Nachgefragt bei Christoph Schmitz, Telekom

Die Chancen von Smartphones mit Firefox OS

Für das neue mobile Betriebssystem Firefox OS erntet Mozilla viel Aufmerksamkeit. Große europäische Telekommunikationsanbieter sind bei Firefox OS in der Projektarbeit und Entwicklung mit an Bord und werden in Kürze Geräte mit Firefox OS auf den Markt bringen, unter anderem die Deutsche Telekom. MOBILE BUSINESS sprach darüber mit Christoph Schmitz, im Bereich Produkte & Innovationen der verantwortliche Projektleiter für Firefox OS bei der Telekom.

„Gute Smartphones zu einem vernünftigen Preis mit einem offenen Betriebssystem – aus unserer Sicht liegt hier das Potential von Firefox OS", sagt Christoph Schmitz, im Bereich Produkte & Innovationen der verantwortliche Projektleiter für Firefox OS bei der Telekom.

Mozilla will sich mit Firefox OS als alternatives Betriebssystem positionieren. Mit iOS, Android, Windows Phone und Blackberry OS gibt es ein umfangreiches Angebot. Wie schätzen Sie die Perspektive von Firefox OS vor diesem Hintergrund ein?
Christoph Schmitz: Mozilla verfügt über eine riesige Entwickler- und Fangemeinde. Mozillas Firefox Browser wird von unseren Endkunden in vielen Ländern Europas als sicherer, performanter und kundenfreundlicher Browser wahrgenommen und erreicht Markanteile zwischen 20% und knapp 50%. Der Markt für mobile Geräte wie Smartphones und Tablets ist noch immer ein stark wachsender Markt. Gute Smartphones zu einem vernünftigen Preis mit einem offenen Betriebssystem – aus unserer Sicht liegt hier das Potential von Firefox OS. Auch wenn mit iOS, Android, Windows Phone 8 und Blackberry die Konkurrenz sicher stark ist. Gerade im Segment günstiger Smartphones dürfte sich Firefox OS gegenüber seinen Mitbewerbern gut behaupten können. Letztendlich entscheidet der Kunde aber selber, was er möchte. Die Telekom bietet ihm die besten Angebote aus der Vielfalt der Möglichkeiten an.

Was sind die Vorteile von Firefox OS aus Entwicklersicht?
Schmitz:
Firefox OS basiert auf HTML5. Das ist der Programmierstandard überhaupt, mit dem aktuell Webseiten und Webapplikationen erstellt werden. Dadurch wird eine riesige Entwicklergemeinde auf einen Schlag erschlossen. Es sind keine Kenntnisse oder Portierungen von speziellen, proprietären Systemen notwendig. Das Cross-Platform-Development mittels HTML5 ermöglicht einfache Skalierbarkeit und Wiederverwendbarkeit. Mozilla wird von Beginn an einen Marketplace anbieten. In diesem offenen, einfach zugänglichen Marketplace können Entwickler ihre Apps den Kunden kostenlos oder gegen Entgelt anbieten. Bereits heute befinden sich im Mozilla Marketplace in einer Beta-Phase zahlreiche Apps wie beispielsweise Twitter oder AccuWeather.

Was macht gerade Firefox OS für Netzanbieter und Gerätehersteller so interessant?
Schmitz:
Für die Telekom als Netzanbieter ist es das Ziel, mehr Wettbewerb im Markt und mehr Auswahl für den Kunden zu generieren. Die Telekom möchte offene Standards und den Wettbewerb zwischen den Ökosystemen fördern. Mozilla Firefox OS tritt auf der einen Seite als Smartphone OS in den Wettbewerb ein, auf der anderen Seite treibt Mozilla als einer der Weltmarktführer im PC-Browser die Standardisierung von HTML5 voran. In dieser Kombination sehen wir großes Potenzial.

Welche Rolle spielt die Deutsche Telekom bei der Markteinführung von Firefox OS?
Schmitz:
Die Deutsche Telekom bringt als erster Mobilfunkanbieter ein Smartphone mit dem neuen Mozilla Betriebssystem Firefox OS auf den europäischen Markt: Im Sommer startet der Vertrieb des Alcatel One Touch Fire in Polen. Weitere Länder in Osteuropa werden 2013 folgen. Darüber hinaus unterstützt die Telekom die Mozilla Entwicklergemeinde durch die Organisation verschiedener Veranstaltungen wie der Mozilla Work Week in Berlin, eines "Hackathons" in Warschau und den App Days in San Francisco.

Mozilla berichtet, Telekom-Entwickler hätten intensiv an den NFC-Qualitäten von Firefox OS mitgearbeitet. Warum ist die NFC-Technik beim Firefox OS für die Telekom so interessant?
Schmitz:
NFC und der Einsatz für mobiles Bezahlen ist ein wichtiges Thema für die Zukunft der mobilen Anwendungen. Speziell in Polen bietet unsere Tochtergesellschaft T-Mobile bereits einen mobilen Bezahldienst auf Basis von NFC an. Seit dem Start des Projekts 2011 beteiligt sich die Telekom an der Entwicklung des neuen Mozilla Betriebssystems für Smartphones. Dabei ist NFC/Payment eines der Themen, für die unsere T-Labs aktiv im Rahmen dieser Forschungs- und Entwicklungskooperation Open Source Contributions beisteuern.

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok