Während es BlackBerry, dem anderen Konkurrenten um den dritten Platz nicht mehr so gut geht, hat Microsoft Grund zur (verhaltenen) Freude: “Wir sind klein, aber wir wachsen schnell”, meint Joe Belfiore, der Windows-Phone-Chef bei Microsoft. Er meint damit vor allem die Märkte in Lateinamerika und Indien.
Das wirkt auf den ersten Blick wie eine Steilvorlage für Spötter, die mit Sprüchen a la “Entwicklungsfähiges Smartphone” auf Pointensuche gehen. Doch auch die Marktzahlen in Europa sprechen für eine erfolgreiche Aufholjagd, die aber noch lange nicht zu Ende ist.
So ist in Europa der Marktanteil von iOS nur noch wenig größer. Das Microsoft-Mobilbetriebssystem konnte seine Marktbedeutung in einem Jahr verdoppeln. In Indien ist die Entwicklung, die sich hier erst andeutet, bereits eingetreten: Windows Phone verkauft sich besser als iOS.
Auch in Lateinamerika ist diese Entwicklung deutlich zu sehen. iOS leidet dort vor allem unter der Hochpreisstrategie von Apple - Geräte mit dem Telefon-Windows sind eher etwas für eine strenge Buchführung. In zahlreichen kleineren Märkten ist das Apple-System bereits abgehängt.
Natürlich sind diese Zahlen in erster Linie für Leute mit Marketingbrille als Erfolg erkennbar. Trotzdem wird dadurch deutlich: Das Microsoft-System etabliert sich als dritte Macht im mobilen Business und hat damit gegenüber den anderen “kleinen” Systemen wie Firefox OS oder Cyanogen einen deutlichen Vorsprung.
Außerdem ist Microsoft mehr als bloß ein Hersteller von Betriebssystemen. An diesem Diagramm ist einiges abzulesen. Erstens kann Microsoft einen kleinen, vermutlich sogar einen mittelgroßen Knick in den Absatzkurven von ein bis zwei Geschäftsbereichen verkraften.
Zweitens kann Microsoft seine Mobilstrategie aus der sprichwörtlichen Portokasse finanzieren. Das Unternehmen kann es sich leisten, schlechte Zahlen einfach zu ignorieren und auf eine längerfristige Entwicklung der Märkte zu setzten. Denn trotz aller Dynamik dauert es immer noch ein paar Jahre, bis sich ein System vollständig durchsetzt - auch Android war nicht von Anfang an auf 80 Prozent der verkauften Geräte.
Drittens zeigt sich hier das große Problem von BlackBerry und anderen Nischenherstellern: Sie besitzen oft nur einen Geschäftsbereich, der sich selbst am Schopf aus dem Sumpf herausziehen muss. Bei einem Startup kann der Münchhausen-Trick (“Bootstrapping” im Business-Jargon) funktionieren, doch ein eingeführtes Unternehmen hat zumeist einen viel zu großen Geldabfluss.
Bildquelle: Microsoft