Aber: Die ständige Verfügbarkeit von Informationen und Daten führt dazu, dass eine zunehmend größere Anzahl von Menschen immerzu Gebrauch von dieser Verfügbarkeit macht. Ich will mich da gar nicht ausnehmen. Doch es sollte Grenzen geben, die vor allem von jüngeren Mitmenschen – den sogenannten Digital Natives – häufiger einmal überschritten werden. Auch wenn das Gegenargument ziemlich totschlagend ist: Das ist heute einfach so, das muss man akzeptieren. Früher war auch nicht alles besser undsoweiterundsofort.
Dabei ist es völlig akzeptabel, wenn vor einem Gespräch oder Restaurantbesuch darum gebeten wird, sein Smartphone (Handys hat ja niemand mehr) anlassen zu dürfen, weil man einen wichtigen Anruf erwartet: Die Geburt des Kindes steht an oder ein enger Verwandter wurde gerade operiert und man möchte wissen, dass es gut ausgegangen ist. Inakzeptabel allerdings ist es, wenn während eines Gesprächs oder Restaurantbesuchs ständig „gecheckt“ wird, was im Blog nebenan gepostet wird oder was die Facebook-„Freunde“ in Tokio gerade so machen. Ganz altmodisch gesprochen: Die Umgangsformen werden dadurch nicht gerade besser.
So führt die ständige Erreichbarkeit zu der Sucht, ständig auf dem neuesten Stand sein zu müssen. Es gibt sogar allen Ernstes Apps, die das Mitteilungsbedürfnis des TV-Zuschauers herausfordern, indem er Filmsequenzen und Dialoge in Echtzeit bewerten soll. Das ist ja klasse, dass man jetzt noch nicht einmal vorm Fernseher seine Ruhe hat. Aber da stört es wenigstens niemanden, denn die Teilnehmer an dem Austausch haben es ja nicht anders gewollt. Anders als im Gespräch oder während der Hauptspeise im Restaurant.
Und über die Manieren beim Verfassen von E-Mails wollen wir jetzt gar nicht sprechen. An Anredeformen in Bewerbungsschreiben wie „Hi, ich bin der Martin und will bei Euch arbeiten“ will man sich nicht wirklich gewöhnen.
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