13.07.2017 IoT-Prognosen

Das Internet der Dinge ist noch vor dem Durchbruch

Von: Ingo Steinhaus

Wer bietet mehr? 30, 50, 1000 Milliarden Geräte im Internet der Dinge. Doch noch ist es nicht so weit.

  • Das IoT kommt

  • Von Gartner ermittelte Verbreitung von IoT-Geräten

50 Milliarden vernetzte Geräte sollen es 2020 sein, meinte der damalige CEO von Ericsson, Hans Vestburg, im Jahr 2010. Zwei Jahre später nannte IBMs Senior-Vicepresident John Iwata die sagenhafte Zahl von einer Billion IoT-Geräten und zwar schon im Jahr 2015. Demgegenüber waren die Schätzungen der IT-Beratung Gartner (30 Milliarden Geräte bis 2020) fast bescheiden.

Nun ist die Halbzeit des Jahres 2017 und wir sind von diesen fantastischen Zahlen weit entfernt. Gartner schätzte die Zahl der vernetzten Geräte für das Jahr 2016 auf etwas mehr als 8,3 Milliarden und korrigierte dabei seine ursprüngliche Vorhersage für 2020 auf 20 Milliarden Geräte. Auf eine ähnliche Zahl kam übrigens auch eine IDC-Studie aus dem letzten Jahr, das Marktforschungsunternehmen geht von neun Milliarden Geräten aus.

Wer sich die Zahlenreihen betrachtet, stellt fest: Die Entwicklung ist (noch) nicht gerade exponentiell. Nun sind Prognosen immer fehlerhaft und vor allem von Interessen bestimmt. Wer mit dem Internet der Dinge oder seiner Propagierung Geld verdient, wird es sicher nicht kleinreden wollen. Außerdem haben die Anbieter ein Interesse, ihre Verkaufszahlen und die zukünftige Entwicklung in besonders positivem Licht darzustellen.

Denn die Researcher fragen üblicherweise bei den Geräteherstellern nach, wie viele Einheiten sie in der Vergangenheit verkauft haben und wie viele Verkäufe sie in der nächsten Zeit erwarten. Bereits die erste Zahl ist nicht besonders präzise, betont ein Aufsatz in der Fachzeitschrift IEEE Spektrum. Hersteller kennen häufig nicht die Zahlen der Verkäufe an den Endkunden, sondern nur an Zwischen- und Großhändler. Lagerbestände dort gelten also als verkauft.

Der IoT-Markt wächst, aber noch langsam

Der IoT-Markt ist also noch lange nicht da, wo ihn die Analysten gerne hätten. Es zweifelt zwar niemand daran, das dem Internet der Dinge die Zukunft gehört, doch bei der Geschwindigkeit der Entwicklung müssen die Analysten Abstriche machen. So herrscht im Markt für Wearables wie Fitness-Armbändern und Smart-Watches Goldgräberstimmung. Auch die zeitweise etwas enttäuschende Apple Watch scheint sich nun besser zu verkaufen. Das liegt sicher an der Aufrüstung der zweiten Serie mit GPS, denn so etwas spricht Outdoor-Fans und Sportler gleichermaßen an.

Doch andere Segmente sind vom Massenmarkt noch ein Stück entfernt, wie beispielsweise die SmartHome Initiative Deutschland e.V. feststellt. Die Verkaufszahlen seien zwar in den letzten Jahren recht positiv gewachsen. Fast 30 Prozent der Befragten nutzen bereits Anwendungen im Bereich Smart Home. Allerdings konzentriert sich die Nutzung auf drei Bereiche. Mehr als 90 Prozent nutzen Geräte für das Energiemanagement und fast 90 Prozent Entertainment- und Kommunikationssysteme. Jeder zweite Nutzer setzt solche Geräte sogar zur Gebäudesicherheit ein.

Ein genauer Blick zeigt, dass es sich hier in großen Teilen um punktuelle Lösungen wie WLAN-Lautsprecher oder intelligente Garagentore handelt. Außerdem werden die Zahlen durch die immer häufiger von den Energieversorgern installierten Smart Meter in die Höhe getrieben. Dass alles gehört zwar irgendwie zum Smart Home, ist aber von einem echten Internet der Dinge weit entfernt. Und auch die langsam beliebter werdenden Audioassistenten wie Amazon Echo oder Google Home sind vorerst noch ein Nischenmarkt.

Der im Moment eigentliche Treiber des Internets der Dinge im engeren Sinne ist die Wirtschaft. Der Industrie 4.0/ IoT Vendor Benchmark 2017 zeigt deutlich, dass in den letzten zwei Jahren viele neue Angebote an IoT-Plattformen entstanden sind. Die Studie bezeichnet das Internet der Dinge als Highspeed-Markt. Entsprechend hat sich die Zahl der IoT-Projekte in den Unternehmen vervielfacht. Die meisten davon stehen aber unter dem Primat der Industrie 4.0, was von Digitalberatern wie Karl-Heinz Land als zu starke Technikfixierung beklagt wird: „Die Hardware ist dabei aber gar nicht entscheidend, sondern nur Mittel zum Zweck. Der Mehrwert ergibt sich aus dem Fluss der Daten. Hier, im stetigen Tausch von Daten gegen Nutzen, liegt die Quelle der neuen Wertschöpfung.“

Bildquelle: Thinkstock, Redaktion/Gartner

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