Die Verbraucherschützer haben zwölf Wearables und 24 Fitness-Apps näher untersucht. Die Mehrzahl dieser Apps sendet – wenig datensparsam – zahlreiche Informationen, wie Gesundheitsdaten, an Anbieter. Nach Ansicht der Marktwächterexperten informiert kaum einer der geprüften Anbieter Verbraucher in seinen Datenschutzerklärungen ausreichend über die genaue Verwendung dieser Daten.
Die Verbraucherzentrale NRW hat folgende neun Anbieter wegen Verstößen gegen Datenschutzbestimmungen abgemahnt: Apple, Garmin, Fitbit, Jawbone, Polar, Runtastic, Striiv, UnderArmour (MyFitnessPal), Withings.
Die Verbraucherschützer wollten in der Untersuchung wissen:
Die Ergebnisse der technischen Prüfung zeigen, eine Kontrolle über die eigenen Daten bei der Wearable- und Fitness-App-Nutzung für Verbraucher kaum möglich sei. Die Mehrzahl der untersuchten Apps sendet zahlreiche, mitunter sensible, Informationen wie Gesundheitsdaten an die Server von Anbietern und bindet darüber hinaus auch Drittanbieter wie beispielsweise Analyse- oder Werbedienste ein. Technische Daten – wie etwa das Betriebssystem des Smartphones – werden bei 16 von 19 Apps bereits an Drittanbieter gesendet, bevor Verbraucher überhaupt den Nutzungsbedingungen zustimmen und über den Umgang mit ihren Daten informiert werden konnten.
Positives Ergebnis der Untersuchung: Alle von den untersuchten Fitness-Apps ausgehenden Daten werden über eine sichere Verbindung (https-transportverschlüsselt) versendet. Aber: Nur wenige der untersuchten Wearables sind vor ungewollter Standortverfolgung (Tracking) geschützt, was das Erstellen von Bewegungsprofilen möglich macht.
Aufgrund ihrer rechtlichen Analyse kommen die Marktwächterexperten zu dem Schluss, dass die geprüften Anbieter Nutzer häufig darüber im Unklaren lassen, was mit den gesammelten Daten passiert:
Wegen dieser und anderer aus Sicht der Verbraucherschützer rechtlicher Verstöße hat das Marktwächter-Team neun Anbieter abgemahnt.
„Verbraucher sorgen sich um ihre online gesammelten Daten. Wir können jetzt sagen ‚zu Recht‘: Anbieter sammeln zahlreiche – zum Teil sensible – Daten und lassen Verbraucher über deren Verwendung häufig im Unklaren. Das wollen wir nicht hinnehmen“, so Ricarda Moll, Referentin der Verbraucherzentrale NRW im Projekt Marktwächter Digitale Welt.
Kai Vogel, Leiter Team Gesundheit und Pflege beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), teilt die Sorge der Verbraucher beim Umgang mit erhobenen Fitnessdaten: „Krankenversicherungstarife, die finanzielle Anreize mit der fortlaufenden, dauerhaften Offenlegungsverpflichtung von Daten verknüpfen, lehnt der vzbv kategorisch ab.“
Die Verbraucherschützer sehen ein hohes Risiko der Entsolidarisierung in diesem Bereich. „Nach aktuellem Prinzip finanzieren die Jungen und Gesunden die Alten und Kranken. Doch sobald eine Kasse genügend Daten besitzt, um jeweils das individuelle Risiko zu berechnen, wird dieses Grundprinzip aufgelöst. Wer krank oder schwach ist, darf dafür nicht bestraft werden“, so Vogel.
Das Ergebnis der repräsentativen Verbraucherbefragung zeigt: Die Mehrheit der Befragten ist besorgt, was den Umgang mit ihren online gesammelten Daten angeht.
LINK: http://www.marktwaechter.de/pressemeldung/wearables-und-fitness-apps-daten-ausser-kontrolle
Untersuchungsmethode:
Bildquelle: Thinkstock / iStock