Google Nexus 7

Entertainment statt Business

Google hat jetzt auch ein eigenes Tablet - im Niedrigpreissegment. Und mit der Ankündigung des Amazon Kindle Fire 2 sind die Mitspieler im Weihnachtsgeschäft 2012 komplett.

Das Google-Tablet "Nexus 7"

Die Überraschung war kaum größer als eine Plancklänge, wie es nach dem wochenlangen Aufköcheln und Durchhecheln der Branchengerüchte auch nicht anders denkbar wäre: Das Google Tablet kommt. Der Berg kreißte also und gebar ein 7-Zoll-Kästchen mit einem Geburtsgewicht von 340 Gramm, einer Auflösung von 1280x800 Pixeln, Quadcore-Prozessor und einem schnellen Grafikprozessor.

Das kleine Tablet soll 200 Dollar kosten und wird mit der neuen Android-Version 4.1 (Jelly Bean) ausgestattet. Diese Variante soll schneller als der Vorgänger sein und besitzt viele Detailverbesserungen. Das einzige echte Highlight: Google Now. Der Dienst bietet Echtzeit-Benachrichtigungen anhand eigener Präferenzen. Darunter versteht Google Restaurantvorschläge am Mittag oder Verkehrsinformationen zur aktuellen Reiseroute.

Wer das alles nicht braucht, sondern eigentlich nur Audio, Video und TV haben will, wird jetzt auch von Google bedacht - mit dem Mediaplayer Google Nexus Q. Verblüffend an diesem Versuch ist nicht, einen neuen Medienplayer in Zeiten stetigen Bedeutungsverlustes von Medienplayern zu etablieren - jedenfalls nicht in erster Linie. Wirklich verblüffend ist das Design: Das Gerät ist kugelförmig und wirkt ein wenig wie Zubehör für Star Wars-Actionfiguren.

Kurz und gut: Google hat jetzt alles, was auch Apple hat. Und Microsoft, minus den Zune-Player natürlich. Dazu passt, das Amazon die zweite Version des Kindle Fire noch im Sommer herausbringen soll. Damit sind die Kontrahenten für den großen Tablet-Shootout im Weihnachtsgeschäft aufgefahren.

Interessant, dass es hier zwei Paarungen gibt: Microsoft Surface greift das Apple iPad an und zwar in der MS-Domäne der Business-User. Das Google Nexus 7 richtet sich nicht nur wegen des Preises in erster Linie auf das als Billigtablet verschrieene und genau deshalb millionenfach verkaufte Fire-Tablet.

Der noch recht neue E-Book-Verkauf über Google Play passt genau zu diesem Ziel. Der Erfolg des ausschließlich an den Amazon-Store gebundenen Entertainment-Tablets zeigt eine mögliche Entwicklungsrichtung für Android-Tablets: Games, Bücher, Audio, Video, TV. Entertainment statt Business also.

Im Business-Segment ist eine heterogene Plattform immer ein großes Hindernis, da CIOs es am liebsten einheitlich haben: Das ist einfacher und kostengünstiger zu managen. Und die Kombination aus Hardware und Software aus einer Hand erlaubt eine genaue Anpassung an die Bedürfnisse der Zielgruppe - beim Design ebenso wie bei den Funktionen, wie Microsoft endlich erkannt hat.

Deshalb werden sich wohl Microsoft und Google bei den Business-Usern nur wenig in die Quere kommen. Doch Apple muss sich diesen Winter warm anziehen: Es wird nun von drei Seiten angegriffen. Die Veröffentlichung der Verkaufszahlen aus dem Weihnachtsgeschäft ist dann endlich wieder eine echte Überraschung.

Bildquelle: Opens external link in new windowGoogle

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