RSS-Reader

Gute Webapps für Vielleser

Wer viele Informationen auswerten muss, braucht einen RSS-Reader. Der Markt hat sich durch das Ende des Google Readers flott weiterentwickelt.

Das RSS-Symbol

Die Uhr tickt: In sechs Wochen wird der Google Reader abgeschaltet. Damit ist nicht nur ein nützlicher Dienst Geschichte, sondern auch ein leistungsfähiges Backend, das von vielen Apps und Services genutzt wird. Wer also Ausschau nach Reader-Alternativen hält, muss auch sein persönliches Nutzungsprofil im Blick behalten.

Von den inzwischen recht zahlreichen Alternativen sind nicht alle als “vollgültiger” Reader-Ersatz tauglich. Im Moment hat das (noch?) kostenlose Feedly die Nase deutlich vorn. Der Service konnte mehr als drei Millionen neuer Nutzer an sich binden und wird bald ein eigenes, Reader-kompatibles Backend starten.

Wenige Tage nach der Ankündigung von Google hat das Feedly-Team über Uservoice.com einen aufwändigen Klärungsprozess gestartet, indem die zahlreichen neuen Anwender ihre Wünsche für Features äußern. Innerhalb weniger Tage waren einige der am meisten genannten Wünsche sogar schon eingebaut.

So bietet der Service jetzt auch ein eher karges Layout wie im Reader, dass aber enorme Informationsmengen auf einen Blick anzeigen kann. Generell wurde in den letzten Wochen die Benutzerfreundlichkeit deutlich verbessert und die Anwendung von Services wie Twitter, Facebook, Buffer, Pocket oder Instapaper erleichtert.

Doch die große Frage ist natürlich: Wird das Feedly-Backend so leistungsfähig wie das von Google? In sechs Wochen sind wir alle schlauer. Doch immerhin hat Feedly dank seiner Popularität große Chancen, vor allem was die Verknüpfung mit Fremd-Apps angeht. Viele Anbieter von mobilen RSS-Readern werden vermutlich Feedly unterstützen.

Der Rückzug von Google hat noch zahlreichen weiteren Entwicklern Aufschwung geben. Das Team des optisch recht attraktiven “Old Reader” hat die durch den anfänglichen Benutzeransturm entstandenen Probleme bewältigt, die Webapp arbeitet jetzt einwandfrei. Sie  ist eine gute, kostenlose Alternative, hat aber als privat entwickeltes Nischenprodukt vermutlich keine Chance, als mobiles Backend genutzt zu werden.

Nicht kostenlos sind zwei andere Dienste, die ebenfalls relativ rasch auf die Reader-Einstellung reagierten. FeedWrangler ist erst seit kurzem auf dem Markt und bietet für 19 Dollar im Jahr neben einer Webapp auch iOS-Apps. Eine API für Fremd-Apps soll noch vor dem Ende von Google Reader erscheinen.

Schon etwas länger im Geschäft ist FeedBin. Der Service nutzt ebenfalls ein eigenes Backend und bietet für zwei Dollar im Monat eine solide Webapp sowie eine App für Android. Da die API schon länger besteht und öffentlich ist, gibt es für iOS drei verschiedene Fremd-Apps, die auf FeedBin zugreifen.

Bei diesen beiden Diensten ist die Benutzerbasis durch die Zahlungspflicht relativ klein, was schnellen Zugriff auf das Backend garantiert. Der Funktionsumfang ist vergleichbar. Ein Auswahlkriterium dürfte das Layout sein: FeedWrangler ist spartanischer und weniger luftig als FeedBin und eignet sich damit eher für Leute mit sehr vielen RSS-Feeds.

Ein weiterer, empfehlenswerter Kandidat als Ersatz für den aussterbenden Google Reader ist ein alter Bekannter: FeedReader. Die Windows-Anwendung hat vor fast einem Jahrzehnt den RSS-Markt für dieses Betriebssystem dominiert, durch Funktionsfülle und eine leicht verständliche Benutzeroberfläche.

Doch die enorme Popularität des Readers hat dafür gesorgt, dass FeedReader Marktanteile verloren hat und zuletzt mehrere Jahre nicht mehr aktualisiert wurde. Nach der Bekanntgabe des Reader-Endes hat der damalige Entwickler paradox reagiert und das Programm vom Markt genommen.

Der Grund: Er hatte sich beruflich anders orientiert und sah keine Möglichkeit, die Anwendung weiterzuentwickeln. Doch nun ist sie wieder verfügbar. Ein anderes Entwicklerteam hat den Quellcode aufgekauft und eine verbesserte Online-Version gestartet. Zur Zeit ist allerdings nicht zu erkennen, wohin es geht und ob die Windows-Anwendung weiterenwickelt werden soll.

Ein letzter Ersatz für den Google Reader ist der Digg Reader. Er ist allerdings noch nicht fertig, so dass noch nichts über das endgültige Produkt gesagt werden kann. Laut der Ankündigungen im Digg-Blog soll er zum Start die wichtigsten Reader-Funktionen nachbilden und dann Schritt für Schritt ausgebaut werden. Die Entwicklung der RSS-Szene bleibt also spannend.

Bildquelle: Svilen Milev / sxc.hu

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