Das Smartphone zeigt alle Aktivitäten eines Tieres in den letzten Tagen.
Die Lokalisierungslösung Cow View zeigt in Echtzeit an, wo sich die einzelnen Tiere gerade befinden.
Die Konsolidierung in der Landwirtschaft führt dazu, dass die Zahl der Milchviehbetriebe stetig abnimmt, während die Herdengröße in den Anlagen kontinuierlich steigt. Mehr Stallpersonal wäre nötig, um so das erhöhte Arbeitspensum zu bewältigen. Für Milchviehbetriebe mit Großherden ist so ein konventioneller Ansatz finanziell kaum tragbar. Vor diesem Hintergrund erkannte GEA Farm Technologies das Potential einer Kombination aus mobilen Endgeräten und Echtzeitortung (Real Time Location Solutions, RTLS), um die Arbeitsweise in den Anlagen effizienter zu gestalten. Ziel war ein System, das wie ein Frühwarnsystem arbeitet und Landwirte bei Auffälligkeiten benachrichtigt.
In einer vierjährigen Test- und Entwicklungsphase experimentierte der Anbieter mit Systemen verschiedener RTLS-Anbieter. Jedoch stellte sich heraus, dass deren Leistung nicht ausreichte, die Technik zu komplex oder der Betrieb der Systeme einfach zu kostspielig war. Mit Zebra Location Solutions fand man schließlich einen Partner, der eine robuste und flexible Lösung für den Einsatz im Stall bereitstellen konnte. Das Lokalisierungssystem „Cow View“ schafft nun die Vorrausetzung, um die Herde von mobilen Geräten aus effizient zu managen.
In die Lösung ist die „Dart II RTLS“-Technologie von Zebra LS integriert. Sie ermöglicht es, in einem definierten Areal jede einzelne von mehr als tausend Kühen präzise zu finden. Die Lokalisierungskomponente arbeitet dabei über Ultrawideband und sendet mit einer Reichweite von mehr als 180 Metern die Daten in Echtzeit. Mit einer Ortungsgenauigkeit von unter 30 Zentimetern und einer Abtastrate von zwei bis drei Sekunden lassen sich die Tiere präzise erfassen.
Die Lösung funktioniert wie ein Frühwarnsystem. Am Hals der Kühe befindet sich ein Label, dessen Signale von den Sensoren an der Stalldecke erfasst werden. Sie geben die Tierdaten weiter in das Hub, und von da gelangen sie in die dahinterliegende Analysesoftware, wo sie ausgewertet werden. Mit den gesammelten Daten lassen sich für einzelne Tiere als auch für die ganze Herde historische Profile erstellen. Anhand eines Abgleichs zwischen bestehenden und neuen Daten erkennt die Software, wenn das aktuelle Verhaltensmuster der Tiere auffällig ist. Ein Beispiel: Nimmt ein Tier sehr wenig Nahrung auf und ruht auffällig lang, sendet das System eine Benachrichtigung an mobile Endgeräte oder einen Computer.
Landwirte sehen dadurch sofort, ob eine Kuh gerade zu erkranken droht. Außerdem lässt sich mit dem System erkennen, ob der ideale Zeitpunkt für eine Besamung vorliegt. Ausgerüstet mit einem Tablet oder Smartphone arbeiten die Mitarbeiter produktiver und können zeitnah reagieren. Die Tiere lassen sich präzise und sekundengenau orten. Zudem können die Landwirte durch die Echtzeitinformationen ihre Arbeitsabläufe in großen Herden beschleunigen und zügig auf Bedürfnisse einzelner Tiere eingehen.
Aktuell überwacht Cow View 4.000 Kühe in sieben verschiedenen Milchbetrieben in Deutschland, den Niederlanden und Dänemark. Weitere Betriebe in Großbritannien und Skandinavien befinden sich in der Installationsphase. Die Lösung ermöglicht es den Landwirten, die Arbeitseffizienz in modernen Milchviehbetrieben zu verbessern und gleichzeitig die Lebensqualität des Viehs zu steigern. Kosteneinsparungen ergeben sich im Gesundheits- sowie Fruchtbarkeitsmanagement der Tiere. Je nach Größe der Herde und Ausstattung des Stalls macht sich die Investition in der Regel nach ein bis zwei Jahren bezahlt.
Ultrawideband (UWB) ist eine spezielle Variante einer Lokalisierungsmethode. UWB erzeugt interferenzlose Signale, wodurch sich Störungen mit anderen Funknetzwerken so gut wie ausschließen. Zudem arbeitet Ultrawideband mit einer Reichweite von mehr als 180 Metern. Die Sensoren lassen sich auf die Signale so fein abstimmen, dass sie mit eine Auflösung von unter 30 cm abtasten können.
Bildquellen: GEA