Unter Beobachtung

Glas(s)klar sinnfrei

Der Trend, sich und sein Privatleben im Internet zu entblößen, ist bereits seit längerem im Gange. Irgendwie hat man sich inzwischen daran gewöhnt, weil man bisher größtenteils die Wahl hatte, mitzumachen oder nicht.

Die Initiative „Stop the Cyborgs" will die Privatsphäre schützen.

Weniger Wahlmöglichkeit hat man, wenn man sich in einem von Webcams ausgeleuchteten Bereich befindet. Entweder man verlässt den Bereich – das Restaurant, den Strandabschnitt oder was auch immer – oder man nimmt es zähneknirschend in Kauf.

Noch weniger Wahl hingegen hat man, wenn sich die digitalen Unnötigkeiten durchsetzen, die Menschen am Körper tragen. Angefangen bei den Google Glasses bis hin zu der unsäglich „bahnbrechenden“ Neuerung, die ein schwedisches Unternehmen auf den Markt schmeißen will: eine Kamera, die alle zehn oder zwanzig Sekunden ein Foto schießt, um diesen Datenschrott daraufhin auf einem Cloud-Server abzulegen. Ziel der Aktion: Der Träger des Gerätes soll sich später an sein Leben erinnern können...

Als wäre dies nicht schon sinnfrei genug, stellt sich zudem die Frage,
ob das private oder auch berufliche Umfeld des Trägers solcher technologischen „Errungenschaften“ es uneingeschränkt klasse findet, permanent abgescannt, gefilmt und fotografiert zu werden. Von Unbeteiligten, die zufällig ins digitale Dauerfeuer geraten, ganz zu schweigen.

Hoffnungsvoll stimmt, dass ausgerechnet aus dem Land der angeblich unbegrenzten Datenmöglichkeiten (USA) von ablehnenden Reaktionen gegenüber den Digitalsichtgeräten zu hören ist. Dann sind wir in Deutschland vermutlich doch nicht die einzigen Datenschutzbedenkenträger.

Bildquelle: stopthecyborgs.org

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