17.07.2017 KI wächst

Erfolgreiche Länder besitzen KI-Ökosysteme

Von: Ingo Steinhaus

Unternehmer, Geldgeber, Anwender im Überfluss - fast der ganze KI-Kuchen geht an USA und China.

Amazon-Roboter beim Warentransport

Amazon-Roboter beim Warentransport

Der Erfolg von Künstlicher Intelligenz (KI) ist messbar, zumindest bei Investitionen: In den letzten drei Jahren hat sich das in KI-Anwendungen fließende Geld verdreifacht. Die Unternehmensberatung McKinsey geht davon aus, dass bis zu 39 Milliarden Dollar im Jahr 2016 in KI-Anwendungen geflossen sind. Das meiste Geld haben die großen Technologieunternehmen wie Baidu oder Google ausgegeben - maximal 30 Milliarden Dollar.

Startups finanzieren KI lediglich mit maximal neun Milliarden Dollar, der größte Teil davon Risikokapital oder andere Finanzierungsformen. Die attraktivste Anwendung ist Machine Learning, 66 Prozent aller Investitionen flossen in die entsprechenden Startups. Mit Abstand auf Platz zwei ist Computer Vision. Gemessen an den Investitionen sind Bereiche wie autonomes Fahren, Robotik und Sprachverarbeitung eher nachrangig.

Obwohl viele KI-Anwendungen noch im Erprobungsstadium sind, werden sie von einigen Unternehmen bereits eingesetzt. Die Early Adopter sind dabei recht nah an der Digitalwirtschaft und eher Großunternehmen in ihren Branchen. Sehr weit beim Einsatz von KI im Geschäftsbetrieb sind Unternehmen aus Hightech und der Telekom-Branche. Ebenfalls sehr an dem Thema interessiert sind aber auch Finanzdienstleister und Versicherer.

Die Bedeutung von KI-Technologien für Unternehmen lässt sich gut an einigen Beispielen aus dem produktiven Betrieb demonstrieren, etwa bei Amazon. Der Handelsriese hat vor einiger Zeit mehr als eine Dreiviertelmilliarde Dollar investiert, um das Robotik-Unternehmen Kiva aufzukaufen. Es geht dabei um die Automatisierung von „Picking & Packing“, also dem Einsammeln von Waren im Lager und dem Verpacken in Versandkartons. Amazon gibt an, mit solchen Robotern die Leistungsfähigkeit der Lager um 50 Prozent steigern zu können.

KI-Investitionen entwickeln sich ungleich

Doch auch wesentlich unauffälligere KI-Methoden haben deutliche wirtschaftliche Erfolge. So nutzt Netflix seit einiger Zeit KI-Algorithmen, um die persönlichen Empfehlungen für seine gut 100 Millionen Abonnenten zu verbessern. Das Unternehmen hat herausgefunden, dass ein Kunde auf der Suche nach einem Film recht schnell aufgibt: Wenn er innerhalb von 90 Sekunden nichts Passendes gefunden hat, bricht er den Vorgang wieder ab.

Passiert so etwas öfter, tendieren die Nutzer dazu, ihr Netflix-Abo schnell wieder zu beenden. Durch Verbesserung der Suchergebnisse mit den neuen Algorithmen konnte Netflix nach eigenen Angaben Kündigungen im Wert von 1 Milliarde Dollar Umsatz vermeiden. Diese Erfahrungen lassen sich auf jede Art von E-Commerce übertragen: Je schneller der Kunde etwas findet, desto zufriedener ist er.

Die McKinsey-Studie dekliniert das Thema KI an einer ganzen Reihe von Branchen durch. Dabei machen die Autoren auf eine auffällige Entwicklung aufmerksam: KI verteilt sich weltweit äußerst ungleich. Unternehmen in den Vereinigten Staaten saugten 2016 etwa 66 Prozent sämtlicher externen Investments in KI auf. Weitere 17 Prozent gingen an das zweitplatzierte China, das zudem noch sehr schnell wächst.

Beide Länder besitzen gut entwickelte „KI-Ökosysteme“ mit zahlreichen Unternehmern, Geldgebern und Anwendern rund um Künstliche Intelligenz. Hinzu ist in diesen Ländern auch die Politik aufmerksam geworden, die KI als Teil ihrer Förderaktivitäten begreift. Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass sich andere Länder an dieser Vorgehensweise ein Beispiel nehmen sollten. Denn es gibt die Gefahr, dass die Vorreiter den Abstand zu den Nachzüglern in den nächsten Jahren noch deutlich vergrößern werden.

Bildquelle: Amazon Robotics

©2017 Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH