„Die Größe des Displays wird immer bedeutender, denn die Funktionen von Tablets und Smartphones verschmelzen zunehmend”, betont Ralf Gerbershagen, Vice President und General Manager Europe von Motorola Mobility Deutschland.
Diese beiden Devices bescherten Motorola ein laut eigener Aussage sehr erfolgreiches viertes Quartal 2012. Ralf Gerbershagen, General Manager bei Motorola Mobility, hofft, dass es 2013 ähnlich weitergeht.
Herr Gerbershagen, wie stellt sich der Markt für mobile Endgeräte aus Ihrer Sicht derzeit dar?
Ralf Gerbershagen: Der Boom bei Smartphones nimmt kein Ende. Der Bitkom meldete Mitte letzten Jahres, dass bis Ende dieses Jahres 23 Millionen Smartphones verkauft werden sollten. Dies bedeutet eine Steigerung von 43 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Nachfrage nach herkömmlichen Handys sinkt demgegenüber. Damit sehen die Prognosen für den Verkauf von Smartphones auch für die folgenden Jahre glänzend aus.
Auf welche Funktionalitäten haben Sie bei der Entwicklung des neuen Motorola-Flagschiffs, des RAZR i, besonderen Wert gelegt?
Gerbershagen: Das Motorola RAZR i ist das erste Smartphone mit Intel Inside. Wir haben herausgefunden, dass Smartphone-Nutzer vor allem leistungsstarke Geräte suchen. Creditplus hat erst kürzlich eine Studie veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass fast die Hälfte aller Befragten großen Wert auf eine lange Akkulaufzeit legt – übrigens, die wichtigste Eigenschaft für die Befragten. Ich persönlich finde auch, dass es nichts Unangenehmeres gibt, als dass das Smartphone ohne Warnung den Geist aufgibt, während man unterwegs ist. Daher haben wir mit dem im RAZR i verbauten Intel-Prozessor eine Lösung gefunden, ein Smartphone zu entwickeln, das neben einer längeren Akkuleistung gleichzeitig auch sehr schnell ist.
Darüber hinaus wird die Größe des Displays immer bedeutender, denn die Funktionen von Tablets und Smartphones verschmelzen zunehmend. Deshalb besitzt das RAZR i ein großes, hochauflösendes und nahezu randloses Display.
Inwieweit konnten Sie dabei die Anforderungen der Endnutzer berücksichtigen?
Gerbershagen: Die von Creditplus durchgeführte Umfrage hat bestätigt, dass wir genau die richtigen Smartphone-Eigenschaften in den Fokus gerückt haben. Sie hat nicht nur gezeigt, dass die Akkuleistung wichtig ist, sondern auch der Preis eine entscheidende Rolle bei der Kaufentscheidung spielt. Mit dem RAZR i bieten wir ein sehr gutes Smartphone zu einem Mittelklasse-Preis an.
Wie wichtig ist der Lifestylefaktor für die Nutzer mobiler Devices?
Gerbershagen: Mobile Endgeräte sind nach wie vor Statussymbole. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Smartphones zum Lifestyle dazugehören. Sie müssen gut aussehen und den Style des Nutzers widerspiegeln. Schließlich werden sie in allen Situationen des Lebens eingesetzt: So müssen sie als Kamera eine ebenso gute Figur machen wie als MP3-Player oder als Accessoire auf dem Tisch im Café.
Den Akku kann man nicht selbst tauschen – könnte das Probleme im längerfristigen Unternehmenseinsatz geben?
Gerbershagen: Wir haben diesen Weg bereits im Jahr 2011 mit dem Motorola RAZR eingeschlagen und nur gute Resonanz erhalten. Damit ermöglichen wir schließlich, dass das Smartphone dünn wie nie werden konnte.
Welche Rolle spielt die Technologiepartnerschaft mit Intel?
Gerbershagen: Das Smartphone ist längst zum Computer für unterwegs geworden. Ein leistungsstarker Prozessor ist daher unabdingbar. Intel als Innovationsführer im Bereich Prozessoren bot und bietet Motorola optimale Lösungsansätze für die mobilen Endgeräte unseres Unternehmens. Wir sind als erstes Mobilfunkunternehmen in Deutschland eine Kooperation mit Intel eingegangen und sind sehr glücklich über das Ergebnis.
Gibt es weitere Partnerschaften, beispielsweise mit Anbietern professioneller MDM-Lösungen?
Gerbershagen: Selbstverständlich arbeiten wir in diversen Bereichen mit Partnern zusammen. Im Hinblick auf MDM gehört Three Laws Mobility seit 2011 zu Motorola. MDM-Lösungen haben für uns als Unternehmen eine besondere Bedeutung und sind ein wichtiger Teil unserer Forschung.
Wo steht das Betriebssystem Android auf seinem Weg, eine ernsthafte Alternative im Unternehmenseinsatz zu werden?
Gerbershagen: Android ist mittlerweile das am meisten verbreitete Betriebssystem bei Smartphones. So versteht sich von selbst, dass gerade der Bereich der Geschäftskunden sehr wichtig geworden ist. Spätestens mit Android 4.0 hat sich einiges getan – mit der Google Apps Device Policy können etwa Richtlinien durch Administratoren festgelegt werden, wodurch Android-Smartphones mit den Big Playern im Business-Bereich konkurrieren können.
Wie nehmen Hardware-Anbieter und speziell Motorola als Google-Unternehmen Einfluss auf die einheitliche Weiterentwicklung von Android?
Gerbershagen: Motorola gehört noch nicht lang zu Google, somit entwickeln sich Strukturen noch.
In welchem Umfang wird das vielzitierte „Bring your own Device“ in den Unternehmen wirklich betrieben?
Gerbershagen: Der Trend, ein- und dasselbe Smartphone für den beruflichen und privaten Bereich zu nutzen, ist mit Sicherheit erkennbar. Die Mitarbeiter nutzen private Apps, kümmern sich eigenständig um die Instandhaltung ihres Gerätes und sind auch in der Freizeit erreichbar.
Eine letzte persönliche Frage: Worauf könnten Sie eher verzichten – auf Ihr Auto oder Ihr Smartphone?
Gerbershagen: Wenn ich wählen müsste, dann verzichte ich aufs Auto. Denn erstens hat meine Frau auch eins – und sie erreiche ich über mein RAZR i. Zweitens fahre ich eh’ lieber Harley.
Im Januar 2007 wurde Ralf Gerbershagen zum Vorsitzenden der Geschäftsführung der Motorola GmbH berufen. Als Vice President und General Manager Europe von Motorola Mobility Deutschland betreut er seit Mai 2009 zusätzlich die Geschäftsaktivitäten des Mobiltelefonbereichs in Westeuropa.
Vor seiner Tätigkeit in der Geschäftsführung leitete Gerbershagen u.a. den Geschäftsbereich Mobiltelefone für Zentral- und Osteuropa.
Zuvor absolvierte er erfolgreich sein Studium in Elektronik und Computerwissenschaften an der FH Bingen. Seine Freizeit verbringt Ralf Gerbershagen am liebsten bei Touren auf seinem Motorrad.