„M2M-SIM-Karten bieten gegenüber handelsüblichen SIMs eine höhere Verfügbarkeit und Stabilität“, sagt Michael Nickolai, Geschäftsführer der M2M Germany GmbH.
Herr Nickolai, inwiefern ist das Thema „M2M-Kommunikation“ bereits in den Unternehmen angekommen? Wie ist der Stand der Dinge?
Michael Nickolai: Das Thema „M2M“ befindet sich noch in einer frühen Phase und ist in vielen Unternehmen deshalb noch nicht angekommen. Wir sehen zurzeit sozusagen nur die Spitze des Eisberges. Zum Teil gibt es gefährliches Halbwissen. Dies sehen wir auch als Herausforderung, Unternehmen bei ihren Überlegungen, M2M einzuführen, beratend bei dieser Aufgabenstellung zu unterstützen. Es gilt vor allen Dingen, Nutzen und Mehrwert klar herauszuarbeiten.
Für welche Branchen bzw. Unternehmensbereiche ist M2M besonders interessant/relevant und warum?
Nickolai: M2M ist nicht auf einige wenige Branchen zu reduzieren. M2M wird überall dort benötigt, wo es gilt, Prozesse zu erfassen und Transparenz zu schaffen. Anwendungsbereiche finden sich im Transport- und Logistikumfeld, im Handel (am POS), in der Medizin (Stichwort Telemedizin), der Gebäude- und Industrieautomatisierung, der Energieversorgung (Smart Grid, Smart Metering, Smart Home), im Maschinen- und Anlagenbau, in Sicherheitsanwendungen und viele anderen Bereichen mehr.
Welche Anforderungen müssen die Unternehmen erfüllen, um auf M2M setzen zu können?
Nickolai: Mit M2M betreten wir ein neues Zeitalter in der Automatisierung und Industrialisierung. Unternehmen, die sich für diese „neue“ Technik entscheiden, müssen mit Visionen von dem, was alles noch möglich sein kann, inspiriert sein – für M2M gibt es jetzt schon zahllose Anwendungsmöglichkeiten und die Zukunft wird noch etliche hervorbringen. Wer M2M nutzen will, muss einfach offen sein für die Zukunft und auch bereits sein, darin zu investieren.
Mit welchem Aufwand (zeitlich, personell, kostentechnisch) sind M2M-Projekte verbunden?
Nickolai: Dies richtet sich nach der Integrations- und Wertschöpfungstiefe. Ob ich z.B. ein „Wireless-Modul“ in meine Elektronik/Steuerung etc. integriere (Embedded-Modul) oder ob ich beispielweise eine Ebene darüber ein Terminal/Modem oder Router von der „Stange“ einsetze: Hier ist alles von wenigen Tagen bis zu 12 bis 18 Monaten möglich und lässt sich daher nicht pauschalieren. Die Kosten sind dementsprechend auch nicht zu pauschalisieren.
Wie können die Unternehmen die Kosten im Blick behalten, wenn die Kommunikation der Geräte/Maschinen/Automaten etc. über das Internet bzw. das Mobilfunknetz läuft – teilweise auch über Ländergrenzen hinweg? Welche Tarifmodelle sind im M2M-Bereich üblich?
Nickolai: Hier gilt es, intelligente, sichere und dabei kostengünstige Lösungen zu kreieren. Eine SIM-Management-Plattform (Administration, Monitoring, Berichte, Online Billing) hilft bei der Verwaltung und liefert einen Überblick über den gesamten SIM-Bestand. SIM-Karten können nach Bedarf selbst freigeschaltet (aktiviert) oder abgeschaltet (gesperrt) werden. Die Mobilfunkverbindung läuft über einen privaten APN und die Daten werden getunnelt. Dadurch ist eine hohe Verfügbarkeit, die Authentifizierung und die Datenintegrität gesichert (Stichwort Prism!). Auch SIM-Pooling kann hier helfen, die Kosten im Griff zu halten. Die Tarifmodelle müssen sich dabei an den entsprechenden Anforderungen ausrichten.
Wie unterscheiden sich M2M-SIM-Karten von den „normalen“ SIM-Karten?
Nickolai: M2M-SIM-Karten bieten gegenüber handelsüblichen SIMs eine höhere Verfügbarkeit und Stabilität. Sie sind in verschiedenen Formfaktoren verfügbar – Stichwort „Embedded SIM-Chip“. Es gibt aber auch spezielle M2M-SIM-Karten im bekannten Formfaktor mit einem erweiterten Temperaturbereich, der von -35°C bis + 85°C reicht.
In welchen Bereichen würden sich eher Übertragungstechnologien wie RFID oder Bluetooth eignen?
Nickolai: Wenn es um die Überbrückung von kurzen Distanzen geht und nur begrenzt Energie zur Übertragung zur Verfügung steht. Mit Bluetooth Smart (Bluetooth Low Energy oder Zigbee) lassen sich batteriebetriebene Sensoren oder Aktoren autonom über viele Jahre betreiben. Durch Standardisierung ist auch z.B. mit WLAN, Bluetooth Classic oder Bluetooth Smart eine direkte Interaktion mit Smartphones oder Tablets möglich. Dies gibt dem Markt zusätzlichen Antrieb. Oftmals dienen diese genannten Technologien auch als „Brücke“ bzw. Gateway, um lokal Anlagen zu verbinden und dann über Mobilfunk an das Backoffice, z.B. ein Scada-System, anzubinden.
Was werden Ihrer Meinung nach die nächsten Entwicklungsschritte im Bereich „M2M“ sein?
Nickolai: IoT – das Internet of Things. Durch sinkende Hardwarepreise auf der einen und sinkende Kommunikationskosten auf der anderen Seite werden sich viele neue Business-Cases ergeben.