Schwieriger Start für den neuen Microsoft-CEO

Dauerbaustelle Windows

Microsoft hat Probleme: Lange Zeit kein CEO, kein Erfolg mit Windows 8, kein Ende von Windows XP. Über einige Irrungen und Wirrungen des IT-Riesen.

Der neue Microsoft-CEO hat noch viel zu tun

Der neue Microsoft-CEO ist wohl schon gewählt, aber noch unbekannt. Aber er hat direkt was anzukündigen: Windows 9 kommt. Und es wird Windows 7 wieder ähnlicher. Das Startmenü wird in alter Form wiedergeboren und überhaupt, endlich schraubt Microsoft diese ganzen lästigen Neuerungen in Windows 8.x wieder zurück.

Das ist natürlich ein Gerücht, wie es in der Welt des Rumor Marketing üblich ist. Es stammt von Microsoft-Intimus Paul Thurrott. Er meldete, dass Microsoft bereits an Windows 9 arbeitet. Es soll bereits im April vorgestellt werden und im Oktober erscheinen. Der Kern der Gerüchte: In Windows 9 soll das klassische Startmenü wieder ein wichtiger Bestandteil des Desktops werden. Außerdem werden die Apps der Kacheloberfläche endlich auch auf dem klassischen Desktop laufen.

Das Weihnachtsgeschäft 2014

Da bereits erste Screenshots des neuen Desktops aufgetaucht sind, scheint an den Gerüchten relativ viel dran zu sein. Microsoft reagiert damit auf den überschaubaren Erfolg von Windows 8. Vermutlich soll das in der PC-Branche wichtige Weihnachtsgeschäft nicht mit dem inzwischen in Verruf geratenen Label „Windows 8“ belastet werden.

Die Schwierigkeiten mit Windows 8 liegen am nicht ganz geglückten Spagat zwischen Tablet und Desktop-PC. In der Rückschau sind natürlich immer alle schlauer, aber wahrscheinlich wäre es für das Image von Windows 8 besser gewesen, wenn Microsoft das Startmenü einfach mitgeschleppt hätte.

Das Unternehmen ist in diesem Punkt vermutlich über die Dissonanz zwischen wirklicher und gefühlter Nutzung gestolpert – das Dorfladen-Paradox. Der macht zu, weil niemand mehr dort kauft. Aber dann vermissen ihn alle schmerzlich und würden gerne täglich mehrmals dort einkaufen.

Auf das Startmenü angewendet: Für Poweruser mit ein paar Dutzend verschiedener Programme auf der Festplatte ist es super. Aber in Wahrheit haben die allermeisten Normalanwender ihre drei bis vier Anwendungen einfach auf dem Desktop abgelegt und ignorieren das Menü weitgehend.

Aufgrund einer Analyse des Nutzungsverhaltens kann man recht leicht auf den Gedanken kommen, dass scheinbar überflüssige Menü in der neuen Betriebssystemversion einfach weg zu lassen. Das hat ersichtlich nicht geklappt. Nichts liebt der Durchschnittsanwender mehr als seine gewohnte Umgebung, auch wenn er nur ahnt, was sich hinter vielen bunten Symbolen verbirgt.

Doch Microsoft ist - trotz allem - ein enorm lernfähiges Unternehmen. Mit Windows 8.1 und jetzt mit Windows 9 wurden und werden zahlreiche Probleme des großen Windows 8 beseitigt. Das Apps nicht als Fenster im Desktop laufen, ist in der reinen Lehre des User Interface Designs vollkommen logisch, erweist sich im Alltag aber als Killer für die Nutzungsintensität der Apps. Also: Her mit der Hybridfunktion.

Probleme mit dem XP-Methusalem

Kurzum, die Probleme mit dem neuen, auch für Tablets geeigneten Windows werden sich lösen lassen. Auch das ungeliebte Windows RT lässt sich sanieren, indem Microsoft es mit Windows Phone zusammenlegt. Doch noch eine weitere Windows-Version sorgt in Seattle für erhebliche Bauchschmerzen: Windows XP, der Methusalem unter den Desktop-Betriebssystemen.

Er entwickelt sich für Microsoft vom wahnwitzigen Erfolg zum Albtraum. Das betagte System entspricht vor allem bei Sicherheit und Datenschutz nicht mehr den üblichen Standards. Doch das hält Millionen Anwender auf der Welt nicht davon ab, es auch weiterhin einzusetzen. Die Zahl der XP-Installationen sinkt nur langsam. Laut den Ergebnissen von Net Applications ist der Anteil von Windows XP an den gemessenen Webzugriffen auf knapp unter dreißig Prozent gesunken. Das ist für ein mehr als zwölf Jahre altes Betriebssystem extrem hoch.

Der Grund sind einerseits zahlreiche anspruchslose Privatanwender, die keine Notwendigkeit sehen, sich einen neuen Computer zu kaufen. Außerdem dürfte das schlechte Image von Windows 8 einiges dazu beitragen, einen Neukauf aufzuschieben. Ein weiterer Grund für das Beharrungsvermögen des Altsystems sind zahlreiche kleinere Unternehmen, die Computer so lange nutzen, bis sie defekt sind oder die eingesetzten Anwendungen nicht mehr unter XP unterstützt werden.

Die absolute Zahl der XP-Installation dürfte sogar noch deutlich höher liegen, als die Statistik der Webzugriffe andeutet. Denn Windows XP wird auch in Systemen ohne Internetverbindung eingesetzt. Zum Beispiel nutzen gut 95 Prozent der Geldautomaten XP. Auch in zahlreichen Industrie-PCs und spezialisierten Maschinen mit einer Steuerung auf PC-Basis dürfte XP noch häufiger vorkommen, als es Microsoft recht sein kann.

Dies ist eine weitere Erklärung der schwachen Marktdurchdringung von Windows 8.X. Denn Microsoft kämpft hier nicht nur gegen die mobile Konkurrenz wie Android oder iOS, sondern auch gegen sich selbst. Ein Beispiel: Geldautomaten nutzen in der Regel die Embedded-Version von Windows. Hier ist das 8er-System XP meilenweit überlegen. Doch die Banken scheuen schlicht den enormen Investitionsaufwand beim Austausch von abertausenden Bankomaten.

Von der Gelddruckerei zur Resterampe

Die Windows-Abteilung von Microsoft hat sich von der Gelddruckerei zur Resterampe entwickelt. Der größte Erfolg in Sachen Neuinstallationen ist immer noch das fast fünf Jahre alte Windows 7. Vermutlich würde XP immer noch neue Anwender finden, wenn Microsoft nicht einfach den Verkauf eingestellt hätte. Denn auf einem Gebrauchtrechner, der fünf Jahre oder älter ist, läuft XP schlicht und einfach am besten.

Microsoft hofft also jetzt auf Windows 9 und auf den neuen CEO, der wohl in ein paar Tagen präsentiert wird. Zwar scheint das Unternehmen auch ohne Spitze ziemlich gut zu funktionieren, doch die Dauersuche nach einem Ballmer-Ersatz wurde schon Running Gag: Der Reihe nach gaben die High Potentials aus der S&P500-Szene der Milliarden-Unternehmen Microsoft einen Korb.

Die Spannung steigt also. Muss es jetzt doch Stephen Elop machen? Oder hat Elon Musk noch ein paar Minuten in der Woche frei, um die Windows-Rakete zu starten? Wir werden sehen. Vielleicht wird Windows 9 im April ja schon von dem neuen CEO präsentiert. Bis dahin gibt es sogar eine gute Nachricht: Eine Studie von Forrester Research ergab, dass die Kunden Microsoft stärker vertrauen als Apple. Was auch immer das heißt.

Bildquelle: Petra Schmidt / pixelio.de

Links:

  • Kara Swisher, die First Lady des US-Technikjournalismus, hat mal wieder ihre Kontakte spielen lassen und weiß jetzt: Der neue Microsoft-CEO kommt.
  • Microsoft-Intimus Paul Thurrott weiß anderes: Windows 9 kommt bald.
  • Net Applications weiß, wie weit Windows XP noch verbreitet ist.
  • Und Forrester Research weiß: Die Leute vertrauen Microsoft mehr als Apple.

 

 

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok