12.07.2017 Rastal macht Biertrinken digital

Das Smartglass kommuniziert mit der Theke

Von: Lena Tausend

Glashersteller Rastal hat eine digitale Lösung entwickelt, mit der Gastwirte ihre Logistikkette und Getränkehersteller ihr Marketing optimieren können: das Smartglass und die intelligente Bar.

  • Smartglass von Rastal

    Eine smarte Bar kann in Kombination mit dem Smartglass den Getränkeverbrauch in Echtzeit erfassen.

  • Raymond Sahm-Rastal

    „Verbrauchsdaten unmittelbar am Ort des Konsums zu gewinnen, war bisher für Getränkehersteller kaum möglich“, berichtet Inhaber und geschäftsführender Gesellschafter Raymond Sahm-Rastal.

Bier, Cola, Wasser? Wer in eine Bar oder ein Restaurant geht, hat oft die Wahl zwischen Dutzenden Getränken. Was die Gäste entzückt, treibt dem Gastronomen mitunter die Sorgenfalten auf die Stirn: Welche Getränke sollte er in welchen Mengen zu welchem Zeitpunkt idealerweise vorrätig haben, um Geschmack und Wünsche seiner Gäste zu treffen und gleichzeitig seine Rendite nicht durch überbordende Lagerkosten oder Ladenhüter zu gefährden? Fragen, die Getränkehersteller und Wirte so präzise wie möglich beantworten wollen in einer Branche, die geprägt ist von steigendem Wettbewerbsdruck und sinkender Markentreue.

Hier will Rastal in die Bresche springen: Mit hilfe der Digitalisierung hat der mittelständische Glashersteller eine Lösung entwickelt, die künftig Abhilfe schaffen könnte und seinen Kunden hilft, ihre Produktivität zu steigern Prozesse zu verschlanken. Damit hätten diese mehr Zeit, neue Kunden zu finden und den vorhandenen Kundenstamm besser zu betreuen. Wo aber könnte eine solche digitale Lösung ansetzen? Wirte könnten beispielsweise Konsumdaten vor Ort in Echtzeit erheben – um auf dieser Basis den Service für die Kunden und die Profitabilität des eigenen Unternehmens optimal miteinander zu verbinden.

Die Cloud der Dinge

Innovation und Tradition gewinnbringend miteinander verbinden: Diese Haltung verfolgt Rastal seit seiner Gründung. Das Traditionsunternehmen stellt seit 1919 im rheinland-pfälzischen Höhr-Grenzhausen Trinkgefäße her. Unter der Leitung des geschäftsführenden Gesellschafters Raymond Sahm-Rastal und CEO Thomas Nieraad gestalten und produzieren rund 450 Mitarbeiter individuelle Markengläser für Auftraggeber wie Bitburger, Coca-Cola oder kleine Craft-Beer-Brauereien – von Pils-Tulpen über Oktoberfest-Maßkrüge bis hin zu Pint-Gläsern. „Letzte Verpackung vor dem Genuss“, nennt Sahm-Rastal seine Gläser gern. „Näher als damit kommt man an den Konsumenten nicht heran.“

Das digitale Glas: So können Gastronome das Smartglass nutzen

1. Gäste scannen einen QR-Code am Tisch per Smartphone und werden auf eine Microsite geleitet, auf der sie ihre Getränke bestellen.
2. Die Bestellungen werden auf einem Tablet an der Theke angezeigt und gleich bearbeitet. Der Mitarbeiter zapft das Getränk ins Smartglass.
3. Das Glas wird auf der Theke platziert und mit der Bestellung verknüpft: Form, Füllmenge und Sorte werden per Funk erfasst.
4. Gleichzeitig überträgt die smarte Bar die Infos in die „Cloud der Dinge“ der Telekom. Hier wird alles aufbereitet.
5. Das Personal bringt die Getränke an den entsprechenden Tisch.

Das gilt erst recht für das jüngste Produktkonzept seiner Firma: das digitale Glas und die smarte Bar. Wie diese digitale Innovation funktioniert? Der Hersteller hat einen Chip markenunterstützend in ein Glas integriert, der per Near Field Communication (NFC) mit einer smarten Bar kommuniziert – ein unkompliziertes Lesegerät für die Chips. Diese Bar ist über Mobilfunk mit einer Online-Plattform verbunden: der „Cloud der Dinge“ der Deutschen Telekom. Sie wertet die Daten aus, die vom Glas über die Bar an die Datenwolke übertragen wurden – also in erster Linie Art und Menge des Getränks sowie Uhrzeit der Bestellung – und bereitet diese Daten übersichtlich auf.

Wann fließt der Wein, wann die Cola?

Denkbar wäre, dass der Gastronom diese Informationen künftig mit weiteren Daten verbindet und so beispielsweise analysiert, bei welchem Wetter welche Getränke wie häufig geordert werden. Konkret: an welchen Wochentagen etwa mehr Wein und an welchen eher Sprudel verkauft wird. Das bedeutet im Klartext: Über die intelligente Kombination aus Glas, Bar und Cloud sowie eine Echtzeitauswertung der Konsumentendaten könnten Gastronomen künftig ihren Bier- und Personalbedarf bestmöglich organisieren.

„Verbrauchsdaten unmittelbar am Ort des Konsums zu gewinnen, war bisher für Getränkehersteller kaum möglich“, sagt Raymond Sahm-Rastal. „Aber damit könnten sie sich in einem stark umkämpften Markt durch neue Einblicke in das Kundenverhalten besser positionieren.“ Die digitale Lösung könnte ihnen also künftig mehrere Optionen eröffnen: etwa zielgerichtete Interaktionen mit den Kunden ohne Streuverluste. Oder ihre Supply Chain zu digitalisieren und mit einem automatisiertem Pfandsystem zu kombinieren – bis hin zu eigenen Apps mit Mobile-Payment-Option.

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Möglichkeiten, die nicht nur die Getränkeindustrie, sondern auch den Mittelständler selbst verändern könnten. Längst entwickelt sich der Glashersteller weiter vom reinen Produkt- zum Lösungsanbieter. „Unsere Kernkompetenz ist es, Gläser zu entwickeln und zu veredeln“, sagt Sahm-Rastal. „Für das digitale Know-how benötigten wir einen Partner wie die Telekom. Gemeinsam entwickeln wir ein Konzept, das den Bedürfnissen unserer Kunden großen Nutzen bietet.“



Über Rastal
1919 als Familienbetrieb gegründet, hat sich das Unternehmen zu einer international agierenden inhabergeführten Firmengruppe mit 450 Mitarbeitern und einem Produktionsvolumen von rund 120 Millionen Gläsern pro Jahr entwickelt. Dabei besitzt die Gruppe Produktionsstätten in Deutschland, Schweiz, Polen und Rumänien. 36 weltweite Vertretungen und Kooperationspartner sollen zudem kurze Wege und rasche Antworten garantieren. Das Familienunternehmen bietet nicht nur international anerkanntes Know-how rund um Glasdesign, Produktion und Veredelung, sondern auch ein umfassendes Service-Spektrum von sensorischen Gläsertests bis hin zur individuellen Logistiklösung.

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