25.07.2017 Enterprise Mobility

EMM-Anbieter wollen das Internet der Dinge verwalten

Von: Ingo Steinhaus

Bald soll es Milliarden vernetzte Smart Devices geben. EMM-Anbieter integrieren deshalb IoT-Funktionen in ihre Produkte.

Enterprise Mobility Management ist nicht einfach, viele Unternehmen haben einen enormen Gerätezoo unter Verwaltung. Lediglich iOS ist als geschlossenes System einheitlich, Android dagegen sorgt durch eine enorme Vielfalt an verbreiteten Versionen für Kopfschmerzen. Außerdem gibt es da noch inzwischen ausgestorbene Legacy-Systeme: BlackBerry OS und Windows Phone. Ihr Verbreitungsgrad ist nahe Null, doch es gibt immer noch ein paar Unternehmen, die vor einiger Zeit mal auf die Nische gesetzt haben - in der Hoffnung, dass dort sichere Alternativen zu dem als eher unsicher verrufenen Android wachsen.

Als ob all dies noch nicht kompliziert genug wären, bringt das Internet der Dinge für das Geräte- und App-Management neue Risiken und Anforderungen. So gibt es in den Unternehmen immer mehr Geräte, die mit dem Internet verknüpft sind. Neben Laptops und Hybrid-Notebooks für das Home Offiice haben auch die klassischen Handhelds für Lager, Logistik und Außendienst ihren Platz im Gerätezoo. Und für bestimmte Aufgaben geeignete Smartwatches oder Datenbrillen tauchen in Unternehmen auf, Werkzeugmaschinen werden vernetzt, Industriebetriebe rüsten Sensorik und IoT-Gateways für Condition Monitoring oder Predicitve Maintenance nach.

Dadurch verwandelt sich für die Unternehmen das klassische Gerätmanagement zum Multi-Device-Management. Denn je mehr Geräte im Unternehmen eingesetzt werden, desto wichtiger wird ein umfassender Schutz. Die Situation hat dazu geführt, dass die Anbieter von EMM-Lösungen nun ebenfalls die Verwaltung von IoT-Devices anbieten. Das ist naheliegend, denn Geräte im Internet der Dinge teilen einige Gemeinsamkeiten mit Smartphones und Tablets. Allerdings besitzen sie nur in den seltensten Fällen ein Management-Interface, das die einfache Integration in die EMM-Lösung erlaubt.

EMM-Anbieter gehen ins Internet der Dinge

VMware Airwatch hat in diesem Bereich bereits Erfahrung, denn 2015 hat der EMM-Spezialist geholfen, 30.000 Cola-Automaten an das Internet der Dinge anzuschließen. Diese und andere Projekte sowie die Zusammenarbeit mit Netzwerkanbieter Cisco führten dazu, dass VMware vor kurzem sein Pulse IoT Center vorstellte. Es bietet eine Kombination der bewährten EMM-Funktionen von Airwatch mit den Möglichkeiten zur Überwachung und Fehlerbehebung von vRealize Operations. Bei der Lösung handelt es sich um eine recht umfassende IoT-Plattform mit großer Flexibilität bei den unterstützten Geräten.

BlackBerry hat sich neu erfunden und mit Blackberry Radar Solution bereits eine Ende-zu-Ende-Lösung für das Internet der Dinge herausgebracht. Es geht dabei im Moment um die Überwachung von Gütertransporten. Ein mit Sensoren ausgerüstetes IoT-Device von BlackBerry ermittelt Daten wie Feuchtigkeit oder Temperatur und überträgt sie an die IoT-Plattform. Diese Lösung dürfte leicht auf andere Anwendungsgebiete übertragbar sein und kann mit der BlackBerry Enterprise Mobility Suite auch klassische Mobilgeräte verwalten.

MobileIron ist beim Internet der Dinge Nachzügler. Erst im Frühjahr hat das Unternehmen eine Division für das IoT gegründet. Die angekündigte Plattform ist bisher noch in der Testphase. Allerdings kann MobileIron von den Erfahrungen aus der Mobilwelt profitieren: Es will einen auf Standards basierenden, offenen Ansatz verfolgen, integrierte Sicherheit bieten und die bekannte EMM-Architektur inklusive der Automatisierung durch Richtlinien auf IoT-Geräte übertragen.

Die Entwicklungen bei den EMM-Anbietern zeigen, dass Smartphone-Welt und Internet der Dinge zusammenrücken. Aus technischer Sicht ist beides sehr eng verwandt und zum Teil werden sogar dieselben Betriebssystemfamilien eingesetzt, etwa bei Connected Cars oder Wearables. Für Unternehmen ist es deshalb sinnvoll, sich vor dem Start eines IoT-Projektes um eine dafür geeignete EMM-Lösung zu bemühen. Angesichts eines potentiellen Riesenmarktes aus Milliarden vernetzten Smart Devices wollen die führenden Anbieter hier unbedingt einen Fuß in der Tür haben.

Bildquelle: Thinkstock

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