16.12.2016 Die Arbeit der Zukunft

Faire Regeln für Crowd Working

Von: Ina Schlücker

Fordert faire Regeln für digitale Arbeitsplattformen wie Crowd Working: Oliver Suchy, Leiter des Projektes „Arbeit der Zukunft“ beim Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Oliver Suchy, DGB-Bundesvorstand

Oliver Suchy, Leiter des Projektes „Arbeit der Zukunft“ beim DGB-Bundesvorstand

Herr Suchy, Co-Working, Crowd Working, Microjobs etc. – die Liste neuer Arbeitsplatzkonzepte und Arbeitsmodelle ist lang. Bei welchen handelt es sich um kurze Hypes und welche werden sich langfristig in der Arbeitswelt etablieren?
Oliver Suchy:
Über die digitalen Arbeitsplattformen und das Crowd Sourcing ist ein Schattenarbeitsmarkt entstanden, der aller Voraussicht nach deutlich wachsen wird. Hier brauchen wir allerdings faire Regeln.

Zuletzt stand Crowd Working in der Kritik, ein Heer an geringfügig bezahlten digitalen „Tagelöhnern“ bzw. „Jobnomaden“ zu fördern. Was spricht aus Ihrer Sicht für und was gegen solche Aussagen?
Suchy:
Bei Crowd Work gibt es große Unterschiede. Es bietet Innovationspotentiale für Unternehmen, hat aber auch eine zerstörerische Kraft. ‚Workers on tap‘, also Arbeitseinsätze on Demand als Ersatz für Jobs mit Perspektive sollte nicht die Arbeit der Zukunft sein.

Welche Auswirkungen haben moderne Arbeitsmodelle wie Co- und Crowd-Working auf die Work-Life-Balance der Arbeitnehmer? Wie können Co- oder Crowd Worker den Spagat zwischen Freizeit und Job schaffen?
Suchy:
Co- und Crowd Work sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Crowd Work verspricht zwar mehr Flexibilität, ist aber nur für die wenigsten – Hochqualifizierte – eine Basis für eine verlässliche Lebensplanung.

Welche Rolle werden Gewerkschaften bei der künftigen Ausgestaltung digitaler Arbeitswelten spielen? Wo liegen hierbei Ihrer Ansicht nach die größten Herausforderungen?
Suchy:
DGB und Gewerkschaften sind wichtige Player bei der Gestaltung der digitalen Arbeitswelt. Es gibt ein neues Miteinander bei politischen Plattformen und Bündnissen oder in der Arbeitsforschung. Es kommt schließlich darauf an, dass wir den Strukturwandel in eine digitale Netzwerkökonomie gemeinsam erfolgreich gestalten. Dieser notwendige Change-Prozess zu neuen Geschäftsmodellen und Arbeitsprozessen gelingt am besten, wenn die Beschäftigten von Anfang an beteiligt werden. Neuralgische Punkte sind vor allem Qualifizierung und Flexibilität sowie Datenschutz und Datensicherheit.


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