13.07.2017 IoT-Plattformen

Fragmentierter Markt mit wenigen Großen

Von: Ingo Steinhaus

Es gibt zwar mehr als 450 Anbieter von IoT-Plattformen, doch größere Umsätze machen nur wenige.

Wer die einschlägigen Zahlen zu den Umsätzen mit dem Internet der Dinge beobachtet, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Einige Anbieter wollen sogar Milliarden mit IoT-Lösungen machen. Solche Zahlen klingen toll, sind aber in vielen Fällen pures Marketing, kritisieren die Analysten der Digitalberatung IoT Analytics. Zwar sind die Umsätze bei einigen großen Anbietern tatsächlich so hoch, werden aber durch einen kleinen Trick erzeugt: Vorhandenes Geschäft wird einfach als „IoT“ umdeklariert.

In einer aktuellen Marktstudie hat das Unternehmen 450 IoT-Plattformen verglichen. Dabei stellte sich heraus, dass lediglich gut sieben Prozent der Plattformen im Jahr 2016 Umsätze jenseits der zehn Millionen Dollar gemacht hat. Mehr als die Hälfte der Unternehmen dagegen setzt weniger als eine Million Dollar um, die meisten davon kleinere Startups. Die sind größtenteils noch recht klein, denn lediglich mit viel Kapital ausgestattete Silicon-Valley-Startups wachsen stark, sogar stärker als ihre Konkurrenten aus dem Rest der Welt.

Das haben sie gemein mit den anderen führenden Unternehmen in diesem Sektor, denn sie wachsen pro Jahr 50 Prozent oder mehr. Das übertrifft sogar die Erwartungen anderer Analysten, die von höchstens 40 Prozent jährlichen Wachstum in den nächsten fünf Jahren ausgehen. Doch die Big Player in dieser Branche sind in erster Linie alte Bekannte aus dem Cloud- und Rechenzentrumsgeschäft.

B2B-Plattformen haben die Zweidrittelmehrheit

Eine weitere interessante Erkenntnis aus der Studie ist die Verteilung der Plattformen auf Sektoren. B2C-Plattformen sind in der Minderheit, etwa zwei Drittel aller Plattformen richten sich an die Wirtschaft. Hierbei ist das größte Subsegment ist die Industrieproduktion, etwa ein Drittel der B2B-Plattformen widmen sich herstellenden Betrieben. Dazu gehören die bekannten Industrieausrüster wie Siemens oder Bosch mit ihren speziell auf die Produktion ausgerichteten Plattformen sowie die großen Softwareanbieter wie IBM, PTC oder Microsoft.

Aus den Zahlen lässt sich recht gut ableiten, dass umfassende und speziell auf die Bedürfnisse der Industrie zugeschnittene Angebote bereits jetzt eine wirtschaftliche Bedeutung haben und sicher noch Wachstumspotential bieten. Aus Kundensicht haben hier alle Angebote die Nase vorn, die „Full Stack IoT“ anbieten.

Darunter versteht Knud Lasse Lüth, der CEO von IoT Analytics, eine End-To-End-Lösung, die in einem 5-Schichten-Modell dargestellt werden kann. Die ersten vier Schichten bauen dabei aufeinander auf: Unten kommt das Gerät, anschließend die Kommunikationsschicht, darüber die Cloudservices und zum Schluss die Anwendungen. Quer zu diesen Schichten steht IoT-Security - kein Zusatz, sondern Pflichtbestandteil in allen anderen Schichten.

In einem Interview mit dem Fachblog „Smarter Service“ erläutert er dieses Modell genauer und gibt ausführliche Hinweise zur Vorgehensweise bei IoT-Projekten. „Unternehmen müssen sich sehr stark verändern, um mit Geschäftsmodellen im Internet der Dinge erfolgreich zu sein,“ betont Lüth in dem Video. Vor allem sollten sie zunächst zwei Fragen beantworten: „Welche Daten haben wir? Was können wir mit diesen Daten anfangen?“

Der IoT-Markt wächst und bleibt beweglich

Die Auswahl der richtigen Plattform für die Verwirklichung der Pilotprojekte ist dabei ein Knackpunkt. Die Auswertung des Marktüberblicks von IoT Analytics zeigt deutlich, dass es sinnvoll sein kann, auf mehrere Pferde zu setzen. Denn im letzten Jahr war eine sehr starke Bewegung im Markt, nicht jedes Unternehmen existiert noch. Obwohl die Gesamtzahl gestiegen ist, sind einige Player vom Markt verschwunden - oft durch Aufkauf von Konkurrenten. In diesem Fall ist nicht garantiert, dass die Plattform weiterbetrieben wird.

Trotz solcher Entwicklungen geht es mit dem Internet der Dinge aufwärts, wenn auch vergleichsweise langsam. Denn die Investitionen in Plattform-Startups wachsen zwar, sind aber im Vergleich mit anderen Bereichen der Digitalwirtschaft eher dürftig. So finanzierten VCs im letzten Jahr einschlägige Startups nur mit etwa 338 Millionen Dollar und zudem ging die Hälfte des Geldes an zwei Unternehmen - hier ist eindeutig noch Luft nach oben.

Bildquelle: Thinkstock

 

 

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