Herr Füllemann, worauf ist bei der Entwicklung einer speziellen App für die Energiebranche zu achten?
Jan Füllemann: Eine App für die Energiebranche muss den Kundenkreis des Energielieferanten so weit wie möglich erreichen. Dazu gehört die Entwicklung eines intuitiven Bedienkonzepts für technisch nicht versierte Anwender ebenso wie die Bereitstellung der App für die wichtigsten Softwareplattformen. Diese sind zurzeit iOS und Android OS, zukünftig eventuell auch Windows Phone 8.
Für die Gestaltung eines gelungenen Bedienkonzeptes muss der App-Entwickler ein gutes Verständnis für technische und funktionale Zusammenhänge mitbringen. Zu diesem Zweck arbeiten bei Nova Media Ingenieure und Entwickler Hand in Hand.
Welche verschiedenen Funktionen kann solch eine App beinhalten?
Füllemann: Generell schafft der Einsatz einer solchen App ein Bewusstsein, dass Geräte unterschiedlich viel Strom verbrauchen und dass dadurch Kosten entstehen. Funktionell reicht eine App von der Anzeige des aktuell verbrauchten Stroms im Haushalt über eine Steuerung der einzelnen Geräte bis hin zu Sonderfunktionen für die Betreiber von dezentralen Stromerzeugern wie z.B. Photovoltaikanlagen. Der Kunde kann also nicht nur erkennen, welche Geräte wie viel Strom verbrauchen. Er kann den Einsatz der Geräte auch stromkostenabhängig steuern und sehen, wann über eine Photovoltaikanlage Strom ins Netz eingespeist und verdient wird – oder wann Strom entnommen und bezahlt werden muss.
Weiterhin kann die App mit zusätzlichen Diensten des Internets interagieren. Meldet der Wetterbericht mehrere Stunden Sonne, könnte die Waschmaschine automatisch starten und mit dem Strom aus der hauseigenen Photovoltaikanlage arbeiten.
Inwiefern lässt sich durch den Einsatz spezieller (Stromspar-)Apps überhaupt Energie sparen?
Füllemann: Im ersten Schritt vermittelt eine entsprechende App einen Kostenüberblick über den aktuellen Stromverbrauch. Also nicht erst am Ende des Monats oder am Ende des Jahres. Durch das Abschalten oder Anschalten von Geräten kann so direkt ermittelt werden, wie viel Strom ein Gerät verbraucht. Als Folge kann der strombewusste Anwender z.B. nicht benötigte Geräte ausschalten, wenn er das Haus verlässt oder alte Stromfresser identifizieren und durch neue, Strom sparende Geräte ersetzen. Sobald die Geräte über eine eigene IP-Adresse identifizierbar sind, kann die App das komplette Strommanagement kontrollieren. Geräte können automatisch ausgeschaltet oder auf Stand-by gestellt werden, wenn der Anwender das Haus verlässt.
Auf die fossilen Energieträger bezogen, ermöglicht eine App etwa das dynamische Herunterfahren und Hochfahren der Temperatur in einem Heizkessel – ohne physikalischen Zugriff auf die Heizung, also auch von unterwegs.
Können Sie Anwenderbeispiele nennen, wo Sie Apps für die Energiebranche konkret realisiert haben? Worauf legten Sie Entwicklungsschwerpunkte?
Füllemann: Die Firma IEQualize hat uns mit der Umsetzung einer App beauftragt, die es ermöglicht, den Stromverbrauch live zu messen, anzuzeigen und auszuwerten. Der Schwerpunkt der Entwicklung lag in der Umsetzung der von IEQualize konzipierten und designten App für iOS, Android OS und Windows Phone.
Auch für Bosch Thermotechnik haben wir bereits eine App entwickelt. Über diese ist die Steuerung der Heizungsanlagen von Buderus, Junkers und IVT möglich. Zudem haben wir eine Applikation für die mobile Bestellung von Heizöl realisiert.
Wo sehen Sie Zukunftstrends bezogen auf das mobile Angebot für die Energiebranche? Wird das Smartphone etwa zur hauseigenen Energieschaltzentrale?
Füllemann: Das Smartphone ist schon jetzt eine Schaltzentrale des digitalen Lebens. Die Kontrolle von Energie ist dafür ein weiterer Baustein. Zukünftig werden die eingesetzten Geräte der Energiebranche intelligenter und vernetzter. Sie reagieren nach vorgegebenen Regeln aufgrund von Ereignissen wie veränderten Strompreisen oder der Verfügbarkeit von Strom über die hauseigene Photovoltaikanlage.
Wichtig für die Energiebranche werden daher Apps, die dem Anwender eine bequeme und übersichtliche Konfiguration und Kontrolle der Geräte, des Stromverbrauchs und der Abrechnung bringen.