12.04.2017 App-Marketing

Eine langfristige Strategie erhöht die Downloadzahlen

Von: Ingo Steinhaus

Viele Apps werden gar nicht heruntergeladen, weil niemand sie findet. App-Entwickler sollten eine langfristige Marketingstrategie einsetzen.

Nur sehr wenige der Millionen Apps in den Appstores von iOS und Android sind wirkliche Selbstläufer. Die Analysten von adjust haben vor einiger Zeit festgestellt, dass mehr als 90 Prozent aller Apps kaum sichtbar sind. Dies liegt daran, dass sie nirgendwo in den Empfehlungslisten und Rankings der jeweiligen Appstores auftauchen. Anders ausgedrückt: Sie müssen ähnlich wie eine Website beworben werden, denn anders finden die Nutzer die entsprechende App nicht.

Die erfolgreichsten Apps sind auch die aus anderen Zusammenhängen bekanntesten Apps, etwa Facebook, Instagram, WhatsApp, Spotify, Netflix oder der DB-Navigator. Sie sind ständig im Gespräch, unter anderem wegen des sehr starken Dienstes im Hintergrund. Da haben es Nischenservices relativ schwer. Ein Beispiel dafür ist Ello. Das soziale Netzwerk hatte 2014 seine sprichwörtliche Viertelstunde der Berühmtheit. Doch der Hype ist ziemlich schnell in sich zusammengefallen.

Inzwischen ist die Ello-App beispielsweise auf Google Play so gut wie unsichtbar. So findet sie sich weder in der 300 Einträge langen Liste der Top-Apps noch bei den beliebten Apps zu sozialen Netzwerken. Lediglich in einer von Google Play aus dem Gesamtangebot zusammengestellten Vorschlagsliste ist die App zu entdecken, irgendwo hinter Platz 50.

Doch immerhin ist die App schon einige zehntausend Mal heruntergeladen worden. Das passiert nicht jeder App: Etwa 60 Prozent aller Apps werden kein einziges Mal heruntergeladen und von den tatsächlich installierten Apps wiederum werden gut 90 Prozent nach einem ersten Test nicht mehr weiterbenutzt. Das liegt nicht an der gelegentlich fragwürdigen Qualität der Apps, selbst gute und sauber entwickelte Apps enden als Appstore-Leiche.

Gutes App-Marketing kostet so viel wie die Entwicklung

„Für eine erfolgreiche App braucht man heutzutage viel mehr als nur gute Programmierer“, erklärt Harald Winkelhofer, CEO der Digitalagentur IQ mobile aus Wien. „Um die App wirklich an den Mann zu bringen, benötigt man auch ein tiefes Verständnis des Marktes. Man muss auf Details im Umfeld der Entwicklung genau achten.“ Denn nach der Fertigstellung der App geht die Arbeit eigentlich erst richtig los. Zudem sollte auch für das Marketing ein ausreichender Etat vorgesehen werden. Erfahrene App-Entwickler gehen davon aus, dass er die gleiche Höhe wie der Entwicklungsetat haben sollte.

Die App-Marketing-Spezialisten von App Radar kennen aus ihrer Praxis einige Maßnahmen, die den Unterschied zwischen Gewinnern und Verlierern ausmachen. So beginnen bei erfolgreichen Apps Werbung und Kommunikation bereits vor dem eigentlichen Start im Appstore. Im Idealfall kann damit Aufmerksamkeit und Spannung erzeugt werden, sodass zahlreiche Anwender der App erwartungsvoll entgegensehen.

Ein kostengünstiges Marketingmittel, das zudem noch der Qualität der App dient, ist ein öffentliches Beta-Programm. Bei einer Beta-Version ist es nicht so schlimm, wenn noch nicht alle Funktionen vorhanden sind oder hundertprozentig funktionieren. Es ist aber eine sehr gute Gelegenheit, Aufmerksamkeit für die App zu erzeugen, Besprechungen in den Medien zu erhalten und Rückmeldungen von Benutzern.

Ein weiterer Beschleuniger für den App-Erfolg ist „App Store Optimization“ (ASO), bei dem Schlagworte, Texte und Überschriften für die Beschreibungen in den Stores optimal auf gängige Stichworte ausgerichtet werden. Dazu gehört auch bezahlte Werbung via Google oder Facebook, die entsprechend durch Schlagworte optimiert wird. Solche Maßnahmen können sehr viel bringen, doch es reicht nicht, lediglich kurz nach Veröffentlichung zu werben. Die Installationszahlen steigen dann zwar, gehen aber oft ebenso schnell wieder zurück.

Die App sollte wie jedes andere Produkt auf dem Markt behandelt werden, eine langfristige Strategie für Kommunikation, aber auch Produktentwicklung ist notwendig. Kontinuierliche Bewerbung und Verbesserung der App halten die Installationszahlen langfristig oben. „Die Nutzer wollen mit regelmäßigen Updates bei der Stange gehalten werden, in denen man die App weiter optimiert und auf die Wünsche und Erfahrungen der User eingeht“, betont Harald Winkelhofer von IQ mobile. „Dieser Prozess sollte auch auf Jahre nach der Entwicklung fortgesetzt werden, um den Endverbraucher langfristig an die App zu binden.“

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