Programmierer greifen in dieser Umgebung auf Entwickler-Tools zu und entwickeln, testen und betreiben cloud-basierte Apps kostengünstig – und das in kürzester Zeit.

Schutz der Daten

Software und IT-Infrastruktur aus der Cloud stoßen in der Modebranche jedoch nicht selten auf Vorbehalte: „Unsere Kunden haben Sorge um ihre Produkte und fragen häufig danach, wo ihre Daten gehostet werden“, erklärt der Color-Digital-Geschäftsführer. Ihm war es deshalb wichtig, die DMIx-Cloud über die Private Cloud und damit in einer dedizierten Umgebung in einem sicheren deutschen Rechenzentrum zu wissen, weil diese den strengen deutschen Datenschutzbestimmungen unterliegt.

Die Nutzung der Cloud hat für das Start-up weitere Vorteile: Modefirmen, Kunden und Hersteller können von jedem Gerät aus auf ihre Farben zugreifen, sie bearbeiten und neue hinzufügen. Außerdem kann Color Digital sowohl Speicherplatz als auch Rechenpower flexibel hinzubuchen. Das ist nicht nur für die Datenmengen der Multispektralbilder wichtig, sondern auch für einen Nutzeranstieg.

Die Software und die entsprechende Cloud sind nicht nur für die Modeindustrie interessant, sondern generell für Branchen, die mit Farben und Strukturen arbeiten. Also auch für die Farbhersteller selbst. Langfristig sollen Plug-ins der Software auch den Endkonsumenten das Shoppen erleichtern, indem  Farben auf dem Bildschirmen genau angezeigt werden – und Nutzer sehen, ob die Schuhe zur Handtasche passen.


Mode wird digital
Das Spin-off des Deutschen Modeinstituts wurde 2013 mit dem Ziel gegründet, Prozesse in der Modebranche zu verbessern und mit digitalen Lösungen Zeit und Geld sparen. Mithilfe der eigens kreierten Color-Digital-Software sollen sich Farben eindeutig bestimmen und in der dazugehörenden Cloud verwalten, bearbeiten und mit Partnern teilen lassen.


Bildquelle: Color Digital

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