11.01.2017 Erfolg im stillen Winkel

E-Commerce-Nischen als Gegentrend zu Amazon

Von: Ingo Steinhaus

Jetzt kommen die Nischen-Shops: Das Startup Ambico ist mit stark spezialisierten E-Commerce erfolgreich.

Eins der größten Missverständnisse im Internet ist die Sache mit den Einhörnern. Es heißt, wer im Internet erfolgreich werden will, der sollte auf Skalierung setzen, um möglichst rasch eine Milliarden-Bewertung zu erreichen. Dass Erfolg auch ein paar Nummern kleiner sein kann, beweist Martin Missfeldt, der Künstler und Betreiber eines Online-Ratgebers zum Thema Brillen und Sehhilfen. Seine Ratgeberseite bringt monatlich vierstellige Umsätze durch Google Adsense und Partnerprogramme von Online-Optikern – was als Zusatzeinkunft ausreichend ist.

Die dahintersteckende Idee ist leicht zu erklären: Mit einer sogenannten Nischenseite können die Betreiber durch Aufrufe via Google Leute anlocken und dann mit Werbung oder Umsatzbeteiligungen bei Verkäufen über einen Link auf der Seite Geld verdienen. Eine Nischenseite ist üblicherweise ein Informationsangebot zu einem stark abgegrenzten Thema wie beispielsweise Zimmergewächshäuser oder antike Puppenstuben. Viele Betreiber von Nischenseiten widmen sich weniger einem Thema, als vielmehr einer Produktgattung - so lässt sich die Seite leichter vermarkten.

Doch wirklich leicht ist das Betreiben einer solchen Website nicht. Der Brillen-Ratgeber von Martin Missfeldt beweist, dass der Aufbau eines derartigen Angebots nicht nebenbei zu schaffen ist. Auf seiner Nischen-Domain finden sich unglaublich viele, zum Teil sehr umfangreiche Artikel zu allen Themen rund um Brillen, Seeschwächen und Augenkrankheiten. Zudem sind sie noch durch zahlreiche selbst angefertigte Illustrationen aufgewertet. Wer also Zeit und Arbeit investiert, kann durchaus im Netz profitieren.

Die Nischenstrategie funktioniert auch im E-Commerce

Die nächste Stufe ist dann ein Nischen-Shop, der sich nur dem Verkauf eines einzelnen, oft bei Google nachgefragten Produktes widmet. Das ist dann allerdings nicht mehr von einer Einzelperson zu stemmen, hier ist die Unternehmensgründung gefragt. Und genau so etwas hat vor einigen Jahren der Gründer Klaus Attenberger mit Ambico unternommen: Das Startup identifiziert E-Commerce-Nischen, etwa im Bereich Garten- oder Wohnaccessoires. Es setzt einen Gegentrend zu Allround-Plattformen wie Amazon und hat damit seit 2014 bereits knapp 5 Millionen Euro umgesetzt worden, fast die Hälfte davon allein 2016.

Im März 2014 startete mit www.pflanzkuebel-direkt.de der erste Online-Shop. Der Shop begann zunächst mit einer kleinen Auswahl an Pflanzgefäßen. Heute ist das Startup in Deutschland einer der Marktführer im Onlinevertrieb von Pflanzgefäßen. Das Sortiment umfasst inzwischen mehr als 3.000 verschiedene Artikel. Aktuell betreibt ambico sieben Nischen-Shops, etwa für Feuerschalen oder Tierhäuser. Kern der Shops sind eigens entworfene Eigenmarken, die es nur bei ambico gibt. Über 95% des Umsatzes wird aktuell so erzeugt.

Das Prinzip ist also so ähnlich wie bei den klassischen Nischenseiten. Für jede Produktgruppe gibt es ein genau maßgeschneidertes Angebot, das auf den allgemeinen Handelsplattformen nicht zu finden ist. Die Nischenstrategie erweist sich dabei auch als Ansatz, um bei den Kunden zu punkten: „Durch den Fokus auf einen abgegrenzten Themenbereich sehen die Kunden die Online-Shops als kompetente Fachhändler, die eine große Auswahl bieten“, sagt Klaus Attenberger.

Nun sollen weitere Nischen besetzt und auch die Internationalisierung vorangetrieben werden. Erste Schritte über Online-Marktplätze wurden in Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien bereits umgesetzt. Dazu greift Attenberger jetzt auf eine Finanzierung über die Crowdinvesting-Plattform Companisto zurück. Immerhin sind in den ersten 24 Stunden der Finanzierung bereits über 30.000 Euro zusammengekommen. Das Unternehmen hofft, zehnmal so viel von den Krautinvestoren zu bekommen. Wie immer handelt es sich hier, trotz des funktionierenden Geschäftsmodells, um ein Hochrisiko-Investment. In einem speziellen Investorenbereich finden sich umfassende Informationen sowie eine Möglichkeit, mit den Unternehmensvertretern direkt zu diskutieren.

Bildquelle: Thinkstock

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