08.05.2017 EU-Datenschutz

Deutsche Konzerne kämpfen gegen Google und Facebook

Von: Andrej Sokolow

Mehrere deutsche Konzerne wollen mit einer übergreifenden Datenplattform gegen die Dominanz von US-Unternehmen wie Google und Facebook ankämpfen.

Mit der neuen Daten-Plattform soll branchenübergreifend ein einheitlicher Zugang zu Online-Diensten ermöglicht werden. Foto: Arno Burgi

Mit der neuen Daten-Plattform soll branchenübergreifend ein einheitlicher Zugang zu Online-Diensten ermöglicht werden. Foto: Arno Burgi

Mit dabei sind zunächst die Allianz, Axel Springer, Daimler, die Deutsche Bank mit der Postbank und der Kartendienst Here der deutschen Autobauer. Die Idee ist ein einheitlicher Zugang zu Online-Diensten. Die Umsetzung des Projekts stehe aber noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden.

Heute wird im Netz oft eine Anmeldung über Profile bei Google, Facebook oder Twitter angeboten. In Europa gibt es immer wieder Kritik an der Dominanz von Daten-Plattformen aus den USA im Internet. Der Plan der deutschen Konzerne ist aber der bisher ambitionierteste Versuch, einen Gegenpol aufzubauen. Sie sprechen von einer gemeinsamen „Registrierungs-, Identitäts- und Datenplattform".

Kern des Angebots soll ein sogenannter «Generalschlüssel» werden: „Diesen können Kunden dann branchenübergreifend verwenden, um sich im Internet zu registrieren und zu identifizieren." Die Partner werben mit dem in Europa wichtigen Datenschutzargument: Die Plattform solle „höchste Standards bei Datensicherheit und Datenschutz gewährleisten".

Die Initiative hat große Ausbaupläne für die Zukunft. Unternehmen aus den Bereichen Handel, Luftfahrt und Telekommunikation sowie weiteren Branchen sollen kurzfristig als Partner gewonnen werden, hieß es. Erste Verhandlungen mit interessierten Unternehmen liefen bereits. Unter anderem hätten kürzlich Gespräche mit der Deutschen Telekom begonnen.

Auch die Entwicklung digitaler Zahlungs- und Finanzdienstleistungen sei mit der Plattform möglich. In einer späteren Ausbaustufe seien zusätzliche Funktionen wie ein digitaler Behördenzugang denkbar.

„Die Kooperation versteht sich als wettbewerbsfähige, europäische Antwort auf die internationale Plattformwirtschaft", erklärten die Teilnehmer. Mit den Partnern aus den Branchen Versicherung, Medien, Auto und Banken deckt die Initiative bereits ein breites Datenspektrum ab. Mit Here sind indirekt auch die Autobauer BMW und Audi eingebunden, denen der Kartendienst neben Daimler gehört.

Weiteres Mitglied der Initiative ist der Technologie-Thinktank Core. Auch das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) sowie die European School of Management and Technology (ESMT) seien eingebunden, um das Projekt wissenschaftlich zu begleiten. Die Initiative sei „im Austausch" mit der Politik und werde insbesondere vom Bundeswirtschaftsministerium begrüßt.

Ankündigung der Initiative


dpa/zi

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