Schluss mit lustig

Das Ende der Smartphone-Ära

Smartphones? Die Hersteller verlieren das Interesse und die Kunden auch. Alle warten auf Smartuhr, Smartbrille oder Smartschuhe.

Garantiert nicht smart

Das Apple iPhone 5 und das vor kurzem vorgestellte Samsung Galaxy S4 haben eine Gemeinsamkeit: Beide Geräte erzeugen eine seltsame Mischung aus Enttäuschung und Langeweile. In beiden Fällen schraubte eine heißlaufende Gerüchteküche die Erwartungen ins Überirdische. Die Wirklichkeit kam dagegen nur schwer an: Die Telefone sind keine Riesenknaller, sondern lediglich Verbesserungen gegenüber den Vorgängern.

Das ist ebenso langweilig wie die Präsentation eines Autos: Es hat ewas mehr Hubraum und Motorkraft, verbraucht etwas mehr oder weniger, hat Trendfarben und noch mehr Assistenzsysteme - ein rollender Computer mit Plüschsitz.

Das Smartphone-Zeitalter endet, mit Geräten aus plüschigen Benutzeroberflächen und Plaste/Elaste-Haptik für bratpfannengroße Pranken. Kein Mensch ist von so etwas wirklich begeistert - auch kein Hersteller. Die Smarties besitzen in ihrem Portfolio den Cashcow-Status, wie anderswo in der Wirtschaft grüne Erbsen aus der Dose, blaurote Luftmatratzen oder dreilagiges Klopapier.

Auf managerisch gesagt: Smartphones sind Discounter Adapted Commodity. Und wie jeder weiß, wenn irgendetwas in kippeligen Stapeln bei Aldi als Aktionsware auftaucht: Dieser Trend ist jetzt durch. Auch die Hersteller haben die Lust an den Schlaumeiertelefonen verloren. Sie basteln lieber an Schuhen, Brillen oder Uhren. Hauptsache, irgendetwas mit Internetzugang und “Smart” als Vorsilbe.

Schlimmer noch, Smartphones teilen das Schicksal des klassischen Desktop-PCs. Erinnert sich noch jemand an diese eitergelben Kästen mit ihren flimmernden Monitoren? Über Jahre hinweg kamen in kurzen Abständen immer spektakulärer wirkende Geräte mit immer irrsinnigeren Leistungsdaten auf den Markt.

Doch irgendwann war der Grenznutzen von noch schnelleren Prozessoren und noch größeren Festplatten erreicht. Ein durchschnittlicher Anwender könnte auch mit einem Gerät aus der Mitte des letzten Jahrzehnts noch seine E-Mails schreiben, ein paar Briefe tippen und im Internet surfen.

Diesen Punkt der Entwicklung haben jetzt auch Smartphones erreicht. Der Sprung von einem Zweikern- zu einem Vierkernprozessor wirkt sich in der Praxis nicht mehr aus. Die Nadelöhre für die gefühlte Leistung liegen ganz woanders, zum Beispiel bei den lückenhaften Mobilfunknetzen und den zu niedrigen Bandbreiten auf dem platten Land.

Oder bei den noch immer nicht verbesserten Akkus. Damit schießen sich die Hersteller selbst ins Bein: Mit einem Hochleistungsgerät machen die Nutzer nichts anderes als mit einem langsamen und deshalb eher sparsamen Mittelklassegerät. Für den Boliden muss aber immer eine Steckdose in Sichtweite sein. Oder ein Auto mit laufendem Motor und Telefonanzünder.

Warum also sollte sich die sprichwörtliche Ottilie Normalanwenderin ein unhandliches Riesen-Smartphone mit den Leistungsdaten eines Notebooks der vor-vorletzten Generation kaufen, wenn der Prozessor die meiste Zeit sowieso nur damit verbringt, das Ziffernblatt der Uhr eine Sekunde vorzustellen und dabei den Akku leerzusaugen?

Bildquelle: Piotr Kozlowski / sxc.hu

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