04.10.2017 Google stellt neue Pixel-Smartphones vor

Googles smarte Offensive mit Pixel 2

Google hat zwei neue Smartphones vorgestellt: Das kleinere Pixel 2 (5 Zoll) lässt Google von HTC fertigen, die XL-Version (6 Zoll) wird von LG gebaut.

  • Pixel 2 und Pixel 2 XL

    Pixel 2 und Pixel 2 XL

  • Die neuen Geräte von Google zeigen, dass die KI-gestützte Funktionsweise im Zentrum steht

    Die neuen Geräte von Google zeigen, dass die KI-gestützte Funktionsweise im Zentrum steht

Bei den neuen Pixel-Smartphones setzt Google neben Top-Hardware auch auf seine Expertise bei maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz. Selbstverständlich ist im Pixel 2 und im Pixel 2 XL also der sprechende Google Assistant integriert.

Eine weitere integrierte, schlaue Funktion ist «Google Lens», bei der Inhalte im Bild erkannt werden können. Dies funktioniert zunächst nur in der Foto-App - später soll es aber reichen, einfach die Smartphone-Kamera zum Beispiel auf ein Objekt oder ein Gebäude zu richten.

Eine neue Anwendung für seine lernenden Maschinen findet Google bei der automatischen Musikerkennung: Bei eingeschalteter Funktion identifiziert das Telefon alle Songs, die in seiner Umgebung laufen und blendet die Titel ein.

Über die Benachrichtigungen können sie dann zum Beispiel bei der hauseigenen Videoplattform YouTube abgerufen werden. Zum Erkennen sind «Fingerabdrücke» von zehntausenden Songs direkt auf dem Gerät gespeichert und werden wöchentlich aktualisiert. Eine Herausforderung für die Funktion sei bereits, die Musik von Umgebungsgeräuschen zu unterscheiden, sagte Produktmanager Matt Kulick.

Bei Updates und Sicherheit legt Google eine Schippe drauf und garantiert beim Pixel 2 drei Jahre lang Android-Feature-Updates – bislang waren es zwei Jahre und drei Jahre Security-Updates.

Kamera: Porträt-Funktion und mehr

Bei der Kamera bekommen die «Pixels» eine «Porträt»-Funktion, bei der der Hintergrund per Software verschwommen dargestellt wird. Dadurch sollen die Smartphone-Fotos denen von einer Spiegelreflexkamera ähnlich sehen. Apples iPhones nutzen dafür eine Doppel-Kamera - Google erklärt stattdessen, dank eines Bildsensors mit kombinierten Pixeln mit nur einer Linse auszukommen. Zusätzlich wird der «Porträt»-Effekt auch für die Selfie-Kamera eingeführt - allerdings nur per Software erstellt. Bei den Pixels der 2. Generation seien auch «lebendige» Fotos möglich, die einige Sekunden Bewegung einfangen. Google verspricht dabei, dass Software automatisch erkennt, ob sich ein solches Bild lohnt - oder die Bewegung dafür zu schnell ist und zu schlechten Ergebnissen führen würde.

Google untermauert seine Ambitionen im Smartphone-Geschäft mit den neuen Modellen, die es mit teuren Konkurrenzgeräten von Apple und Samsung aufnehmen sollen: Das «Pixel 2» wird in Deutschland ab 799 Euro verkauft und die XL-Version ab 939 Euro.


Google hatte jüngst angekündigt, bei HTC für 1,1 Milliarden Dollar Mitarbeiter der Entwicklungsabteilung sowie einige Patente zu übernehmen. Von einem HTC-Gerät bekamen die neuen «Pixel» auch eine ungewöhnliche Bedienfunktion: Quetschen. Drückt man die Telefone in der unteren Hälfte zusammen, wird der Google Assistant aktiviert. Dabei hat man das Gefühl, dass das Aluminium-Gehäuse nachgibt - das ist aber nur ein Effekt, der von kleinen Motoren erzeugt wird.

Anders als Apple bei seinem neuen iPhone X setzt Google bei den «Pixel 2»-Modellen weiterhin auf den Fingerabdruck-Sensor statt auf Gesichtserkennung und verzichtet auf kabelloses Laden.

Weitere Google-Hardware

Google betonte zuletzt immer wieder, der Konzern meine es ernst mit dem eigenen Hardware-Geschäft. Neben Smartphones gehört zum Angebot auch der smarte Lautsprecher Google Home. Davon gibt es zum Weihnachtsgeschäft neu eine Mini-Version zum Kampfpreis von 50 Dollar. Außerdem kündigte der Konzern das 399 Dollar teure Modell Google Home Max an, bei dem künstliche Intelligenz dabei helfen soll, den Hifi-Sound an den jeweiligen Raum anzupassen.

Ein weiteres interessanteste Zubehör, dass Google vorgestellt hat, ist ein Wearable: Die Bluetooth-Kopfhörer mit dem Namen Pixel Buds. Sie spielen nicht nur Musik ab, sondern können in Zusammenarbeit mit einem Android-Smartphone auch als digitaler Dolmetscher arbeiten. Kosten sollen sie 180 Euro.

Als erstes Hybridgerät aus Laptop und Tablet mit dem Google Assistant an Bord wurde das PixelBook mit 12,3-Zoll-Bildschirm zum Preis von 999 Dollar vorgestellt.

Ein innovatives Gerät ist die Kamera Google Clips, die selbst entscheidet, wann sie sieben Sekunden lange Videos aufnimmt, aus denen der Nutzer dann auch Fotos aussuchen können. Die 249 Dollar teure Kamera kann auch Menschen und Tiere erkennen. Google betont, dass die Daten grundsätzlich verschlüsselt auf dem Gerät bleiben, bis man sie zum Bearbeiten auf ein Smartphone exportiert.

Was sagt die Android-Konkurrenz?

Bei seinen eigenen Smartphones muss der Konzern zugleich aufpassen, nicht die vielen Hersteller von Geräten mit seinem Mobil-System Android zu verärgern. Die Hardware-Sparte sei deshalb innerhalb von Google von der Android-Entwicklung isoliert und werde genauso wie andere Hersteller behandelt, heißt es. Das «Pixel» war allerdings im vergangenen Jahr zunächst das einzige Telefon mit dem neuen Google-Assistenten.

Google hatte einst auf dem Höhepunkt des Patentstreits der Android-Welt mit Apple im Jahr 2012 den amerikanischen Handy-Pionier Motorola für 12,5 Milliarden Dollar gekauft. Keine zwei Jahre später wurde Motorola für 2,9 Milliarden Dollar an den chinesischen PC-Hersteller Lenovo weitergereicht, Google behielt aber einen Großteil der Patente. Wegen Motorola soll es unter anderem Spannungen mit Samsung gegeben haben, weil der Smartphone-Marktführer über die Konkurrenz durch den Android-Entwickler Google unglücklich gewesen sei.

dpa/rs

Bildquelle: Google

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