Mobile BI-Applikationen schaffen Überblick

Die richtigen Info-Häppchen

Wie verlief das letzte Quartal? Welches Regionalteam generierte die höchsten Umsätze? Welche Produkte erwiesen sich als absolute Verkaufsschlager und welche als Ladenhüter? Wohl dem Manager, der die Antworten darauf jederzeit und überall auf der Welt dem kleinen Display seines Endgeräts entnehmen kann. Möglich machen dies mobile Business-Intelligence-Applikationen (BI).

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Ist das eingangs beschriebene Szenario noch reines Wunschdenken oder bereits gelebte Realität? Schenkt man den Anbietern Glauben existiert unter den Verantwortlichen eine rege Nachfrage, was diese sogleich mit anschaulichen Referenzprojekten untermauern. So gewann jüngst SAP einen weiteren Großkunden für die eigene mobile BI-Lösung: „Mitte Juni 2012 geht Ferrero mit einer mobilen BI-App live. Dieses Projekt werden wir voraussichtlich Mitte Mai auf der Anwenderkonferenz Sapphire in Orlando vorstellen“, berichtet Martin Rückert, Solution Expert Enterprise Mobility bei SAP. Desweiteren verweist Dr. Stefan Jensen, Director Presales DACH bei Qliktech, auf aktuelle Projekte: „Fast alle unserer Kunden analysieren ihre Daten nicht mehr nur am PC sondern auch auf Smartphones, Tablets und Co., etwa der Dämmstoffhersteller Kaimann oder das Zoofachgeschäft Kölle Zoo.“ Ein typisches Einsatzszenario für die Nutzung der mobilen Lösung des Herstellers lässt sich bei einem Fertigungsunternehmen finden. Hier ist ein Außendienstmitarbeiter regelmäßig bei seinen Kunden vor Ort. „Mit dem iPad kann er die aktuellen Bestände sehen und neue Bestellungen direkt neben dem Kunden in Auftrag geben. Dies spart viel Zeit“, erklärt Stefan Jensen.

Jochen Glaser, Vice President Central und Eastern Europe bei Mellmo, hat ebenfalls mehrere Praxisbeispiele in petto. Im Rahmen eines Reportingprojekts für das Executive-Management war die Siemens Financial Services GmbH auf der Suche nach einer Lösung, die Daten, Informationen und KPIs zielgerichtet auf mobilen Endgeräten konsolidiert, aufbereitet und kompakt zur Verfügung stellt. „Dabei wurden Daten aus Backendsystemen wie Microsoft und SAP genutzt, die zur Bankensteuerung der Geschäftsführung verwendet werden sollte. Das Projekt wurde mithilfe unseres Partners B.telligent und der Softwarelösung RoamBI Enterprise Server ES4 umgesetzt“, beschreibt Glaser den Projektverlauf. Die Siemens Financial Services GmbH ist ein Anbieter von Finanzlösungen für B2B-Kunden. Mit rund 2.000 Mitarbeitern und einem internationalen Netzwerk von Finanzgesellschaften ist man sowohl für Siemens als auch für andere Unternehmen tätig.

Doch damit nicht genug verweist Glaser auf ein Projekt bei der Dow Corning GmbH. Der Chemiespezialist zählt zu den führenden Unternehmen für Technologie auf Siliziumbasis und liefert für über 25.000 Kunden weltweit mehr als 7.000 Produkte und Dienstleistungen. Das Sortiment umfasst u.a. silikonbasierte Dichtmassen, Kleber, pharmazeutische- und insbesondere dermatologische Anwendungen, Flüssigsilikone und Silikonwachse. Im Rahmen eines Projektes mit Apple-Endgeräten galt das Ziel, Vertriebs-, Finanz- und operative Daten auf mobilen Endgeräten zur Verfügung zu stellen. Dabei wurde vor allem auf die Konsolidierung weltweiter Daten und globaler Vernetzung zwischen Kunden und Partnern Wert gelegt. Laut Jochen Glaser mit folgendem Ergebnis: „Mit RoamBI Visualizer können die Dow-Corning-Managementbereiche schnell auf die Daten zugreifen und diese in Echtzeit analysieren. Dies funktioniert auf Basis der Daten aus dem SAP-System mittels iPhone und inkludiert Vertriebszahlen, Trends und Projektionen.“

App oder Browserversion?

Vor dem Vergnügen kommt die Arbeit: Bevor die Verantwortlichen ihren Managern mobile Analyse- und Reportingfunktionen an die Hand geben, sollten sie überlegen, welche Art der Bereitstellung bevorzugt wird: Klassische App oder mobile Browserversion? In der Regel bieten die BI-Hersteller beide Alternativen an, wobei sich in Zukunft wohl die App-Variante durchsetzen wird. „Eine native App bietet zahlreiche Vorteile“, betont Matthias Krämer, Chief Technology Officer (CTO) bei der Jedox AG in Freiburg. „Beliebig viele Plug-ins lassen sich integrieren, etwa Mailprogramm oder Adressbuch. Gerade für das Ad-hoc-Reporting bietet die App zudem größtmögliche Flexibilität, da man grafisch den jeweiligen Besonderheiten des Endgerätes gerecht werden kann.“

Monika Düsterhöft, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Cubeware GmbH in Rosenheim, sieht dies genauso. Ihrer Ansicht nach bietet sich der Einsatz einer App vor allem dann an, wenn häufig genutzte Funktionalitäten zur Verfügung gestellt werden sollen. „Apps bieten hierfür eine umfassende Palette an Integrations-, Visualisierungs- und Navigationsmöglichkeiten“, sagt Düsterhöft. Für eine mobile Browser-Oberfläche sollte man sich hingegen entscheiden, so Martin Rückert, wenn der angesprochene Nutzer ein eher sporadisches bzw. unregelmäßiges Bedürfnis nach den angebotenen Informationen hat.

Hat man eine Wahl zugunsten einer App getroffen sollte im nächsten Schritt deren Offline-Fähigkeit gesetzt sein. Bei der nativen App von Jedox kann sich der Nutzer auf Wunsch jeden Navigationspfad auch offline anzeigen lassen. „Bestehende Pfade zu bestimmten Reports lassen sich so auch im Flugzeug oder im Ausland durchspielen, ohne in die Roaming-Kostenfalle zu geraten. Darüber hinaus seien diese Offline-Daten gesichert. Im Klartext: „Die einmal betretenen Pfade dürfen nur nach Authentifizierung wieder betreten werden und sind zudem verschlüsselt hinterlegt“, so Krämer.

Bloß nicht überfrachten

Bei der Auswahl der mobilen BI-Lösungen gilt es, ein großes Augenmerk auf Benutzerfreundlichkeit und einfache Bedienbarkeit, zu legen. „Hier hilft es, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und die abgebildeten Information nicht zu überfrachten“, rät Hinrich Stürken, Leitung Marketing/Sales bei der Reporta Controllingsysteme AG in Hamburg. Ausführliche Detailansichten könnten durch einfache und intuitiv zu bedienende Menüführungen bzw. Klicks auf die betreffenden Werte erreicht werden.

Jochen Glaser von Mellmo bringt diese Vorgaben auf den Punkt: „Es sollte Spaß machen, die Applikation zu benutzen. Das Design sollte ergonomisch und klar sein“. Sehr wichtig sei außerdem die Performance der Applikation, denn jede Millisekunde Verzögerung enttäusche den Endbenutzer und mindere somit das Nutzererlebnis. Hierzu bemerkt Matthias Krämer: „Eine mögliche Hürde stellt dabei die niedrige Geschwindigkeit des vorhandenen Netzes dar.“ Denn nicht überall stünden UMTS, geschweige denn neue LTE-Technologie zur Verfügung.

Um eine möglichst breite Analysebasis zur Verfügung zu stellen, sollten zudem keine Restriktionen hinsichtlich der verwendeten Datenquellen bestehen. „Arbeitet man etwa im Vertrieb, sind sogar externe Quellen wie Social-Media-Kanäle wichtig, um aussagekräftige Informationen über Kunden von unterwegs aus abfragen zu können“, erklärt Martin Rückert von SAP. Zu signifikanten Verbesserungen in der Performance führen spaltenbasierte Datenbanken. Denn hier werden bei Abfragen nicht ganze Datensätze gelesen, sondern laut Rückert einzelne Merkmale ganz gezielt spaltenweise abgefragt.

Wie bei der grafischen Darstellung gilt auch hinsichtlich der Funktionspalette: Eine mobile BI-Lösung darf nicht überfrachtet sein, muss aber dennoch alle wichtigen Features beinhalten. Einige Details sollten jedoch nicht fehlen, wie Monika Düsterhöft erklärt: „Die App sollte Möglichkeiten zur Weiterverarbeitung und Collaboration bereithalten. Zu denken ist dabei sowohl an Export-Features wie Drucken oder das Versenden von E-Mails als auch das Einbeziehen von Chat-Funktionalitäten.“ Ein weiterer essentieller Punkt ist, dass die BI-Lösung plattformübergreifend ist.

Grundsätzlich unterscheidet sich eine mobile Lösung in so mancher Ansicht von den mächtigen, in der Unternehmens-IT eingesetzten BI-Systemen. Dieser Unterschied liegt in der Natur der Sache. „Die Mobilversion dient schwerpunktmäßig dem Konsumieren und Weitergeben von Informationen. Das Modellieren und Schaffen einer analysefähigen Datenbasis sowie das Bauen und die Bereitstellung von Reports hingegen sind kein sinnvoller Teil einer Mobilversion“, meint Monika Düsterhöft. Ebenso sieht Matthias Krämer die Erstellung von Reports und das Modellieren von ETL-Prozessen nicht als Bestandteil mobiler Business Intelligence. „Die Datenerfassung gehört hingegen schon dazu, weshalb unsere App damit auch den Planungs- und Budgetierungsprozess unterstützt“, berichtet Krämer.

Vorsicht! Datenschutz!

Wie bei jeder mobilen Lösung spielt der Sicherheitsaspekt eine große Rolle. „Unternehmensdaten sind ein sensibles und wertvolles Gut. Deshalb arbeiten wir generell mit verschlüsselten Https-Verbindungen“, erklärt Matthias Krämer von Jedox. Darüber hinaus gelte für Smartphone oder Tablet dasselbe wie für Firmen-Notebooks: Virensoftware und die Verschlüsselung mit Passwörtern sind ein Muss.

Nicht zuletzt ergänzt Hinrich Stürken von Reporta hinsichtlich der Einhaltung von Datenschutzbestimmungen: „Fast jedes Land hat andere Datenschutzbestimmungen. Von daher sollte der Einsatz von BI-Apps früh evaluiert und gegebenenfalls unterbunden werden, sofern die Daten bei einer notwendigen lokalen Speicherung auf dem Endgerät nicht verschlüsselt vorliegen.“

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