Rund 15 Jahre nach der Markteinführung von digitalen Spiegelreflexkameras (SLR), durchläuft die Fotoindustrie die nächste Veränderung: den Wandel hin zur mobilen Fotografie. Dieser nahm seinen Anfang im Jahr 2007 mit der Präsentation des iPhone 2G, das eine Kamera mit einer Auflösung von zwei Millionen Pixeln besaß. Fotografen besaßen damit neue Möglichkeiten, ihrer Leidenschaft nachzugehen. Mit der Veröffentlichung von Apps zur Fotobearbeitung, Features für das iPhone (wie Fisheye-, Breitwinkel-, Makro-Objektiven etc.) und immer leistungsfähigeren Handy-Kameras ist die Lücke zwischen digitalen SLR-Kameras und Smartphone-Kameras heute kleiner als jemals zuvor.
Zunächst waren die Auswirkungen dieser Veränderung vor allem im künstlerischen Bereich spürbar: Die mobile Nutzung von Smartphones erlaubte es den Menschen, Fotos spontan und zu jedem Zeitpunkt zu schießen. Emotionen, Stimmungen und vieles mehr konnten nun einfacher und schneller eingefangen werden. Smartphones werden digitale SLR-Kameras zwar nie ganz ersetzen können. Aber man kann schon sagen, dass sie Spiegelreflexkameras in mancher Hinsicht überlegen sind. Digitale Spiegelreflexkameras sind zumeist schwer und sperrig und dadurch für manch spontanen Schnappschuss zu unhandlich. Smartphones hingegen sind von Natur aus kleiner und kompakter und man kann spontan fotografieren, weil sie immer zur Hand sind. Daher haben sie eine Welt neuer Möglichkeiten eröffnet, in der Profis und Amateure gleichermaßen qualitativ hochwertige Fotos produzieren können.
Fotojournalisten zum Beispiel müssen Ereignisse in der Regel so schnell und genau wie möglich im Bild festhalten, direkt während sie geschehen. Dabei nutzen sie immer häufiger auch Smartphones: von Fotojournalisten wie Ben Khelifa, der die Proteste im Jemen mit seinem iPhone festhielt, über Ben Lowy, dessen iPhone 4S-Fotos auf der Titelseite des Time Magazine erschienen, bis hin zu einer endlosen Liste von Profis, die heutzutage zunächst zum Smartphone greifen, wenn es um visuelle Aufgaben geht. Aber das ist noch nicht alles: Mode- und Kunstfotos, geschossen mit Smartphones, finden zunehmend ihren Weg auf Magazin-Cover und vieles mehr. Der Profifotograf und Kunstexperte Nick Fancher veröffentlichte kürzlich eine Bildstrecke, die komplett mit dem iPhone 4S fotografiert wurde. Für Fotografen haben sich durch moderne Geräte zahlreiche neue Möglichkeiten eröffnet. Während Auflösung und Qualität von Handy-Fotos früher teilweise fragwürdig waren, profitieren Profis und Semi-Profis heute von den neuen modernen Tools und können somit die Fotografie neu definieren. Als Ergebnis beschäftigen sich zahlreiche Blogs, Webseiten und andere Medien mit der neuen fotografischen Kunstform. Und das alles gerade einmal fünf Jahre nach ihrer Entstehung.
Während sich die Veränderung der Fotografie zunächst überwiegend im künstlerischen Bereich vollzog, ist sie jetzt auch in wirtschaftlicher Hinsicht von Bedeutung. Treiber dieser Entwicklung sind Fotografie- und Sharing-Apps, die die Verbreitung von Bildern schneller und einfacher als je zuvor ermöglichen. Die Smartphone-Anwendungen von sozialen Netzwerken wie Instagram, Flickr und Pinterest sind dafür gute Beispiele. Hinzu kommen Microstock-Agenturen, die den kommerziellen Wert von Handy-Fotos durch einfache Prozesse erschließen wollen, die nur wenige Minuten benötigen. Fotografen – professionell oder nicht – bietet sich hierdurch eine zusätzliche Einnahmequelle für ihre qualitativ hochwertigen Smartphone-Fotos. Vorteil für die Anwender: Sie erhalten Zugang zu einer völlig neuen Art von Stock-Fotografie, die stimmungsvoller, spontaner und authentischer als jemals zuvor ist.
Das innovative Produkt birgt allerdings das Risiko, dass die Qualität der Fotos abnehmen könnte. Nichts ist leichter, als Fotos mit einem Smartphone zu machen. Hohe künstlerische Standards zu haben und einzuhalten ist hier also die größte Herausforderung.
Dies alles sind Gründe, warum die Vermählung von Smartphones und Microstock-Agenturen ein notwendiger Schritt in der Evolution der digitalen Fotografie ist. So wie Spotify die Musikindustrie für immer verändert hat, bieten sich nun auch in der Fotografie neue Möglichkeiten, auf Basis von neuen Technologien Geld zu verdienen.
* der Autor ist CEO und Mitgründer von Fotolia
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