„Die globale Lauffähigkeit und vor allem die weitestgehend einheitliche Code-Basis machen HTML5 zu einer potentiellen Waffe“, betont Thomas Bandt, Geschäftsführer von 69°.
Herr Bandt, wie gestaltet sich das derzeitige Interesse der Unternehmen an der App-Entwicklung auf Basis von HTML5?
Thomas Bandt: Das Interesse kommt bei unseren Kunden derzeit primär aus zwei Richtungen: zum einen von Unternehmen, die Alternativen zu teilweise bestehenden Flash-Applikationen suchen, die ihnen auch den Zutritt zu mobilen Geräten ermöglichen. Zum anderen von Firmen, die möglichst schnell möglichst viele mobile Plattformen erreichen möchten.
Inwieweit unterstützen Sie als Anbieter bereits diese Entwicklung? Und welche Umstellungen waren hierfür in Ihrer Entwicklungsabteilung vonnöten?
Bandt: Wir haben uns bereits Ende 2010 auf die Entwicklung von HTML5-Applikationen fokussiert, seinerzeit beginnend mit einem Produktkonfigurator für einen Onlineshop. Es folgten Corporate Websites, die komplett auf Flash verzichten, mobile Apps für Smartphones und Tablets und inzwischen bieten wir auch die Entwicklung von Facebook-Apps auf Basis von HTML5 an.
Welche Grenzen setzt HTML5 bei der App-Erstellung? Und welche Risiken birgt der Standard?
Bandt: Das Reizvolle an HTML5 ist ja gerade, dass sich plattformübergreifende Anwendungen entwickeln lassen. Leider gibt es hier natürlich Einschränkungen: sowohl in der Kompatibilität mit alten Systemen (am Desktop sei an den Internet Explorer < 9 erinnert) als auch bei der Verfügbarkeit von Hardwareschnittstellen. Und auch bei der Performance ist noch viel zu tun, wenngleich es hier große Fortschritte gibt.
Worin sehen Sie wiederum die Stärken von HTML5?
Bandt: Die globale Lauffähigkeit und vor allem die weitestgehend einheitliche Code-Basis machen HTML5 zu einer potentiellen Waffe. Gerade Unternehmen, die schnell auf Veränderungen reagieren müssen, können sich hier echte Wettbewerbsvorteile verschaffen, wenn beispielsweise ein neues Feature in einer App nicht dreifach implementiert werden muss.
Inwiefern ist auch die Entwicklung nativer Apps auf Basis von HTML5 möglich?
Bandt: Mittels Phonegap, was zuletzt von Adobe übernommen wurde, lassen sich HTML5-Apps in native Apps verwandeln. Technisch bleibt es bei HTML5, was in einem Browser-Control des jeweiligen Gastsystems ausgeführt wird. Jedoch erweitert Phonegap die Möglichkeiten der Anwendung, anders als bei Ausführung im normalen Browser, in dem es Schnittstellen zu hardware- bzw. systemspezifischen Funktionen wie Kamera oder Dateisystem bereitstellt.
Inwieweit könnte HTML5 andere Programmiersprachen bzw. native Apps verdrängen?
Bandt: Bei den großen Playern iOS und Android bin ich skeptisch. Jedoch besitzt HTML5 genügend Potential, um plattformübergreifend auf Nischensystemen zu laufen. So müsste sich einer unserer Kunden, der sich für HTML5 für seine Enterprise-Applikation entschieden hat, keine Gedanken bei Einführung des Ubunto-Phones machen: Denn seine Anwendung würde auch dort sofort laufen.
Wer prüft die Sicherheit der Apps, wenn Sie frei im Netz verfügbar sind?
Bandt: Genauso gut könnten Sie fragen, wer die Sicherheit von Websites überprüft. Denn technisch gesehen, sind HTML5-Apps nichts anderes.
Wie schätzen Sie die zukünftigen Entwicklungen im Bereich HTML5 ein und wie werden wohl Apple und Google darauf reagieren?
Bandt: Apple selbst propagierte ja bei der Einführung des iPhone 2007 HTML5 als das Werkzeug für die App-Erstellung. Verhalten haben sie sich leider völlig anders. So war es bis vor kurzem nicht möglich, über eine Website (bzw. HTML5-App), die in Mobile Safari läuft, eine Datei auf einen Server hochzuladen. Das entsprechende HTML-Control wurde einfach deaktiviert. Das konnte eigentlich kaum andere als politische Gründe haben. Insofern lässt sich schwer sagen, ob und wie Apple und Google reagieren werden – wahrscheinlich sind sie derzeit ob der Limitierungen gegenüber nativen Apps jedoch noch ganz gelassen.