08.05.2015 Orientierungslos im Neuland?

Die interessantesten Vorträge auf der Republica

Von: Ingo Steinhaus

Die Republica ist vorbei und nach der Party ist vor dem Video. Hier eine Auswahl aus den Vorträgen auf der "Re:Publica 15", die Longviews für das Wochenende.

  1. @NeinQuarterly (Eric Jarosinski) stellt seine ironische Denkschule "Utopian Negation" vor, nur echt mit Adornos negativer Dialektik. Und Habermas. Motto: "The more I look for Europe, the less I find it." Highlight: Slavoj Žižek wird als "Josef Stalin" eingeführt. Über den Republica-Slogan "Finding Europe": "Es geht nicht darum, Europa zu finden. Es geht darum, Europa zu erfinden. Oder für eine bestimmte Art von Europa zu kämpfen. Und es gibt eine bestimmte Art von Europa, von der ich mir wünsche, dass Sie sie verwirklichen." (Die Art von Europa, die NEIN möglich macht.)
  2. Die Informatikerin Anna Biselli (netzpolitik.org) beschäftigt sich mit der oft ziemlich ahnungslos wirkenden Kommunikation der Bundesregierung (und anderer staatlicher Stellen) über Internet und Digitales. Oder auch: Orientierungslos im Neuland.
  3. Noch einmal Anna Biselli, diesmal zusammen mit dem Mathematiker und Kryptographie-Experten Rüdiger Weis. Sie geben eine Einschätzung der aktuellen Situation der Kryptographie im Internet.
  4. Ingrid Brodnig vom österreichischen Nachrichtenmagazin Profil beschreibt ihre Erkenntnis, mit faktenbasierten und argumentierenden Artikeln nicht mehr alle Menschen erreichen zu können. Dies ist vor allem ein Problem im Internet, in dem emotionale und spektakuläre Beiträge viel einfacher verbreitet werden und viel mehr Aufmerksamkeit erhalten. Für sie ist das Internet ein Teil des Problems, es kann aber auch ein Teil der Lösung sein. Sie plädiert für neue Ansätze des Umgangs mit Kommentaren, sodass sachliche Diskussionen unterstützt werden.
  5. Frank Rieger vom CCC stellt fest, dass der bisherige Datenschutz lediglich eine Regulierung der Datenerhebung umfasst. Das reicht aber nicht mehr aus. Anwender geben alle möglichen Daten frei, um das Netz überhaupt sinnvoll und produktiv nutzen zu können. Aus diesem Grunde sollte der Datenschutz in Richtung einer Datenverwendungsregulierung weiterentwickelt werden. Eine sehr wichtige Voraussetzung dieses aktualisierten Datenschutzes ist zudem eine Datenverwendungstransparenz. Die Betroffenen, also letztlich alle Bürger, müssen jederzeit genau wissen, wer welche Daten zu welchem Zweck erhoben hat und auf welche Weise er sie nutzt.
  6. Wie ist das eigentlich mit den Urheberrechten im Netz? Leonhard Drobusch über die etwas beknackte Bewilligungskultur im Internet, die dazu führt, das zum Beispiel eine Online-Videothek ein schlechteres Angebot hat als (früher) manche Videothek in der Stadt.
  7. Eine Podiumsdiskussion über die neue, zukünftige Arbeitswelt. Unter anderem erklärt Thorsten Hübschen von Microsoft das neue Arbeits(zeit)konzept des Softwareherstellers.
  8. Julia Kloiber von der Open Knowledge Foundation gibt einen Überblick über aktuelle Tendenzen bei der (digitalen) Transformation des urbanen Raums. Mit dabei: Yannick Haan (Hack your City), Thomas Bartoschek (Uni Münster) und Thorsten Witt (Wissenschaft im Dialog).
  9. Der großartige @beetlebum sowie die ebenso großartigen @lisaneun, @doppeltim und @kroko_dok (Johannes Kretzschmar, Lisa Neun, Tim Gaedke und Jeff Chi) haben auf der Bühne ein elektronisches Comic-Quartett zelebriert - mit Hinweisen auf viele andere großartige Comic-Künstler.
  10. Teenager erklären Unkundigen (also allen Älteren) das Internet, wie es für Teenager ist.
  11. Christine Corbett Moran erläutert die Rolle von Supercomputern in der Astrophysik: Wie man ein Universum baut, das nicht sofort in Bits zerfällt.
  12. Und Alexander Gerst spricht über das Schweben über den irdischen Dingen.

Ein Hinweis zum Schluss: Was nicht im Youtube-Channel ist, findet sich in der Voice Republic. Mit Grüßen von Eric Jarosinski : "Schönen Wochenuntergang."

Bildquelle: re:publica / Gregor Fischer

©2017 Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH