Deutschland ist mit Abstand der absolute Spitzenreiter mit einem Anteil von 82 Prozent - gemeint ist der Anteil des Bargelds an allen Bezahlvorgängen. Im Mutterland der Kreditkarte, den USA, sind es nur noch 46 Prozent. Doch auch unsere europäischen Nachbarn lieben es bargeldlos. In den Niederlanden wird ebenfalls jede zweite Transaktion elektronisch abgewickelt. Die wahren Helden sind aber die Schweden: Sie bezahlen nach aktuellen Statistiken des schwedischen Finanzministeriums etwa 80 Prozent der Einkäufe in Ladengeschäften mit Kreditkarten oder der Maestro-Karte, diese Debitkarte kriegt in Schweden jeder (der will) mit der Eröffnung eines Kontos.
Die Sonderrolle Deutschlands zeigt sich auch bei Umfragen, in denen nach dem mitgeführten Bargeld gefragt wird. Hierzulande sind das im Durchschnitt etwa 100 Euro, in den USA oder den Niederlanden lediglich die Hälfte. Dementsprechend unbeliebt ist die Vorstellung, dass Bargeld abzuschaffen: Bei einer aktuellen Umfrage zu diesem Thema bewerteten nur 8 Prozent der Befragten diese Idee positiv.
Viele aus dieser Gruppe sind vermutlich Politiker, Banker und Manager von Mobile-Payment-Anbietern. Die Gründe für die Abschaffung oder Einschränkung von Bargeld klingen einleuchtend: Der Bargeldumlauf kostet selbst wiederum eine Menge Geld, da die Münzen und Scheine regelmäßig ausgetauscht werden müssen und ihre Herstellung natürlich ebenfalls kostet. So sind zum Beispiel die Ein- und Zwei-Cent-Münzen pro Stück teurer als ihr Nennwert.
Auch in den Banken macht Bargeld deutlich mehr Arbeit als Computerbuchungen, denn die Münzen und Scheine müssen gezählt und gerollt oder gebündelt werden. Anschließend werden sie mit aufwändigen Sicherheitsvorkehrungen zwischengelagert und regelmäßig in die Zentralbanken zur Gutschrift auf das Konto der Bank transportiert.
Auch auf Seiten der Konsumenten gibt es gute Gründe, Bargeld nicht so toll zu finden: Man muss erst einmal einen Geldautomaten finden, um Bares zu bekommen. Außerdem macht das Wechselgeld dicke Taschen und Diebe freuen sich natürlich über eine wohlgefüllte Geldbörse. Bei E-Cash aus der Karte oder dem Smartphone fällt das weg, beides kann man nach einem Verlust sehr schnell sperren.
Ein weiteres Problem ist die Kriminalität. Einige kriminelle "Teilmärkte" wie Drogen, Prostitution oder Hehlerei funktionieren nur dank Bargeld. Durch seine Abschaffung wäre es möglich, diese Art der Kriminalität wenigstens teilweise auszutrocknen. Dies ist einer der wichtigsten Gründe für Politiker, die Abschaffung der 500er-Banknote zu fordern oder eine Begrenzung von Bargeschäften auf maximal 5.000 Euro. Also auf in die benutzerfreundliche, digitale E- und M-Payment-Zukunft?
Leider hat ein rein digitales Bezahlsystem einige entscheidende Nachteile, die in der Diskussion oft zu schnell unter den Teppich gekehrt werden:
Viele Länder in Europa und der ganzen Welt sind auf diesem Weg schon recht weit - auch in der Kritik an dieser Entwicklung. Vor allem in den angelsächsischen Medien findet sich eine intensive Diskussion zu den Veränderungen in den Bezahlsystemen, welche Rolle dabei Kryptografie spielt und andere Berichte aus dem Krieg gegen das Bargeld.
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