05.04.2017 Start-up-Bewertungen

Einhorn werden? Weniger als 1:100 Chance!

Von: Ingo Steinhaus

Unternehmen mit Milliarden-Bewertung sind selten: Von 1000 Start-ups schaffen es weniger als zehn.

Die Zahlen sind sagenhaft: Nach der Verkündung von guten Absatzzahlen hat die Tesla-Aktie ein neues Allzeithoch erreicht. Das Unternehmen von Elon Musk hat damit einen Börsenwert von rund 48 Milliarden Dollar, Platz zwei nach GM mit 51 Milliarden Dollar und vor Ford. Damit hat Tesla nach dem Börsengang 2010 eine gewaltige Wegstrecke zurückgelegt. Seinerzeit war das Unternehmen knapp über eine Milliarde Dollar wert - also gerade erst zum Einhorn geworden.

Und um Einhörner scheint sich alles zu drehen in der Start-up-Welt. Der etwas kuriose Name steht für Unternehmen, die mit mindestens einer Milliarde Dollar bewertet werden. Damit ist aber normalerweise nicht der Börsenwert gemeint. Das typische Einhorn-Start-up wird noch von Investoren gehalten und ist weder verkauft noch an der Börse.

Ein oder mehr Hörner sind bei Start-ups gern gesehen, denn wer investiert schon gerne in eine Klitsche. Immerhin 188 Start-ups haben es nach der Zählung der Analysten von CBInsights geschafft und sind Einhörner. Die meisten davon sind in den Vereinigten Staaten, auf Platz zwei liegt China.

Einhörner sind in Deutschland mehr als selten

Für deutsche Einhörner muss man die Lupe nutzen, denn es gibt lediglich vier: HelloFresh, Delivery Hero, CureVac und die Auto1Group. Ähnlich mager sieht es bei den Einhorn-Exits aus: Es gibt nur Rocket Internet, Zalando und Ganymed Pharmaceuticals, die aber nicht zur Gänze Börsenerfolge sind. Die Liste der US-Exits mit Milliardenbewertungen ist dagegen sehr, sehr lang.

Allerdings ist es auch nicht so einfach für ein Start-up, den sehr langen Weg von der Gründung bis zum Einhorn tatsächlich zu schaffen. Auch hierzu gibt es eine interessante Statistik bei CBInsights. Die Analysten haben 1098 Start-ups etwas genauer beobachtet und dabei ihren Weg von der Seed-Phase durch die nächsten Finanzierungsrunden beobachtet.

Dabei hat das Unternehmen nur US-Start-ups in den Blick genommen, die in den Jahren 2008-2010 ihre erste Finanzierungsrunde hatten. Die Statistik wurde dann im Februar 2017 ermittelt. Die harte Wahrheit in einem Satz: Weniger als ein Prozent der Unternehmen wurden zu Einhörnern. Auf dem Weg dahin gab es erhebliche Verluste. Insgesamt nahm die Analysten sechs Finanzierungsrunden gezählt, bei dem die Anzahl der Unternehmen Schritt für Schritt kleiner wurde.

Enorme öffentliche Präsenz für wenige

So hat lediglich etwa die Hälfte der ursprünglichen beobachteten Start-ups eine zweite Finanzierungsrunde geschafft, die anderen mussten schließen oder wurden verkauft. Insgesamt waren Anfang dieses Jahres etwa 70 Prozent aller Unternehmen entweder vom Markt verschwunden oder dümpelten mit schwachen Bewertungen vor sich hin. Etwa 306 Unternehmen legten innerhalb dieser Zeit ein Exit hin, entweder durch Verkauf oder an der Börse.

Nur zehn Unternehmen erreichten eine Milliardenbewertung, darunter einige der bekannten Einhörner wie Uber, Airbnb und Slack. Zehn Exits während dieser Zeit erreichen eine hohe Bewertung von mindestens einer halben Milliarde Dollar, darunter fünf Einhörner wie Nutanix oder Instagram. Diese Daten zeigen deutlich, dass Einhörner auch in der Start-up-Szene eher selten sind.

Es wird zwar unglaublich viel über sie berichtet, aber dabei werden die zahlreichen gescheiterten oder im Kleinen erfolgreichen Start-ups übersehen. Ein Schicksal, dass sie mit mittelständischen Unternehmen teilen - auch hier bewirkt die enorme öffentliche Präsenz der wenigen Konzerne eine mediale Schieflage.

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