Betriebssysteme sind gigantische Programme. Windows belegt nach der Installation mindestens acht Gigabyte auf der Festplatte und benötigt wenigstens ein Gigabyte freien Hauptspeicher sowie weitere acht Gigabyte freien Festplattenplatz, um überhaupt arbeiten zu können.
Selbst das als recht schlank geltende Android benötigt ungefähr ein Gigabyte Platz, je nach Lieferumfang sogar mehr. Geräte mit diesem System sollten also wenigstens vier Gigabyte Flashspeicher besitzen, damit überhaupt noch irgend welche Daten gespeichert werden können.
Ist es vorstellbar, dass in Zukunft auch Minigeräte aus dem Internet der Dinge unter einem solchen Betriebssystem laufen? Muss man via Netzwerk steuerbare Kaffeemaschinen, Schnellkochgeräte, Glühlampen oder Thermostate wirklich mit so viel Speicher und Rechenkraft ausstatten, um ein Betriebssystem wie Android laufen zu lassen?
Die Macher des europäischen Open-Source-Betriebssystems Contiki finden das nicht. Das bereits 2002 vom Schweden Adam Dunkel entwickelte System arbeitet auf Mikrocontrollern und Embedded Systems , die mit der auf den ersten Blick veraltet erscheinenden 8-Bit-Technologie arbeiten.
Doch das System ist vollkommen ausreichend und sehr gut an die Hardware-Begrenzung von Sensoren und Netzwerkgeräten angepasst. Das Betriebssystem arbeitet bereits ab 10 Kilobyte RAM und 30 Kilobyte ROM. Das komplette System inklusive der grafischen Oberfläche benötigt maximal 30 Kilobyte RAM.
Aktuelle Standards an Bord
Unter der Haube nutzt Contiki alle aktuellen technischen Internetstandards wie IPv4, IPv6 und HTTP. Außerdem wird es komplett mit einem Webbrowser, einem Webserver und einem einfachen Telnet-Client für Remote-Verbindungen zu anderen Rechnern ausgeliefert.
Contiki ist nicht annähernd so bekannt wie Windows, OS X oder Linux, aber es ist eine gute Grundlage für das "Internet der Dinge". Hardware-Hersteller können damit recht schnell Geräte auf den Markt bringen, ohne das Betriebssystem für diese Geräte von Grund auf neu zu entwickeln.
Die 8-Bit-Technologie ist ideal für Systeme, bei denen sowohl die Kosten als auch der Stromverbrauch niedrig sein sollen. Die Rechenleistung eines solchen Systems ist nicht beeindruckend, aber darauf kommt es auch nicht unbedingt an. Es geht lediglich darum, eine gewisse "Intelligenz" durch Software in die Geräte einzubauen und sie mit dem Internet zu verbinden.
Durch einen integrierten Webserver sind außerdem Weboberflächen zur Konfiguration von Geräten und Programmen möglich, auf die via Internet zugegriffen werden kann. Oder anders ausgedrückt: Das Betriebssystem enthält alles Notwendige, um Dinge im Internet auftauchen zu lassen.
Bildquelle: Rosel Eckstein / pixelio.de
Links:
Die Website und das Blog von Contiki. Das System findet sich bspw. in Heizungssteuerungen, Glühlampen, Strahlungsmessgeräten und Lärmsensoren.