Welches Kamerakonzept beim Verbraucher zum Einsatz kommt, ist vom jeweiligen Anwendungsszenario abhängig.
Der Verkauf von Digitalkameras ist in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen und war im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2010 nur noch halb so groß. Bei Action-Cams gestaltet sich die Entwicklung genau umgekehrt: Der Absatz legte rasant zu. Laut Statista gingen 2011 in Deutschland lediglich 30.000 Action-Cams über den Ladentisch, 2014 waren es bereits über 500.000 Exemplare.
„Der Siegeszug der Smartphones ist wohl der maßgebende Impuls für die rückläufigen Verkaufszahlen bei den Digitalkameras“, überlegt Thomas Güttler, Geschäftsführer der Rollei GmbH. Die mittlerweile leistungsstarken Kameras in den neueren Generationen der Mobiltelefone, die schnelle und unkomplizierte Verknüpfung mit Social-Media-Plattformen und Messenger-Diensten sowie der Selfie-Trend hätten die klassische Digitalkamera ersetzbar gemacht.
Parallel dazu haben Action-Cams ein neues Marktsegment geschaffen und erlauben Aufnahmen in Situationen, wie es vor einigen Jahren noch nicht möglich war. Ursprünglich in der Surferszene zu Hause, kommen die Kamerawinzlinge mittlerweile in nahezu allen Outdoor- und Action-Sportarten zum Einsatz, etwa beim Skifahren, Klettern, Fallschirmspringen, Mountainbiking oder Rafting. Durch ihre einfache Bedienbarkeit erobern die Kameras zugleich auch breitere Nutzergruppen, weiß Thomas Güttler: „Familien und Kinder sehen zunehmend den Vorteil, Unternehmungen und Erlebnisse mit den unkomplizierten Action-Cams zu bannen.“
Gleiches bestätigt Ulf Schreurs, Marketing-Manager Digital Imaging bei Sony Deutschland: „Neben dem traditionellen Einsatz bei Extremsportarten findet die Action-Cam immer mehr Verwendung im Alltag.“ Beispielsweise könne man den Waldspaziergang mit seinem Vierbeiner aufnehmen und ihn später aus der Hundeperspektive anschauen. Weitere Einsatzgebiete sind etwa der Modellbau für ferngesteuerte Autos, Boote und Flugzeuge sowie Drohnen. „Der Trend ist nicht plötzlich entstanden, sondern hat sich kontinuierlich über die letzten Jahre entwickelt“, bemerkt Michael Langbehn, PR-Manager bei Panasonic.
„Ausschlaggebend war der technische Fortschritt, der es ermöglicht hat, in sehr kompakter Form eine Kamera in guter Qualität zu bauen.“ Dadurch seien die neuen Nutzungsmöglichkeiten entstanden. Parallel dazu habe sich das „Guck-Verhalten“ der Anwender geändert. „Videos werden mehr und mehr im Internet verbreitet oder ausschließlich dafür produziert“, so Langbehn. „Es gibt ganz neue Möglichkeiten, Freunde und Bekannte an seinen Erlebnissen teilhaben zu lassen. Das übt auf viele einen großen Reiz aus.“
Kein direkter Wettbewerb
Einen direkten Wettbewerb zu kompakten Digitalkameras sieht Langbehn allerdings nicht. „Kompaktkameras werden für Fotos gekauft, Action-Cams für Videos.“ Letztere haben universelle Befestigungsmöglichkeiten, um die Hände frei zu haben, während Kompaktkameras die klassischen Familienfotokameras darstellen und im gehobenen Marktsegment auch für kreative Fotografie genutzt werden. „Kompakte Digitalkameras sind nicht nur praktische Begleiter für schnelle Schnappschüsse im Urlaub und Alltag, sondern bieten auch im Taschenformat die technischen Voraussetzungen für brillante Fotos“, ergänzt Ulf Schreurs. Zudem sind Sand, Salzwasser, Hitze und die Gefahr, das Smartphone im Urlaub zu verlieren, Argumente, denen man mit einer vergleichsweise preisgünstigen Digitalkamera gut begegnen kann. „Außerdem besitzen sie häufig einen optischen Zoom und üblicherweise einen eingebauten Blitz“, so Easypix-Produkt-Manager Oliver Badicke, „der den Einsatz auch in Dunkelheit sinnvoll macht.“ Für action-reiche Aufnahmen seien diese Kameras aber oft nicht optimiert.
Und wie schaut es mit einem Kameraeinsatz im Geschäftsalltag aus? „Profis wissen am besten, auf welche Kamera sie bei welchem Auftrag vertrauen“, kommentiert Ulf Schreurs. Neben klassischen Kameras sei hier auch Platz für Kompaktkameras und Action-Cams. „Wenn es darum geht, unbemerkt Fotos zu machen – beispielsweise in der Straßenfotografie – sind Kompaktkameras sehr gefragt.“ Action-Cams haben eher in Stunt-Autos oder bei filmischen Action-Szenen ihren Platz. Interessant ist es hierbei, wenn die Kameras bereits eine 4K-Auflösung für ein noch schärferes Bild bieten.
Letztlich entscheidet das Anwendungsgebiet, welches Kamerakonzept für einen Einsatz am besten geeignet ist. Derjenige, der im Urlaub Wildwasser-Rafting unternimmt oder einen Fallschirmsprung wagt und Fotos in erster Linie nutzt, um sie bei Facebook und Co. hochzuladen, benötigt eine andere Kamera als jemand, der ambitioniert fotografiert und seine Bilder bei Fotowettbewerben einreichen möchte. Das A und O aller Kameramodelle ist die einfache Bedienbarkeit. „Intuitiv sollten sich alle Basisfunktionen erschließen, sodass mit kurzer Anleitung der Einsatz für jedermann möglich ist“, erklärt Thomas Güttler.
Weitere Kriterien sind Bildqualität, manuelle Funktionen, Zoom, Robustheit, Größe, Gewicht und natürlich der Preis. So sollte man vor allem im Bereich der Action-Cams auch darauf achten, welches Zubehör bereits in der Grundausstattung enthalten ist. Denn sonst kann eine vermeintlich günstige Cam schnell ziemlich teuer werden, wenn man jede Halterung extra erwerben muss. Nicht zuletzt spielt die Konnektivität von Kamera zu Smartphone eine wichtige Rolle. Laut Güttler liegt hier die Zukunft der Kameratechnologie. Schon heute seien über WiFi und Bluetooth ansteuerbare Kameras ein nicht zu unterschätzendes Marktsegment. Und mit dem weiteren Vormarsch des Internets und der Social-Media-Plattformen werde diese Funktion ein Muss für Kamerahersteller.
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