Adobe Flash

Das Adobe-Imperium bröckelt

Apple hat gesiegt und musste dafür ausnahmsweise nicht einmal vor Gericht: Adobe gibt den Flash-Player für Mobilgeräte mangels Erfolg auf.

Hauptsache, schön bunt

Heute morgen gingen eine spektakuläre Nachricht und ein Seufzer der Erleichterung durch die Internet-Community: Adobe stoppt die Weiterentwicklung von Flash. Vermutlich haben viele im ersten Moment gehofft, dass Flash vollständig tot ist. Doch Adobe gibt nur die wenig erfolgreichen Player-Versionen für Mobilgeräte und TVs auf.

Flash als Entwicklungssystem für Apps bleibt den Smartphone-Besitzern jedoch vorläufig noch erhalten: Adobe will sich in Zukunft auf die Weiterentwicklung der Plattform "Adobe AIR" konzentrieren. Hier ist Flash eine mehr oder weniger gleichberechtigte Skriptsprache neben HTML und JavaScript.

Während Flash-Animationen und -Anwendungen im klassischen Web an allen Ecken zu finden sind, kam es im mobilen Web auf keinen grünen Zweig. Der Hauptgrund: Marktführer Apple hatte Flash auf dem iPhone ausgesperrt. Das Unternehmen begründete dies mit der schlechten Performance, dem hohen Energiebedarf und der geringen Stabilität des mobilen Players.

Für den iPhone-Ideengeber Steve Jobs war Flash immer eine Technik für den PC und hatte in der mobilen Welt nichts zu suchen. Er setzte statt dessen auf den Zukunftsstandard HTML5. Das sieht auch Adobe-Vorständler Danny Winokur inzwischen so: "HTML5 is now universally supported on major mobile devices, in some cases exclusively. This makes HTML5 the best solution for creating and deploying content in the browser across mobile platforms."

Die Strategie von Steve Jobs hat sich also ein weiteres Mal bewährt. Ein Marktführer kann ganz viel erreichen, wenn er bestimmten (ungeliebten) Technologien den Zutritt auf seine Endgeräte verwehrt. Zwar ist das Fehlen von Flash auf dem iPhone und iPad immer wieder kritisiert worden, doch die Flash-Kritiker sind seit seit langem lauter.

Im klassischen, stationären Web steht Flash für Design-Overkill, Ressourcen-Hunger, trotz DSL erstaunlich lange Ladezeiten und nerviges Overlay-Werbegeflacker. Flash-Blocker gehören zu den beliebtesten Addons für PC-Browser. Ohne Werbeagenturen, die den multimedialen Farbenrausch knalliger Animationen lieben, wäre Flash sicherlich schon längst tot.

Bis vor kurzem, also bis zu den ersten HTML5-Implementationen, war Flash tatsächlich im Bereich des Werbens, Marketenderns und optischen Mit-der-Tür-in-Haus-fallens absolut unerlässlich. Da die üblichen Webstandards das Prinzip "Informationserschließung" zur Grundlage haben, konnten einheitliche Kampagnenlayouts und durchgängige Corporate Identities nur mit Flash erzeugt werden.

Vermutlich ist Werbung mit HTML 5 genauso nervig wie mit Flash. Doch wenigstens dürften die ganz üblen Systemabstürze mit einem durchdrehenden Flash-Player der Vergangenheit angehören. Und das Sterben der proprietären Pseudostandards könnte ja weitergehen: Als die Internet Community den teilweisen Tod von Flash verarbeitet hatte, kamen die ersten Gerüchte über die Einstellung von Microsoft Silverlight.

Bildquelle: Gerd Altmann / pixelio.de

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