„Eine Herausforderung war es bei der begrenzten Displaygröße eines Blackberry-Gerätes ausreichende Ergonomie der Anwendung zu erreichen“, sagt Dr. Ulrich Metzner von der TÜV Rheinland Service GmbH.
Herr Dr. Metzner, vor welchem Hintergrund haben Sie das Projekt „Mobile Fahrerlaubnisprüfung“ in Angriff genommen?
Dr. Ulrich Metzner: Fahrerlaubnisprüfungen auf Papierbasis sind unflexibel, wenn Änderungen im Prüfplan auftreten. Fällt z.B. ein Proband durch Krankheit aus, ist die Einbindung eines Ersatzkandidaten nur aufwendig über Fax und Telefon möglich.
Prüfungsergebnisse werden erst am Ende des Arbeitstages in das Verwaltungssystem eingegeben. Eine zeitnahe Weiterverarbeitung ist dadurch nicht möglich. Die „Mobile Fahrerlaubnisprüfung“ sollte dazu führen, flexibler agieren zu können und die Produktivität zu erhöhen.
Worauf kam es bei der Entwicklung der Führerschein-App an?
Metzner: Für die App sollte das seit Jahren in unserem Unternehmen etablierte Mobile-Device-Management-System (MDM) „Blackberry“ genutzt werden. Hier bestand ausreichend Know-how und das System hat sich bisher als sehr sicher, zuverlässig und leistungsfähig gezeigt.
Das IT-Beratungsunternehmen EBF GmbH hat bei uns die Fachbetreuung im Bereich „Blackberry“ und konnte mit seinem EBF.Connector ein Werkzeug anbieten, mit dem das Projekt schnell und effizient umsetzbar war. Ein wichtiger Gesichtspunkt war die Zukunftssicherheit, die der Connector bietet. Er ist als Client-Middleware-System auf allen wichtigen mobilen Plattformen verfügbar. Ein Wechsel zwischen Systemen ist somit ohne größeren Aufwand jederzeit möglich.
Inwiefern waren Sie als Anwender an der Entwicklung beteiligt?
Metzner: Mit einer Startversion der Führerschein-App wurde eine Pilotphase mit etwa zehn Prüfern gestartet. Im Laufe von einigen Wochen wurde die App zu einer Produktionsversion optimiert.
Welche Herausforderungen mussten bei der App-Entwicklung gestemmt werden? Welche technischen Probleme gab es zu bewältigen?
Metzner: Eine Herausforderung war es, bei der begrenzten Displaygröße eines Blackberry-Gerätes eine ausreichende Ergonomie der Anwendung zu erreichen. Mehr als 50 Aus- und Eingabefelder wurden in fünf Masken platziert. Dank der flexiblen Masken- und Laufsteuerung des Connectors ist der Aufbau übersichtlich und die Dateneingabe geht den Prüfern leicht von der Hand.
Mit welchem Aufwand war die Entwicklung verbunden?
Metzner: Etwa drei Monate nach Planungsbeginn wurde die Produktion gestartet. Effektiv sind aber nur wenige Mann-Wochen eingeflossen, da das Projekt neben der Tagesarbeit umgesetzt wurde.
Seit wann arbeiten wie viele Prüfer mit der mobilen Lösungen und wie viele Fahrerlaubnisprüfungen werden mit ihr bearbeitet?
Metzner: Die Lösung ist seit 2007 im Einsatz. 170 Prüfer führen mithilfe der App weit über 200.000 Prüfungen durch.
Warum kommt die Lösung gerade auf Blackberry-Geräten zum Einsatz?
Metzner: Zum Startzeitpunkt des Projektes gab es keine wirkliche Alternative zum Blackberry als Enterprise-fähiges MDM-System. In letzter Zeit entwickeln sich auch Produkte anderer Anbieter in eine entsprechende Richtung. Durch die Flexibilität des Connectors haben wir hier alle Möglichkeiten.
Wäre es nicht übersichtlicher, mit einem Tablet zu arbeiten?
Metzner: Alle Geräte und Formfaktoren haben Vor- und Nachteile. Bei Projektstart waren Tablets noch nicht so weit entwickelt wie heute und Notebooks und UMPCs (Ultra-Mobile-PCs) waren unhandlich und hatten eine zu geringe Batterielaufzeit.
Es wird als großer Vorteil empfunden, alle Arbeiten mit einem Gerät zu erledigen: Prüfungen erfassen, Telefonieren, E-Mail, Kalender und Kontakte bearbeiten. Smartlets haben hier für uns hohes Potential.
Die Daten der Probanden werden online auf das Blackberry des Prüfers übertragen und sind dort jederzeit abrufbar. Wie wird hierbei die Sicherheit der Daten garantiert?
Metzner: Die Geräte sind durch ein Kennwort geschützt und verschlüsselt. Die automatische Gerätesperre kann von den Anwendern nicht entfernt werden. Wird das Kennwort mehrfach falsch eingegeben, löscht sich das Gerät vollständig.
Inwiefern können die Prüfer auch offline mit der App arbeiten?
Metzner: Durch die Push- und Speicherfähigkeit des Connectors wirkt die Anwendung so, als wäre sie ständig online. Die Anwender bemerken es kaum, wenn einige Minuten, z.B. durch ein Funkloch, keine Verbindung besteht.
Welche konkreten Vorteile bringt Ihnen die mobile Lösung schlussendlich?
Metzner: Die flexible Verfügbarkeit aktueller Prüfpläne, die Vermeidung von Medienbrüchen und die zeitnahe Datenübertragung ins Verwaltungssystem erhöhen die Effizienz der Prüfabläufe.
Branche: internationaler Dienstleistungskonzern
Gründung: Seit seiner Gründung 1872 hat sich TÜV Rheinland von einer regionalen Prüforganisation zu einem international führenden Prüfdienstleister entwickelt. Heute ist das Unternehmen in 65 Ländern rund um den Globus mit eigenen Gesellschaften aktiv.
Hauptsitz: Köln
Mitarbeiterzahl: 16.000, davon in Deutschland: 6.774 (Stand 2011)
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