Stolperfalle für Gewinner

Flappy Bird - wenn der Erfolg zum Risikofaktor wird

Jeder ist gerne ein Gewinner, doch mancher Sieg verdreht sich ins Gegenteil: Zu viele Nutzer, zu wenigen Ressourcen, um alle Kundenwünsche zu erfüllen.

Erfolg ist nicht planbar

Flappy Bird ist nicht mehr. Der momentan beliebteste Produktivitätskiller in den Büros dieser Welt wurde von seinem eigenen Entwickler vom Markt genommen. Als Grund gab er an: Das Spiel macht süchtig. Ob solche Bedenken der wirkliche Grund waren, wird sich wohl kaum aufklären lassen. Es gibt allerdings einen Tweet des Entwicklers Dong Nguyen, der möglicherweise auf den Grund hinweist: Überforderung durch den rasanten Erfolg.

Das Spiel war bereits seit dem Frühjahr 2013 im Appstore verfügbar und in den ersten Monaten nicht besonders erfolgreich. Doch dann ging es aus vollkommen unklaren Gründen durch die Decke. Alle Blogs und Medien berichteten darüber und jeder musste es haben, so dass es auf Platz 1 der Gratis-Apps landete. Ungefähr gleichzeitig erschien auch die Android-Version, die natürlich einen rasanten Start hinlegte.

Heiratsanträge und Todeswünsche

Was bedeutet so ein Hype für einen Einzelentwickler? Ganz einfach: Er hat keine ruhige Sekunde mehr. Interviewanfragen und Anrufe von Journalisten, Zillionen E-Mails mit Heiratsanträgen und Todeswünschen, Supportanfragen und Bitten um Bugfixes und natürlich hunderte nörgelige Repliken auf unbeantwortete Appstore-Kommentare.

Ein solcher Erfolg hat oft irrsinnige Nebenfolgen. Ein einzelner Mensch kann die nachfolgende Welle kaum bewältigen. Und es gibt jede Menge Missgunst. Dem Entwickler wurde rasch unterstellt, er habe die Download-Zahlen hingetrickst. Zudem gab es das Gerücht, dass die App täglich etwa fünfzigtausend Dollar durch Werbung einspiele.

So hatte der Entwickler vermutlich beschlossen, einfach die Notbremse zu ziehen. Anderen gelingt das nicht so leicht, sie fahren mit ihrem Projekt komplett gegen die Wand. Das in den letzten Jahren zahlreichen Startups passiert. Die typische Situation: Ein Shop oder Service wird zum extremen Erfolg, so dass die wenigen Leute im Unternehmen die Arbeit nicht mehr bewältigen können.

Manche Startups haben die Erfolgskrise bewältigt, viele aber auch nicht. Denn irgendwann schlägt der Erfolg im Misserfolg um, wenn zum Beispiel die Kunden aufgrund des schlechten Service wieder wegbleiben. Ein Riesenproblem ist es auch, wenn das Geschäftsmodell noch nicht zu einem Erlösmodell geworden ist.

Outsourcing von Anfang an

So ging es dem mobilen sozialen Netzwerk Aka-Aki. Der Vorreiter konnte 2009 hunderttausende iPhone-Nutzer begeistern. Deshalb musste er plötzlich eine eigene Serverfarm unterhalten und die gesamte Infrastruktur auf die große Last ausrichten. Das kostete enorm viel Geld, bei fehlenden Einnahmen.

Auch die Suche nach einem funktionierenden Erlösmodell durch Werbung oder Social Gaming scheiterte. Also zogen die Investoren irgendwann den Stecker. Auch bei Aka-Aki sind die Gründer von Erfolg überrannt worden und konnten irgendwann der Entwicklung nur noch hinterher laufen.

Aus diesen Erfahrungen lässt sich ein wichtiger Schluss ziehen: Wenn ein Startup ernsthaft auf Wachstum spekuliert, sollte es von Anfang an auf Outsourcing setzen. Das bedeutet Cloud-Services statt eigener Server und bei einem E-Commerce-Startup Fullfillment-Anbieter mit Rundumversorgung statt eigener Lager und Packer.

Solche Überlegungen helfen dem Entwickler von Flappy Bird allerdings kaum. Obwohl er die App nicht mehr vertreibt, geht der Hype zunächst einmal weiter. Bis Dong Nguyen wieder seine Ruhe hat und sich anderen Dingen widmen kann, wird wohl noch einige Zeit vergehen. Die Lektion aus dieser Geschichte: Erfolg ist ein Monster.

Bildquelle: Gisela Peter / pixelio.de

 

 

 

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