Kommentar von Andreas Graap, Webvideo.com

Die Macht mobiler Videos

Ein Kommentar von Andreas Graap, Kopf hinter Webvideo.com, Autor des Hangouts-On-Air-Handbuchs und Internet-Unternehmer seit 1997

Andreas Graap von Webvideo.com

Im Jahr 2012 haben Videos bereits satte 51 Prozent des mobilen Datenverkehrs ausgemacht, für 2017 werden 66 Prozent vorhergesagt. Bei den Kernnutzern der Youtube-Plattform, der sogenannten Generation C, stieg der Konsum mobiler Videos sogar um 74 Prozent. Im Marketingmix liegt der Anteil des Videogiganten allerdings nur bei sechs Prozent, sodass ein großer Teil seines Potentials bisher noch ungenutzt bleibt. 250 Millionen – also ein Viertel – der Videoaufrufe von Youtube erfolgt über Smartphones. Die Plattform nimmt auch im mobilen Bereich eine Vorreiterrolle ein, wenn es um Videomarketing geht. Seit Herbst letzten Jahres darf Youtube auch auf iOS wieder Werbung schalten. Als rein native iOS-App war es nicht erlaubt, Werbung vor oder in Videos zu schalten – dies war bis dato nur auf Android-Geräten möglich.

Wer im mobilen Videobereich die größte Reichweite erzielen möchte, kommt kaum an Youtube vorbei. Die App stellt dafür Pre-Roll-Anzeigen zur Verfügung: Vor den Videos wird ein Werbespot gezeigt, der sich nach fünf Sekunden abbrechen lässt, wie man es auch von der Desktopversion kennt. Dementsprechend groß ist die Herausforderung, den Nutzern in dieser kurzen Zeit den Clip so schmackhaft zu machen, dass er bis zum Ende angesehen wird. In der mobilen Version ist es schwieriger, den Call to Action unterzubringen, da Anmerkungen nicht funktionieren. Der Markenname und/oder die Webseite sollten also prägnant in der Anzeige auftauchen.

Das Manko fehlender Calls to Action in den Youtube-Anzeigen gleichen andere Anbieter mit ihren Dienstleistungen aus. Bei den Firmen Mobfox oder Millenial Media können beispielsweise Videoanzeigen erstellt werden, in die sich klare Calls to Action in Form von Buttons integrieren lassen. Allerdings muss man sich hierbei mit geringeren Reichweiten begnügen. Die Formate selbst sind aber für mobile Endgeräte optimiert und die Kampagnen genau auf die Zielgruppe zugeschnitten. Millenial Media Videos können sogar mit Live-Tickern und weiteren Optionen angereichert werden, um ergänzend zur Video-Anzeige weiteren relevanten und aktuellen Content für unterwegs anzubieten. Dies trägt dazu bei, die Aufmerksamkeit der mobilen Nutzer auf ein Video zu lenken. Verglichen mit Youtube sind bei diesen Unternehmen hohe Anzeigenpreise, bedingt durch ihre relativ kleinen Marktanteile, an der Tagesordnung. Sollte Youtube zukünftig in Erwägung ziehen, ein ausgereiftes mobiles Werbeprogramm aufzulegen, könnte es für die Konkurrenten eng werden.

Wer über die gewöhnlichen Video-Anzeigen hinaus weitere mobile Video-Marketing-Tools nutzen möchte, sollte einen Blick auf die Twitter-App Vine werfen. Mit ihr kann man sechssekündige Videos erstellen. Diese Zeitknappheit lässt sich jedoch durch Kreativität ausgleichen. Positiv ist, dass die sechs Sekunden komplett angesehen werden. Zudem sind Vines gut teilbar, weil sie die Geduld nicht auf die Probe stellen, sondern sofort auf den Punkt kommen. Große Firmen wie Virgin Mobile machen es vor und zeigen, wie sie durch Kooperationen mit Vine-Nutzern ihre Marke stärken. Der amerikanische Keksfabrikant Oreo produziert selbst die kleinen Videos und schafft es in nur sechs Sekunden eine Anleitung zu geben, wie man mit einem Keks seinem Eis die richtige „Würze“ verleiht. Vine ist in Deutschland allerdings noch nicht so stark verbreitet, sodass das Teilen der App über Facebook Werbetreibenden eher entgegenkommen dürfte.

Dank der rasanten Verbreitung von Smartphones und günstiger Datenflats wird die Wiedergabe von Videos auf Mobilgeräten weiter steigen. Für Werbetreibende eine optimale Chance, neue Zielgruppen zu erschließen, die sie aber, aufgrund der geringen Zuschaueraufmerksamkeit für Werbespots und hohen Ansprüche an derartige Formate, vor eine große kreative Herausforderung stellt. Calls to Action sind nach wie vor schwierig einzubauen, auch wenn einige Filmen bereits an entsprechenden Lösungen werkeln.

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