Unter dem Radar des Big Business

Die Minifabrik auf dem Schreibtisch

Die Digitalisierung von Gesellschaft und Wirtschaft schreitet voran. Sie erreicht nun auch die Herstellung von Dingen: Desktop Manufacturing ist das neue Stichwort.

Ein Thema sorgt schon seit einigen Jahren bei DIY-Enthusiasten für Aufregung: 3D-Drucker und andere digitale Kleingeräte. Der Hype darum beruht auf einem einfachen Versprechen: Jeder kann mitmachen, jeder kann Dinge selbst herstellen. Die Fabrik auf dem Desktop, Desktop Manufacturing, so lauten die Schlagworte.

Einen Computerveteranen erinnert dies stark an die Aufregung um Desktop-Publishing, die Mitte der Achtzigerjahre mit dem Erscheinen des Macintosh begann. Die Versprechen klangen ähnlich. Die Propagandisten des Themas wurden nicht müde zu betonen, dass jetzt jeder seine Visitenkarten, Einladungskarten und sogar Druckwerke selbst gestalten könne.

Große Unternehmen bleiben skeptisch

Die Wahrheit ist: Auch mit Computerhilfe gehört noch sehr viel Know-how und kreatives Talent dazu, brauchbare Layouts zu gestalten. So ähnlich wird es auch mit der so genannten Maker-Szene sein, wie die neue, digitalisierte DIY-Bewegung genannt wird.

Der Umgang mit den Geräten ist nicht so einfach. Außerdem muss ein guter Entwurf her und die entsprechenden Fähigkeiten zu seiner Gestaltung sind auch unerlässlich. Trotzdem entwickelt sich die Szene in Riesenschritten und es kommen immer mehr 3D-Drucker sowie andere Geräte für die Heimwerkstatt auf den Markt.

Mit MakerBot und seinem Replicator hat die Szene auch das erste Vorzeige-Unternehmen. Doch trotzdem sind große Firmen noch skeptisch, den Markt der Hobbyisten zu bedienen. So findet das meiste unterhalb des Radars von Big Business statt.

Es gibt viele Plattformen, auf denen Entwürfe für 3D-Objekte kostenlos mit anderen geteilt werden, zahlreiche der Geräte sind Open Hardware und eine typische Form der Kapitalbeschaffung das Crowdfunding. So finden sich zurzeit auf Kickstarter vier sehr interessante Projekte, die zusammen eine moderne Komplettausstattung für die Kellerwerkstatt ergeben.

The Micro: Ein kostengünstiger Home-3D-Drucker

3D-Drucker und die Maker-Bewegung sorgen immer noch für enormes Aufsehen: Der kleine Desktop-3D-Drucker "The Micro" hat nach gut einem Tag bereits eine Million Dollar eingesammelt und steht am Ende des Fundings bei weit über drei Millionen Dollar.

Der Hersteller verfolgt das Ziel, einen möglichst kostengünstigen 3D-Drucker für Privatkunden anzubieten. Der Endpreis liegt bei 300 Dollar und als Lieferdatum ist August dieses Jahres angegeben. Dafür muss der Nutzer allerdings einige Einschränkungen in Kauf nehmen.

Der Micro ist relativ klein und kann nur Objekte mit einer Maximalgröße von knapp 11 x 11 x 11 cm ausgeben. Außerdem ist er wegen des Verzichts auf Metallteile sehr leicht (1 kg). Er nutzt das bewährte FDM-Verfahren (Fused Deposition Modeling), bei dem das Druckobjekt aus geschmolzenen Kunststoffschnüren schichtweise aufgebaut wird.

X-Winder: Karbonfasern zu Röhren verarbeiten

"Filament Winding" ist ein Verfahren, das wohl kaum jemand in einem Haushalt erwarten würde. Dabei werden Fasern zum Beispiel aus Karbon oder Kevlar mithilfe eines flüssigen Trägerstoffs auf einen Rotationskörper aufgetragen und in Lagen aufgewickelt.

Damit werden beispielsweise zylindrische Bauteile erzeugt, die als "Skelett" für größere Objekte dienen können. So entstehen extrem stabile und bruchsichere Röhren, mit denen sich auch stark belastbare Objekte produzieren lassen - zum Beispiel Rahmen für Rennräder.

Der X-Winder ist ein „Desktop-Gerät“ für Röhren mit Durchmessern von drei und acht Zoll. Bei der Funding-Kampagne auf Kickstarter geht es um eine verbesserte Version. Das Gerät ist ein Bausatz und kostet zwischen 400 und 1200 Dollar. Für den günstigsten Preis gibt es nur Bauplan, Software und Steuerelektronik, alles andere muss selbst beschafft werden.

Mr. Beam: Der Lasercutter schneidet und graviert

Ein zweites Wunschgerät für jeden echten Maker ist ein Lasercutter. Das sind normalerweise extrem teure Industriemaschinen. Ein junges Münchner Unternehmen will nun einen kostengünstigen Desktop-Lasercutter für Papier, Pappe, Filz, Schaumgummi oder Leder auf den Markt bringen. Das Gerät heißt Mr. Beam und kann Material schneiden, aber auhc Gravuren darauf anbringen.

Es wird in zwei verschieden großen Varianten als Bausatz geliefert. Die kleine Version verarbeitet Material bis etwa zur Größe A4 und kostet 550 Dollar, die große Version gibt es für 700 Dollar und ist für Formate bis A2 (42 x 59,4 cm) geeignet. Hier gilt wieder wie bei den anderen Geräten: Sie zeigen verblüffende Leistungen, eignen sich aber eher für die Herstellung von Prototypen, Einzelstücken oder Kleinstauflagen.

MagicBox: Objekte aus dem 3D-Drucker polieren

Der übliche Werkstoff für 3D-Drucker ist ABS, ein sehr haltbares Polymer, aus dem zum Beispiel auch Lego-Steine bestehen. Es hat jedoch einen Nachteil: Die ABS-Objekte sehen stumpf aus, wenn sie frisch aus dem Drucker kommen. Wer Wert auf Ästhetik liegt, muss sie also polieren oder lackieren.

In der Industrie wird üblicherweise mit dem gesundheitsschädlichen Aceton poliert - entweder im Bad oder mit Dampf. Es weicht die äußere Schicht des ABS-Objekts ein wenig auf und sorgt dadurch für eine glatte Oberfläche. Das Objekt sieht nach dem Trocknen wie poliert aus.

Das Kickstarter-Projekt MagicBox dreht sich um einen Aceton-Finisher, ein geschlossener Kasten mit Abluftsystem. Das Gerät bedampft die Oberfläche eines Objekts in seinem Inneren mit Aceton. Die Größe der Dampfkammer ist 25 x 25 x 20 cm. Neben ABS verarbeitet der Finisher auch PLA (Polyester-Varianten), erzeugt hier aber wegen der schwächeren Reaktion des Stoffs auf Aceton deutlich weniger poliert wirkende Oberflächen.

Bildquelle: Andy Culpin / freeimages.com

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