Alles easy, alles im Griff: Deutschlands Wirtschaft liegt jetzt auf Platz 4 im „Global Competitiveness Report 2013-2014“ des Weltwirtschaftsforums. Und steuert nun das Siegertreppchen an, also mindestens Platz Eins. „Deutschland muss jetzt auch Innovations-Weltmeister werden“, meinte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka bei der Vorstellung der Hightech-Strategie der Bundesregierung.
Die zeigt den Weg zu diesem hehren Ziel: Industrie 4.0, Big Data, Cloud Computing, Elektromobilität und viele gängige Stichworte mehr. Auch die Startups werden bedacht und ihnen innovationsfreundliche Rahmenbedingungen versprochen. Sogar der Daueraufreger „Breitband“ kommt vor, in einem Satz: „Deshalb treibt die Bundesregierung den Ausbau von flächendeckenden Hochleistungsnetzen voran.“
Schlusslicht bei den Unternehmensgründungen
Das ist so unverbindlich formuliert, da kann sogar ein Politiker noch was von lernen. Doch die verwaschene Aussage steht für ein großes Problem der deutschen Wirtschaft. Die digitale Infrastruktur hat inzwischen Schauwert - für asiatische Touristen, die auch mal sehen wollen, wie man früher Internet aus Kupfer gemacht hat.
Breitband geht anders, Zukunft auch. „Flächendeckende Hochleistungsnetze“ sind eine Basisinfrastruktur. Sie sind die Voraussetzung für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung, die eigentlich sofort ein großes Investitionsprogramm erfordert.
Man stelle sich vor, die Eisenbahn hätte nach 1850 bloß ein halbes Dutzend Metropolen verbunden. Der enorme Wirtschaftsboom der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der Deutschland aus der Agrarwirtschaft in die industrielle Zukunft katapultiert hat, wäre ausgefallen.
Außerdem ist der Exportmusterknabe (101 Milliarden Euro im Juli) ein ziemlicher Stoffel in Sachen Unternehmensgründungen, auch im Gegensatz zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Heute reicht es beim Index des Weltwirtschaftsforums nur für Platz 104. Die ausufernde Bürokratie lässt grüßen. Wie es besser geht, machen die auch nicht gerade als Anarchisten verrufenen Schweden vor: Platz 10.
Immerhin soll die Hightech-Strategie bessere Finanzierungsbedingungen für innovative Startups schaffen und eine Steuerbefreiung für den Wagniskapital-Zuschuss “Invest” einführen. Auch das klingt eher unverbindlich und nach einem Tropfen auf den heißen Stein.
Vorsprung durch Hightech
Denn der Weg bis zum echten Innovationsweltmeister ist noch weit. Der seit 2007 fortlaufend ermittelte “Global Innovation Index” der „World Intellectual Property Organization (WIPO)“ der UN, sieht Deutschland auf dem 13. Rang. Das ist weit entfernt vom zweiten Platz aus 2007. Aber immerhin ist der seit Jahren andauernde Abstieg in dieser Statistik gebremst, seit dem letzten Jahr ging es zwei Plätze aufwärts.
Der Innovationsindex steht in der diesjährigen Ausgabe unter der Überschrift „The Human Factor in Innovation“ und bringt eine im Detail etwas unübersichtliche Mischung aus weichen und harten Indikatoren. Die Tendenz ist allerdings relativ eindeutig: Bei Forschung (Indikator „Gross expenditure on R&D, % GDP“, Rang 7) und Wissensproduktion (Indikatorengruppe „Knowledge Creation“, Rang 6 spielt Deutschland in der Top Ten mit.
Dadurch erklärt sich auch die vorzügliche Eignung als Standort für die Hightech-Herstellung (Indikator „High- & medium-high-tech manufactures, %“, Rang 6). Unsere Wirtschaft ist jedoch bei weitem nicht dynamisch genug. Die altbekannten Defizite tauchen auch wieder im Innovation Index auf.
So sind wir beim Gründen (Indikator “New businesses/th pop. 15–64”) auf Rang 52, es wird nach wie vor nicht ausreichend investiert (Indikator “Gross capital formation, % GDP”, Rang 112) und dann gibt es noch das Dauerproblem der schwierigen Unternehmensgründung (Indikator ”Ease of starting a business”, Rang 76).
Vereinfacht ausgedrückt: Wir produzieren viel neues Wissen, aber es wird nur in geringem Maße unternehmerisch ausgewertet. Könnte es sein, dass es vielen guten Ideen aus Deutschland so wie dem MP3-Format geht: Von der Fraunhofer-Gesellschaft entwickelt, anderswo zum Milliardenbusiness transformiert?
Bildquelle: Ute Pelz / pixelio.de
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