Starke WLAN-Verschlüsselung

Gefordert: Standards fürs Smart Home

Interview mit Reza Kazemi, Product Strategist, Piper by Icontrol Networks, über starke WLAN-Verschlüsselung sowie geforderte Interoperabilität und einheitliche Standards für das Smart Home

Reza Kazemi, Piper by Icontrol Networks

Reza Kazemi, Product Strategist bei Piper by Icontrol Networks

Herr Kazemi, welche neuen Entwicklungen treiben derzeit den Markt für Smart-Home-Lösungen über die gängigen Sicherheits-, Energie-Management- oder Multimedia-Apps hinaus um?
Reza Kazemi:
Übergreifend werden es Geräte sein, die einen höheren Datenschutzstandard bieten, um sensible Informationen besser abzusichern und Datendiebstähle sowie Betrügereien zu verhindern. Bereiche, in denen sich spezialisierte Lösungen ergeben werden, sind etwa das Umwelt- bzw. Ressourcenmanagement – zum Beispiel für eine Optimierung des Wasserverbrauchs. Ein weiterer Fokus zeichnet sich in der Seniorenbetreuung ab, für die die Kombination aus Internet der Dinge/Smart Home eine gute Plattform bildet.

Egal, wofür Smart-Home-Lösungen genutzt werden, sie betreffen stets äußerst private Belange. An welchen Stellen lauern bei der Nutzung aktuell noch die größten Gefahren bzw. wo gibt es die größten Sicherheitslücken?
Kazemi:
Die Cloud macht die Weiterentwicklung der Technologien sowie das Marktwachstum erst möglich. Allerdings gibt es – teilweise zurecht – Bedenken bei den Speicherorten und der Sicherheit der Benutzerdaten. Darüber hinaus muss das zunehmende Streaming von Live-Daten – etwa von Videokameras oder zur Analytik – die Anbieter und Produktdesigner dazu veranlassen, den Schutz dieser sensiblen Daten äußerst wichtig zu nehmen.

Mit welchen Maßnahmen lässt sich das Connected Home bestmöglich absichern beispielsweise vor unbefugten Zugriffen oder gezielten Attacken aus dem Internet schützen?
Kazemi:
Zweifellos ist eine Sicherung des Netzwerks durch eine starke WLAN-Verschlüsselung und moderne Internet-Gateways wichtig – und natürlich das zeitnahe Einspielen entsprechender Software- und Firmware-Updates. Welche Produkte hier gute Voraussetzungen bieten und Update-Prozesse so einfach wie möglich gestalten, kann man den Bewertungen und technischen Analysen entnehmen. Auch die Lizenzvereinbarungen für Endanwender und die Datenschutzrichtlinien dürfen nicht ungelesen bleiben, denn sie sollten darlegen, was und warum aufgezeichnet und übertragen wird sowie den genauen Speicherort offenlegen.

Die meisten privaten Smart-Home-Lösungen sammeln ununterbrochen Daten – wohin werden diese Daten in der Regel gesandt? Wie transparent sind die Speicherorte für die Endnutzer?
Kazemi:
Zunächst einmal ist es wichtig, dass diese Daten nur für legitimierte Anwender auf einem abgesicherten Weg zugänglich sind. Seriöse Anbieter von Smart-Home-Technologien investieren daher in eine sichere Cloud-Architektur, um Daten für den Nutzer zu sammeln, zu verarbeiten und gegebenenfalls zu speichern. Die Speicherorte müssen klar kommuniziert werden, ansonsten sollten sich Benutzer nicht scheuen, nachzufragen.

Wie können Smart-Home-Daten sicher weitergeleitet und abgespeichert werden? Inwieweit werden dabei Verschlüsselungsverfahren genutzt?
Kazemi:
Eine durchgängige Verschlüsselung mit starken Algorithmen und die Übertragung der Daten über sichere Protokolle sind unverzichtbar. Es gilt herstellerseitig genau abzuwägen, welche Verschlüsselungs- und Übertragungsverfahren auf der einen Seite eine hohe Benutzerfreundlichkeit gewährleisten, auf der anderen Seite aber auch ein Höchstmaß an Sicherheit realisieren. Hersteller und Anbieter müssen zudem dafür sorgen, dass die Systeme immer aktuell – also Sicherheitslücken gepatcht – sind und ihre gesamten Datentransferprozesse regelmäßig per unabhängigem Audit überprüft werden.

Wie ist es um Standards im Smart-Home-Umfeld derzeit bestellt? Inwieweit ist die Interoperabilität im vernetzten Heim bereits möglich?
Kazemi:
Derzeit hat sich die Branche noch nicht auf ein gemeinsames Protokoll für Smart Home geeinigt, hier besteht Handlungsbedarf, der durch einige große Anbieter forciert wird. Wir lesen viel über WLAN, Bluetooth Smart, Zigbee, Z-Wave, Alljoyn, Enocean, Thread, Homekit und andere, aber die Interoperabilität zwischen diesen Protokollen und Funktechnologien wird über für Endanwender häufig zu kompliziert bedien- und konfigurierbare Gateways realisiert.

Welche Marktteilnehmer – z.B. Anbieter, Verbände oder die Gesetzgeber – bemühen sich besonders um die Etablierung von nationalen und internationalen Standards?
Kazemi:
Google, Apple, Samsung, AT & T, the Thread Group, die Z-Wave Alliance, die Zigbee Alliance, die Allseen Alliance, Bluetooth SIG sowie mehrere andere Unternehmen/Konsortien versuchen alle, Standards zu erstellen und als maßgeblich im Markt zu etablieren.

Auf welche Standards und Zertifizierungen sollten Anwender bei der Anschaffung neuer Smart-Home-Lösungen vor allem achten?
Kazemi:
In erster Linie sollten Nutzer sicherstellen, dass das in Betracht gezogene Gerät die Sicherheits-, Leistungs- und Interferenzstandards erfüllt, die am Einsatzort gelten. Eine Zertifizierung durch die Underwriters Laboratories (kurz UL) kann sehr hilfreich sein, um dies festzustellen. Bei der Heimautomatisierung und -absicherung muss das gewählte Gerät die Protokolle unterstützen, die den Einsatzzweck abdecken und kompatibel zu – eventuell schon vorhandenem – Zubehör sind.

Die meisten Sicherheits-Apps besitzen Alarmfunktionen, um die Nutzer z.B. über unbefugtes Eindringen oder Schäden wie Feuer und Wasserschaden zu informieren. Soweit so gut. Doch wie geht es dann weiter, etwa wenn man die Nachricht Tausende Kilometer entfernt im Asienurlaub erhält? Inwieweit lassen sich nachgelagerte Notruf-, Polizei- oder Sicherheitssysteme anbinden?
Kazemi:
Die entsprechenden Funktionen zählen zu den wichtigen neuen Entwicklungen in diesem Bereich. Hersteller und Anbieter sind dabei zu eruieren, wie sich die Backends der Überwachungs-, Melde- und Notrufzentralen mit der neuen Generation der IoT-Geräte für den Heimbereich verbinden lassen. Benutzer erhalten so das Beste aus beiden Welten: Einfache Einrichtung und selbstverwaltete Sicherheit sowie professionelle Überwachung und – soweit erforderlich – automatisierte Benachrichtigung von Notfalldiensten.

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