Willi Backhaus, Avanade

Eingeständnisse auf beiden Seiten

Um kaum ein Thema wird derzeit ähnlich viel Getöse gemacht wie um die „Consumerization of IT“. Willi Backhaus, Director Workplace Enablement Services beim IT-Dienstleister Avanade, wo kürzlich eine Studie zum Thema erschien, stellt sich unseren kritischen Fragen.

Willi Backhaus, Avanade

„Die Mitarbeiter werden zulassen müssen, dass die Unternehmen Vorgaben für die Auswahl von Endgeräten machen, bestimmte Software vorschreiben und stichpunktartig auch die Einhaltung der Regeln überwachen, schon allein um bestehenden Compliance-Vorgaben gerecht zu werden. Die Unternehmen ihrerseits werden in Kauf nehmen müssen, dass in diesem Rahmen auch andere Endgeräte und Anwendungen zum Einsatz kommen", ist sich Willi Backhaus, Director Workplace Enablement Services beim IT-Dienstleister Avanade, sicher.

Herr Backhaus, so bequem die Nutzung des eigenen Gerätes für den einzelnen Mitarbeiter auch sein mag, gilt es doch den Datenschutz und die Vertraulichkeit von Geschäftsinformationen zu gewährleisten. Wie soll das gehen, wenn jeder macht, was er will – mit einer Fülle verschiedener Endgeräte und gefühlten 35 Betriebssystemvarianten?
Willi Backhaus:
Völlig richtig, es wird nicht funktionieren, wenn jeder macht, was er will. Beide Seiten werden Eingeständnisse machen müssen. Die Mitarbeiter werden zulassen müssen, dass die Unternehmen Vorgaben für die Auswahl von Endgeräten machen, bestimmte Software vorschreiben und stichpunktartig auch die Einhaltung der Regeln überwachen, schon allein um bestehenden Compliance-Vorgaben gerecht zu werden. Die Unternehmen ihrerseits werden in Kauf nehmen müssen, dass in diesem Rahmen auch andere Endgeräte und Anwendungen zum Einsatz kommen.

In vielen großen Unternehmen zieht alleine das Weiterleiten geschäftlicher E-Mails auf das private Smartphone eine Abmahnung nach sich. Wie treibt man das Thema „Consumerization of IT“
hier voran?
Backhaus:
Dieses Szenario beschreibt doch exemplarisch, warum „CoIT“ im Trend liegt. Die Mitarbeiter leiten ihre geschäftlichen E-Mails doch nicht aus Selbstzweck auf private Smartphones weiter, sondern weil sich ihre Arbeitsweise geändert hat und die geschäftlichen Geräte vielfach dafür nicht geeignet sind. Es werden „Workarounds“ entwickelt, die tendenziell unsicherer sind und in keinster Weise gesteuert werden können.

Es ist viel zielführender, diese Geräte mit in den Fokus des Unternehmens zu nehmen. Immer mehr Unternehmen überprüfen ihre Sicherheitskonzepte für zunehmend mobile Einsatzszenarien. Dabei stehen Zonenmodelle im Mittelpunkt, bei denen Daten gemäß ihrer „Schützenswürdigkeit“ klassifiziert werden. Dürfen Daten nicht auf mobilen Endgeräten gespeichert werden, werden sie beispielsweise nur auf diese Geräte gestreamt. Dies gilt für dienstliche ebenso wie für BYOD-Geräte.

Für jeden IT-Verantwortlichen, für den jahrelang die Standardisierung der IT das Maß aller Dinge war, muss CoIT doch der Albtraum sein?
Backhaus:
Nein, ich glaube nicht, dass CoIT einer Standardisierung entgegensteht, aber das „Objekt“ der Standardisierung verschiebt sich. Es sind nicht mehr die Endgeräte, die „dichtgemacht“ werden wie eine Burgmauer. In Zukunft werden abgestufte Zonen mit Standards versehen. Dabei gilt, dass je weiter man sich durch die Zonen dem Mittelpunkt nähert, umso höhere (Sicherheits-) Standards gelten. Die Standards beziehen sich dann auf Daten, Zugriffsrechte, Transportprotokolle und einiges mehr. In einem solchen Szenario liegen unternehmenskritische Daten nicht mehr auf Endgeräten, so dass auch ein möglicher Verlust der Geräte ein anderes Gewicht bekommt.

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