Gunnar Berning, CEO und Mitbegründer von Twago
Herr Berning, wie hat sich das Stellenangebot für Mobile-App-Entwickler in der letzten Zeit verändert? Und umgekehrt: Wie sieht die Personalsituation für Unternehmen aus, die gerne App-Programmierer einstellen würden?
Gunnar Berning: Mit der explosionsartigen Entwicklung der App-Economy ist auch der Bedarf an guten App-Entwicklern massiv gestiegen. Und da nicht jedes Unternehmen über diese Expertise im eigenen Haus verfügt, ist die Nachfrage auf Twago speziell auch für App-Programmierer gewachsen: Unser Projektvolumen ist 2012 europaweit sowohl bei der Nachfrage nach iOS- (+379 Prozent) als auch nach Android-Programmierern um plus 369 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.
In welchen Bundesländer oder Regionen finden Unternehmen am ehesten neue Mitarbeiter zur Umsetzung ihrer Mobility-Strategie?
Berning: Eine Auswertung unseres Netzwerkes hat kürzlich gezeigt, dass die Konzentration an Freelancern vor allem in Ballungszentren wie Berlin, Hamburg und München sehr hoch ist. Darin inkludiert sind auch Experten für HTML, HTML5 sowie App-Entwickler und Mobile Web Designer. Die Vorteile des „Cloud Working“ zeigen aber auch, dass die physische Bindung an eine Großstadt kein Muss mehr ist und entsprechend genutzt wird.
Welche Fähigkeiten bzw. Qualifikationen werden seitens der Unternehmen vor allem nachgefragt? Welche sind eher zu vernachlässigen?
Berning: Die meistnachgefragten Fähigkeiten auf unserem Portal sind im Jahr 2012 (Mobile) Web-Development-Skills wie PHP, HTML, MySQL, CSS und Javascript. Die größten Veränderungen gab es auch hier bei der Nachfrage nach Entwicklern für Smartphone- und Tablet-Apps, welche sich in den Top 10 der IT-Skills etabliert haben. Auch HTML5 ist 2012 erstmals unter die Top 10 der meist gewünschten Fähigkeiten seitens der Unternehmen eingestiegen.
Mit welchem Einstiegsgehalt können App-Entwickler heute durchschnittlich rechnen? Wie viel können Spezialisten mit langjähriger Berufserfahrung verdienen?
Berning: Mit der gestiegenen Nachfrage auf Unternehmensseite nach App-Spezialisten sind auch die Budgets und entsprechend die Stundensätze gestiegen: Bei Entwicklern für Smartphones und Tablets von Apple um plus 20 Prozent, bei Android plus 22 Prozent.
Was halten Sie von der vergangenen Sommer eingeführten „Blue Card“ – eher heiße Luft oder ein probates Mittel gegen den Fachkräftemangel?
Berning: Da bei uns die Thematik „Cloud Working“ im Mittelpunkt steht und sich die Arbeitswelt durch die Digitalisierung dynamisch in diese Richtung (maximale Flexibilität, jederzeit und von überall Projekte zu bearbeiten) entwickelt – sowohl auf Arbeitgeber als auch Arbeitnehmerseite, hat die „Blue Card“ für uns keinerlei Relevanz.