Telematik-Industrie

Das Rad nicht immer wieder neu erfinden

Schon seit den 1980er Jahren hat die IT-Industrie begriffen, wie wichtig Standards für die Entwicklung der Branche sind: Heute ist es völlig normal, dass nicht jeder Hersteller sein eigenes Betriebssystem, eigene Programmiersprachen oder Dateiformate nutzt. Gemeinsame Plattformen stellen kein Risiko dar, sondern begünstigen die Entwicklung, Verbreitung und Kompatibilität von Anwendungen.

Die Telematik-Industrie ist derzeit in genau der Situation, nur eben 30 Jahre später. Was die Programmiersprache für Software ist, das sind Back-End-Rahmenwerke für Telematik-Funktionen. Auf dieser Ebene brauchen wir Standards, aber auch Offenheit. Dann können Entwickler sich um das kümmern, was tatsächlich zählt: das Entwickeln von Funktionen, derentwegen später Fahrzeuge tatsächlich gekauft werden.

Skeptiker stellen die Frage, wie die Fahrzeughersteller sich weiter voneinander differenzieren können, wenn sie – hypothetisch gesprochen – alle dieselbe offene Plattform nutzen? Dass es funktioniert, zeigen BMW, Volvo Cars oder auch Audi: Sie alle nutzen dasselbe Telematik-Rahmenwerk. Dennoch unterscheiden sie sich im Bereich Telematik sowohl durch die Nutzeroberflächen als auch durch die angebotenen Services selbst.

Hauptvorteil einer flexiblen, offenen Plattform ist die Entkopplung des Fahrzeug-Lebenszyklus von den im Auto installierten Applikationen. Funktionen lassen sich nachträglich installieren, ohne Veränderungen am Fahrzeug vornehmen zu müssen. Genauso kann das Rahmenwerk geändert werden, ohne dass es seine Kompatibilität zu den Systemen von Drittanbietern verliert, seien es die Mobilfunkanbieter, App-Entwickler oder Automobilzulieferer.

Wireless Car arbeitet beispielsweise seit September 2012 in China mit BMW und dem lokalen Telekommunikationsanbieter China Unicom zusammen. Für den deutschen Autohersteller hat Wireless Car seine Callcenter-Applikationen an die Erfordernisse des chinesischen Marktes angepasst.

China ist derzeit der größte Zielmarkt: Im Jahr 2012 wurden dort rund 20 Millionen Autos verkauft. Dem hohen Potential stehen allerdings eine komplexe Marktstruktur und strenge Regulierungen gegenüber. Durch die Einbindung von Partnern wie China Unicom und anderen wichtigen Akteuren erhalten ausländische Firmen die für das Geschäft notwendigen Lizenzen.

Die sogenannten Connected Drive-Dienste von BMW umfassen unter anderem Concierge-Services – diese sind in China besonders beliebt. Außerdem beinhaltet das System eine Türentriegelung aus der Ferne, Notrufe (E-Calls), Verkehrsinformationen und weitere internetbasierte Dienste.

Neben China sind die vernetzten Fahrzeuge des deutschen Automobilherstellers in Europa, Nordamerika und dem mittleren Osten erhältlich, wo BMW bereits seit Längerem die Services von Wireless Car nutzt.

www.wirelesscar.com
www.bmw.de

Bildquelle: Car 2 Car Communication Consortium

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