Das Preis-Leistungs-Verhältnis zählt

Design bei Navis zweitrangig

Im Interview betont Wolfgang Stock, Geschäftsführer der Baros GmbH, dass für Kunden das Design der Navigationsgeräte eine untergeordnete Rolle spielt. Viel wichtiger seien etwa die Display-Qualität sowie die Akkukapazität.

Wolfgang Stock, Baros

„Unser Produktmanagement prüft die Geräteprototypen auf Herz und Nieren“, betont Baros-Chef Wolfgang Stock.

Herr Stock, in Zeiten von Smartphones, Apps & Co.: Welche Rolle werden klassische Navigationsgeräte 2016 spielen?
Wolfgang Stock:
Mobile Navigationssysteme werden auch in Zukunft eine große Rolle spielen, da der Bedien- und vor allem Ablesekomfort unvergleichbar besser sind. Unsere Kunden wissen die Übersichtlichkeit größerer Displays und die umfassenderen Akkukapazitäten klassischer Navis zu schätzen. Außerdem wird durch den Einsatz von mobilen Navis im Gegensatz zum Navigieren mit Smartphones kein Internet-Datenvolumen verbraucht.

Inwieweit unterscheiden sich die Bedürfnisse bzw. Erwartungen der drei Nutzergruppen „Autofahrer“, „Lkw-Fahrer“ und „Camper“ im Hinblick auf Navis?
Stock:
Jede Nutzergruppe erwartet neben einem zuverlässigen Streckenlotsen Möglichkeiten der spezifischen Informationsabfrage: So werden beim Routing – also der Streckenplanung – je nach Zielgruppe andere Parameter berücksichtigt. Während für den Pkw-Nutzer beispielsweise Straßenbreiten und Brückenhöhen kaum eine Rolle spielen, sind diese für den Lkw-Fahrer enorm wichtig. Der Reisemobilist freut sich hingegen auf Stellplatzdaten, campingtaugliche Points of Interest oder länderspezifische Pflichtausstattungen. Für die einen sind verbindliche Ankunftszeiten, Fahrtdauer und Fahrtenbuch-Optionen entscheidend, für die anderen der Weg ohne Autobahnen und Schnellstraßen das Ziel.

Worin bestehen die wesentlichen Unterschiede zwischen einem PKW-, Motorrad- und Fahrrad-Navi?
Stock:
Unsere Pkw-Navis verfügen über eine grundlegend andere Software als Produkte für den Zweiradbereich. Unterschiede gibt es z.B. beim Routing, bei der Display-Ansicht und bei der Auswahl verschiedener Fahrprofile. Unsere Motorrad- und Fahrrad-Navis sind hingegen gar nicht so weit voneinander entfernt: Bei beiden spielt die Hardware eine wichtige Rolle in Bezug auf Halterung, Wettertauglichkeit, Display-Kontrast, Bedienung mit Handschuh, Bluetooth-Verbindung zum Helm von Fahrer und Beifahrer, etc. Die Zweirad-Navis verfügen jeweils noch über die Möglichkeit, vorgeplante Routen hochzuspielen und abzurufen bzw. gefahrene Routen zu exportieren, um sie mit anderen Fahrern zu teilen.

Motorrad- und Fahrradnavigationsgeräte sind „on tour“ ggf. anderen Bedingungen ausgesetzt als Auto-Navis, die ein „Dach über dem Kopf“ haben. Sie können beispielsweise nass werden, falls es regnen sollte. Inwieweit sind die Geräte gegen solche Umwelteinflüsse gewappnet?
Stock:
Unsere Moto- und Bikepilots sind gemäß dem so genanntem IPX5-Standard schlagfest, staub- und spritzwassergeschützt. Ihnen können also europäische Wetterverhältnisse in der Regel nichts anhaben.

Welchen Tests werden Navigationsgeräte vor Marktreife generell unterzogen? Müssen Motorrad- und Fahrrad-Navis andere/zusätzliche Tests im Vergleich zu PKW-Navis bestehen?
Stock:
Unser Produktmanagement prüft die Geräteprototypen auf Herz und Nieren, sowohl in Form eines Unboxing-Checks also auch regulärer Praxistests. Hierbei werden alle ausgelobten Funktionen überprüft und im Dialog mit der Produktion ausgemerzt. Bei Motorrad- und Fahrrad-Navis liegt ein zusätzlicher Schwerpunkt auf der Verlässlichkeit der jeweiligen Halterung. Diese muss auch in unwegsamem Gelände funktionieren und sich trotzdem leicht installieren und später wieder deinstallieren lassen.

Welche Rolle spielt für die Endnutzer das Design der Geräte?
Stock:
Nach unserer Erfahrung spielt das Design der Geräte eine eher untergeordnete Rolle. Viel wichtiger sind ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, die Display-Qualität, Akkukapazität und Aktualität des Kartenmaterials.

Was müssen herkömmliche Navis anno 2016 generell leisten, um am Markt bestehen zu können?
Stock:
Zunächst schaut der Kunde auf Umfang sowie Update-Möglichkeiten des Kartenmaterials und setzt das in Relation zum Preis. Das hat uns beispielsweise dazu bewogen, lebenslanges Updating (LMU) bei vielen Geräten preislich zu inkludieren. „State of the Art“ sind außerdem Bluetooth-Fähigkeit, die Anschlussmöglichkeit für eine Rückfahrkamera, Stauumfahrung (TMC), Fahrspur- und Geschwindigkeitsassistent sowie die Option der Straßenansage (Text-to-speech).

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